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Blackberry-Hersteller steckt noch tiefer in der Krise als erwartet

29.06.2012 | 16:30 Uhr
Blackberry-Hersteller steckt noch tiefer in der Krise als erwartet
Foto: David Manning/rtr

Toronto/Bochum.   Die schlechten Nachrichten rund um den Blackberry-Hersteller RIM reißen nicht ab. RIM muss die Markteinführung seines neues Handys um ein Jahr verschieben, der Verlust des Unternehmens wächst. Und nun bekommen auch die Mitarbeiter die Krise zu spüren.

Der strauchelnde kanadische Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) hat mit einer Reihe von weiteren Hiobsbotschaften überrascht: Für das zurückliegende Quartal präsentierte das Unternehmen am Donnerstag noch schlechtere Zahlen als von Analysten erwartet, kündigte den Abbau von 5.000 Arbeitsplätzen an und gab eine weitere Verzögerung bei der Einführung eines Smartphones mit einem neuen Betriebssystem bekannt.

Gerade die Präsentation des neuen Blackberry 10 galt vielen bis zuletzt als Hoffnungsschimmer der einst tonangebenden Kanadier im Kampf gegen die inzwischen überbordende Konkurrenz durch das iPhone von Apple und Smartphones mit dem Android-System von Google.

Neues Blackberry erst im kommenden Jahr

Im ersten Geschäftsquartal, das bis zum 2. Juni lief, lag der Verlust nach Angaben des Unternehmens bei 518 Millionen Dollar (415 Millionen Euro). Analysten hatten zwar ein Minus erwartet - aber bei weitem nicht in dieser Höhe. Im Vorjahreszeitraum wurden noch 695 Millionen Dollar (557 Millionen Euro) Gewinn erwirtschaftet. Der Umsatz fiel den Angaben zufolge um 43 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar (2,24 Milliarden) Euro. Auch hier blieb RIM deutlich hinter den Analystenerwartungen von 3,1 Milliarden Dollar zurück.

Das erste Smartphone mit dem Betriebssystem Blackberry 10 werde nicht wie geplant noch in diesem Jahr, sondern voraussichtlich erst im ersten Geschäftsquartal des kommenden Jahres auf den Markt kommen, sagte der RIM-Vorstandsvorsitzende Thorsten Heins. Der bisherige Zeitplan sei nicht realistisch gewesen. „Ich werde nicht ein Produkt auf den Markt bringen, das noch nicht bereit ist, die Ansprüche der Kunden zu erfüllen“, sagte Heins. Dabei könne es keine Kompromisse geben.

Jeder dritte Arbeitsplatz fällt weg

Die Personalkürzungen seien Teil der bereits angekündigten Pläne zur Einsparung von jährlichen Kosten in Höhe von einer Milliarde Dollar (800 Millionen Euro), sagte Heins in einer Konferenzschaltung. Bei derzeit etwa 16.500 Mitarbeitern würde bei einer Streichung von 5.000 Arbeitsplätzen fast jeder Dritte bei RIM seinen Job verlieren. „Es ist notwendig die Größe des Unternehmens zu verändern und den Fokus zu verschieben“, sagte der Vorstandsvorsitzende. RIM beschäftigt in seinem Bochumer Entwicklungszentrum 300 Ingenieure und Entwickler.

Er verstehe, was eine Kürzung in diesem Umfang für die Arbeitnehmer bedeute, sagte Heins weiter. Das Unternehmen hätte sich nicht für diesen Kurs entschieden, wenn es ihn nicht als absolut notwendig erachten würde. Für die Zukunft kündigte Heins zudem an, dass RIM weniger Modelle auf den Markt bringen werde als bisher. Auch die künftigen Quartale würden „sehr herausfordernd“ sein.

Für veraltete Technologien gibt es „nur sehr kleinen Markt“

Die größte Enttäuschung sei die erneute Verspätung von Blackberry 10, sagte der Canaccord-Analyst Michael Walkley. In dem sich schnell wandelnden Markt für neue Technologien sei die nun angekündigte Wartezeit bis zur Einführung eine Ewigkeit. Der Analyst Colin Gillis von BGC Financial sagte, die Ergebnisse und die Neuigkeiten von RIM seien noch viel schlimmer als die schrecklichen Nachrichten, die er erwartet habe. Für veraltete Technologien gebe es „nur einen sehr kleinen Markt“, sagte er.

Der Hersteller der früher begehrten Blackberry-Handys leidet seit einigen Jahren immer mehr unter der Konkurrenz durch Apples iPhone und Android-Smartphones. Zuletzt scheiterte das kanadische Unternehmen auch mit einem eigenen Tablet-Computer als Konkurrenz zum iPad von Apple. Das PlayBook von RIM wird inzwischen zu einem Preis verkauft, der unter den Herstellungskosten liegt. Als Berater bei der Neuausrichtung des Unternehmens wurden jüngst die Investmentbanken J.P. Morgan und RBC Capital Markets engagiert.

Er wisse, dass „er viele schwer verdauliche Nachrichten“ präsentiert habe, sagte RIM-Chef Heins. Das kanadische Unternehmen hat ein Team von Bankern angeheuert, das es angesichts sinkender Marktanteile bei der Abwägung von Optionen unterstützen soll. Diese Optionen würden weiter geprüft, erklärte Heins. Details nannte er nicht. (dapd/we)

Von Rob Gillies dapdToronto



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