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Beschäftigte von Amazon wollen für höhere Löhne streiken

05.04.2013 | 15:32 Uhr
Beschäftigte von Amazon wollen für höhere Löhne streiken
An einem oder mehreren Tagen wollen die Mitarbeiter von Amazon in Leipzig streiken. Ob das Auswirkungen auf das Kundengeschäft hat, ließ Amazon zunächst offen.Foto: dpa

Leipzig/Bad Hersfeld.  Die Gewerkschaft Verdi plant am Amazon-Standort in Leipzig eintägige und auch mehrtägige Streiks. Wann die Arbeitsniederlegungen beginnen werden, ließ Verdi am Freitag zunächst offen. Verdi will eine höhere Bezahlung erreichen, die dem Branchentarifvertrag des Einzel- und Versandhandels entspricht.

Erstmals droht einem Amazon-Standort in Deutschland ein Streik. Bei einer Urabstimmung im Leipziger Logistikzentrum des Online-Versandhändlers sprachen sich 97 Prozent der Verdi-Mitglieder für Arbeitsniederlegungen aus, wie ein Gewerkschaftssprecher am Freitag mitteilte. Auch am Amazon-Standort in Bad Hersfeld schloss Verdi eine Streik-Urabstimmung zur Durchsetzung von höheren Löhnen nicht aus.

Das Ergebnis der Urabstimmung in Leipzig wertete Verdi-Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago als "sehr eindeutiges Votum für die Entschlossenheit der Beschäftigten". Die Gewerkschaft plant demnach eintägige und auch mehrtägige Streiks. Wann die Arbeitsniederlegungen beginnen werden, blieb zunächst offen. In Leipzig arbeiten rund 800 befristet eingestellte Beschäftigte und 1200 Festangestellte. Rund 540 davon sind den Angaben zufolge Gewerkschaftsmitglieder.

Verdi will eine höhere Bezahlung erreichen, die dem Branchentarifvertrag des Einzel- und Versandhandels entspricht. Bisher gibt es in den deutschen Amazon-Standorten keine Tarifbindung. Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten in Leipzig unter anderem eine Lohnuntergrenze von 10,66 Euro sowie ein tarifliches Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Lauenroth-Mago zeigte sich überzeugt, "dass wir am Ende einen akzeptablen Tarifvertrag haben".

Auch in Bad Hersfeld drohen Streiks bei Amazon

Auch in den zwei Amazon-Betriebsstätten in Bad Hersfeld in Hessen könnte es Verdi zufolge bald zu Arbeitsniederlegungen kommen. Wenn Amazon auch weiterhin nicht verhandeln wolle, dann wäre eine Streik-Urabstimmung "einer der nächsten Schritte", erklärte Geschwerkschaftssekretärin Mechthild Middeke am Freitag in Kassel. Es gehe darum, die Belegschaft "Schritt für Schritt zu mobilisieren".

Tarifstreit
Amazon-Mitarbeiter wollen erstmals streiken

Die Urabstimmung beim Versandhändler Amazon in Leipzig hat nach einem Medienbericht ein deutliches Votum für einen Streik ergeben. 97 Prozent der Verdi-Mitglieder, die an der Urabstimmung teilnahmen, hätten für Arbeitsniederlegungen gestimmt.

Bernhard Schiederick vom Verdi-Bezirk Hessen forderte Amazon zur Aufnahme von Tarifverhandlungen auf. Am Montag gibt es zunächst ein Gespräch mit der Geschäftsführung; Amazon lehnt bisher jegliche Verhandlungen ab. Am Dienstag soll die Belegschaft in Bad Hersfeld informiert werden. "Wir sind gut aufgestellt. Das gibt uns Rückenwind für unsere Forderungen", sagte Schiederick der Nachrichtenagentur afp.

Bad Hersfeld ist mit rund 3700 Beschäftigten der größte der sieben Amazon-Standorte in Deutschland. Auch in Hessen pocht Verdi auf Regelungen wie im Tarifvertrag für den Versandhandel. Dazu gehört unter anderem ein Stundenlohn von 12,18 Euro für reguläre Lagerarbeiter.

9,30 Euro Stundenlohn im ersten Jahr plus Bonus

Eine Amazon-Sprecherin erklärte am Freitag, die Mitarbeiter der deutschen Logistikzentren lägen "mit ihrem Einkommen am oberen Ende dessen, was in der Logistikindustrie üblich ist". Im ersten Jahr erhielten sie 9,30 Euro pro Stunde, nach einem Jahr über zehn Euro. Darüber hinaus bekämen alle Logistikmitarbeiter zusätzlich einen Bonus und nach zwei Jahren Betriebszugehörigkeit Aktienanteile, erklärte die Sprecherin in München. Zu den möglichen Auswirkungen eines Streiks auf das Kundengeschäft wollte sie sich nicht äußern.

ARD-Dokumentation
Amazon lässt Hilfskräfte systematisch überwachen

Günstige Preise und kostenlose Lieferung verheißt der Internethändler Amazon seinen Kunden. Leidtragende sind vor allem ausländische Leiharbeiter. Wie eine Dokumentation am Mittwoch in der ARD aufdeckte, werden sie nicht nur zu Dumpinglöhnen angestellt, sondern auch rund um die Uhr überwacht.

Im Februar hatte eine ARD-Fernsehreportage über die Arbeits- und Lebensbedingungen von Leiharbeitern am Amazon-Standort in Bad Hersfeld für Kritik gesorgt. Die Saisonarbeiter sollen dem Bericht zufolge von privaten Sicherheitsdiensten schikaniert worden sein. Amazon kündigte der Sicherheitsfirma daraufhin. Bei Amazon in Leipzig registrierte Verdi seit Jahresende einen deutlichen Zulauf, wie ein Gewerkschaftssprecher sagte. (afp)



Kommentare
05.04.2013
21:37
Hmm...
von Spatenklopper | #2

von Herby52 | #1
Da Amazon fast nur mit Zeitverträgen arbeitet,

"In Leipzig arbeiten rund 800 befristet eingestellte Beschäftigte und 1200 Festangestellte."

Macht bei mir schon mal 60% ohne Zeitverträge.

05.04.2013
19:36
Beschäftigte von Amazon wollen für höhere Löhne streiken
von Herby52 | #1

Wer ist denn bei Amazon länger als 1 Jahr beschäftigt?
Da Amazon fast nur mit Zeitverträgen arbeitet, sorgt man schon dafür, dass kaum einer länger beschäftigt ist. Warum auch? Nachschub gibt es von den Arbeitsämtern genug.

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