Bioökonomierat verbreitet Optimismus

Autos und Löwenzahn – geht es nach den Vorstellungen des Bioökonomierates, finden beide eines Tages zusammen.
Autos und Löwenzahn – geht es nach den Vorstellungen des Bioökonomierates, finden beide eines Tages zusammen.
Foto: Felix Kästle/dpa
Es klingt wie eine neue industrielle Revolution, mit freundlicher Unterstützung von Mutter Natur und der Bundesregierung: Forscher arbeiten derzeit daran, dass Reifen künftig Milchsaft aus Löwenzahn statt Erdöl enthalten und Aufzugseile aus Stroh statt aus Stahl gefertigt werden. Seit drei Jahren sind die Experten am Werk, jetzt haben sie Zwischenergebnisse präsentiert – und nicht nur Lob geerntet.

Berlin.. Die Zukunft kommt auf Rädern. In den Reifen von Continental, die in der Ausstellung liegen, steckt Löwenzahn, den Biologen in Russland entdeckt haben. Eine Pflanze liefert zwar nur rund einen Milliliter Milchsaft, der zu dem Gummi verarbeitet wird. Aber im Jahr sind mehrere Ernten möglich. Vor allem aber wollen Forscher des Fraunhofer Instituts in Münster ihn so züchten, dass die Ausbeute größer wird.

Aus Stroh Gold spinnen

Das erklärte am Donnerstag Joachim von Braun der CDU-Bundesforschungsministerin Johanna Wanka und ihrem Kollegen aus dem Agrarressort, Christian Schmidt (CSU). Braun ist Vorsitzender des Bioökonomierates. Jenes Gremium wurde noch von der schwarz-gelben Regierung ins Leben gerufen, zusammen mit der „Nationalen Forschungsstrategie Bioökonomie 2030“. Für insgesamt sechs Jahre sind 2,4 Milliarden Euro eingeplant, damit sich die Industrie Alternativen zum Erdöl sucht. Drei Jahre sind um. Wanka lud nun zur „Halbzeitkonferenz“.

Laut Braun geht es zu wie bei Rumpelstilzchen, dem Märchen der Brüder Grimm. „Wir spinnen aus Stroh Gold, da sind wir schon ganz nah dran.“ Die Forscher gewännen Fasern aus Stroh, die etwa Stahlseile für Aufzüge ersetzen könnten. Da sie leichter seien, hätten sie sogar bessere Eigenschaften. Experimentiert werde auch mit Kunststoffen und Kleidern, mit Kosmetika und Reinigungsmitteln. Noch sind aber die wenigsten Produkte auf dem Markt, die Bioökonomie ist vor allem ein Testfeld.

Sie biete „riesenhafte wirtschaftliche Chancen“, sagte Ministerin Wanka. Deutschland erhalte damit seine „Innovationskraft“. Kollege Schmidt meinte: „Die potenziellen Rohstofflieferanten stehen bereit“ – die Bauern. Sie könnten es auch managen, dass zugleich noch genügend Lebensmittel produziert würden. Diese Euphorie teilen allerdings nicht alle.

Anita Krätzer hat vor Kurzem das Buch „Irrweg Bioökonomie“ veröffentlicht. Sie meint, da arbeite ein „Bündnis aus Biotechnologie-, Pharma-, Chemie-, Nahrungsmittel- und Agrarunternehmen an der kommerziellen Inbesitznahme alles Lebendigen“. Sie macht das zum Beispiel an Leon Broers aus dem Vorstand der deutschen KWS Saat AG fest, das Unternehmen macht sich auch für grüne Gentechnik stark. Boers sitzt im Bioökonomierat.

Den Vorsitzenden Braun stört das nicht. Er ist nicht grundsätzlich gegen grüne Gentechnik, meint aber: „Die Bioökonomie ist nicht abhängig von ihr.“ Sie stecke bisher in keinem der Produkte. In der zweiten Halbzeit soll nun daran gearbeitet werden, dass die neuartigen Bio-Waren auch in den Handel kommen.