Biogas-Erzeugung lohnt nicht mehr
09.10.2007 | 00:00 Uhr 2007-10-09T00:00:00+0200Kamen. Explodierende Getreidepreise machen die umweltfreundliche Energiegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen immer unattraktiver. Ein Beispiel findet sich in Kamen, wo Landwirt Heinrich Wortmann seit 2004 mit einer Biogas-Anlage Strom für 140 Haushalte
Wortmann möchte noch lange "sauberen" Strom liefern, doch sein "Rohmaterial" wird immer teurer. Aber nach einem europaweit katastrophalen Erntejahr sei gegenwärtig der Getreidepreis so hoch, dass sich der Maisanbau für bioenergetische Nutzung kaum lohne.
Fachleute bestätigen: Die Bioenergie steckt in der Kostenfalle. Der Betreiberbeirat des Fachverbandes Biogas stellte vor kurzem fest, dass die steigenden Substratpreise eine wirtschaftliche Notlage für die Eigentümer betroffener Biogasanlagen schaffen. Einige Unternehmen spüren die Probleme schon sehr handfest: Eine Kamener Firma für Planung und Bau von Biogasanlagen musste jetzt Insolvenz anmelden. Geschäftsführer Benno Brachthäuser: "Der Preis für die in solchen Anlagen einzusetzende Biomasse ist aktuell zu hoch, um noch in lohnender Zahl Abnehmer zu finden." Neue Konzepte für Anlagen zum Einsatz von Schlachthofabfällen für die Biogas-Gewinnung kamen zumindest für seine Firma Bebra zu spät. Die löst er derzeit auf.
Landwirt Heinrich Wortmann will dagegen weiter machen: "Es darf einfach nicht sein, dass jetzt die Welle innovativer Entwicklungen für Bioenergie zum Stoppen kommt." In der Vergangenheit erhielt er viel Zuspruch. Auch Bundestagsabgeordnete besuchten seinen Hof, auf dem auch Traktoren mit Rapsöl betrieben werden.
Doch der Preisdruck ist immens. "Wir haben die Wirtschaftlichkeit der Anlage berechnet auf Basis von zehn Euro für einen Doppelzentner Mais. Der Preis liegt nun aber bei 18 oder 19 Euro", berichtet der Kamener Landwirt. Der Preis, den er für den gewonnenen Strom erhält, liegt aber für 20 Jahre fest.
Benno Brachthäuser sieht vor allem auf die Betreiber großer Anlagen wirtschaftliche Probleme zukommen. In Bergkamen scheiterte unter anderem wegen der rasenden Preisentwicklung ein angedachtes Projekt für eine Anlage, die für rund 200 Hektar Mais-Anbaufläche ausgelegt werden sollte.
Heinrich Wortmann genügen für seine Biogas-Nutzung etwa 12 Hektar. Das sei noch steuerbar, sagt er. Fein raus sind dagegen Biomasse-Kraftwerke wie das der Firma Remondis in Lünen. Dort wird statt teurem Mais Altholz eingesetzt - davon gibt es genug.
Hoffnung auf neue Regeln für Flächenstilllegung
Landwirt Heinrich Wortmann hofft nun, dass sich die Preissituation wieder entspannt. Neue Pläne der EU zur Rücknahme von Flächenstilllegungsregelungen könnten helfen, glaubt er. Der Getreidepreis werde sich vielleicht in der Zukunft etwas normalisieren. Benno Brachthäuser sieht trotz des eigenen Scheiterns weiter Potenziale in der Nutzung nachwachsender Rohstoffe. Für Wortmann steht jedenfalls fest: "Meine Anlage werde ich auf gar keinen Fall stillegen."

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