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Berthold Beitz hält an ThyssenKrupp-Aufsichtsrat Cromme fest

14.12.2012 | 07:03 Uhr
Berthold Beitz hält an ThyssenKrupp-Aufsichtsrat Cromme fest
Berthold Beitz (r.), Vorsitzender der Krupp-Stiftung, sprach sich eindeutig für Gerhard Crommes Verbleib im Aufsichtsrat des Essener ThyssenKrupp-Konzerns aus.Foto: Reuters

Essen.   Rückendeckung für ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme. Berthold Beitz, Vorsitzender der Essener Krupp-Stiftung und wichtigster Mann im Hintergrund des Konzerns, sprach sich eindeutig gegen die Ablösung Crommes aus - obwohl der Konzern in eine historische Krise geraten ist.

Der Vorsitzende der Essener Krupp-Stiftung, Berthold Beitz, hat dem Aufsichtsratschef des Stahlunternehmens ThyssenKrupp, Gerhard Cromme, den Rücken gestärkt. „Cromme bleibt“, sagte der 99-Jährige dem „Handelsblatt“ (Freitagausgabe) und erteilte damit den Forderungen nach einer Ablösung seines Weggefährten eine klare Absage.

In den vergangenen Wochen war die Kritik an dem 69-jährigen Cromme wegen der Milliardenabschreibungen auf neue Stahlwerke des Essener Unternehmens in Brasilien und den USA gewachsen. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, dass seine mangelnde Aufsicht das Desaster in Übersee verursacht haben soll.

Milliardenverluste und Korruption

Vorstandschef Heinrich Hiesinger hatte erst jüngst einen Milliarden-Verlust des Stahlkonzerns vermeldet - in dessen Folge der halbe Vorstand entlassen wurde. Hiesinger malte ein düsteres Bild von den bisherigen Zuständen in dem nicht nur von tiefroten Zahlen, sondern auch von Korruptions- und Kartellaffären erschütterten Konzern. "Es gab bisher ein Führungsverständnis, in dem Seilschaften und blinde Loyalität oft wichtiger waren als unternehmerischer Erfolg", sagte er. Fehlentwicklungen seien lieber verschwiegen als aktiv korrigiert worden. Außerdem habe offenbar bei einigen die Ansicht vorgeherrscht, dass Regeln, Vorschriften und Gesetze nicht für alle gelten.

Doch werde sich dies nun ändern. Als Eckpfeiler für die neue Unternehmenskultur nannte er null Toleranz bei Verstößen gegen Gesetze oder interne Regelungen und das Leistungsprinzip.

Auch Hiesinger nimmt Cromme in Schutz

Den Aufsichtsrat und dessen Vorsitzenden Gerhard Cromme nahm Hiesinger dagegen gegen Vorwürfe in Schutz, seine Kontrollfunktion nicht erfüllt zu haben. Cromme hatte Hiesinger vor zwei Jahren von Siemens zu ThyssenKrupp geholt. Beobachter allerdings hatten bezweifelt, dass die fundamentalen Fehlentscheidungen im Konzern vollkommen am Aufsichtsrat vorbei gehen konnten. Cromme sei ein Teil des Problems, hieß es vielfach . (dpa)



Kommentare
15.12.2012
17:14
Berthold Beitz hält an ThyssenKrupp-Aufsichtsrat Cromme fest
von BeckerEN | #4

Meiner Meinung nach hätte Thyssen niemals mit Krupp fusionieren dürfen!!!!! Wenn man sich die Geschichte von Krupp ansieht, war es ja schon fast normal "in Schwierigkeiten" zu stecken. Offensichtlich konnte Krupp nie richtig mit Geld umgehen.

Als ehemaliger Thyssianer (bei Thyssen gelernt) hat man in den 15 Jahren schon einiges mitbekommen. Aber als aus Thyssen ThyssenKrupp wurde, hat man schon sehr stark gemerkt, dass es nicht lang gut gehen konnte.
Das Problem sehe ich auch nicht an den deutschen Stahlstandorten, sondern an der Tatsache, dass man sich zu schnell von Bereichen getrennt hat, die zwar Gewinne eingebracht haben (auch in schweren Zeiten), aber unter den Erwartungen lagen. Heut muss man ja am besten gestern Reich werden. Zudem hat man sich nicht auf neue Technologien eingelassen. Erneuerbare Energien, neue Entwicklungen im Automobilbereich etc.
Das hätte mehr gebracht, als die Investition in die zwei Stahlwerke.

14.12.2012
14:42
Berthold Beitz hält an ThyssenKrupp-Aufsichtsrat Cromme fest
von fogfog | #3

das sind noch wahre männerfreundshaften. egal wie viel mist man baut, wie viel geld man verschleudert - man steht für den anderen ein. mir tun nur die mitarbeiter leid die unter den fehlbesetzungen leiden müssen und keine millionen abfindungen bekommen

14.12.2012
10:23
Berthold Beitz hält an ThyssenKrupp-Aufsichtsrat Cromme fest
von karmey | #2

Es ist keine Kleinigkeit, wenn der grösste Ruhrkonzern durch Managementfehler in eine womöglich existentielle Krise steuert und wenn viele tausende fleissige und gutausgebildete Menschen dadurch ihre Arbeitsstelle verlieren könnten. Das betrifft dann noch viel mehr andere Menschen im Ruhrgebiet, die Familienangehörigen und andere Arbeitnehmer, deren Arbeitsplätze direkt und indirekt mit am Konzern hängen.

Es stellt sich die Frage nach der Übernahme von Verantwortung für diese unternehmerische Katastrophe. Wo war Herr Cromme als Aufsichtsratsvorsitzender, als die Dinge ihren verhängnisvollen Lauf nahmen? Ist er bereit, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen und zu akzeptieren? Immerhin wird er siebzig Jahre alt, andere denken da schon mal ans Kürzertreten. Und was ist mit seinem Chef, dem Herrn Beitz? Der wird demnächst hundert Jahre alt. Hat man da noch den kompletten Überblick? Wie gesagt, es hängen viele tausende Schicksale am Können oder Nichtkönnen dieser Männer.

14.12.2012
08:55
Berthold Beitz hält an ThyssenKrupp-Aufsichtsrat Cromme fest
von holmark | #1

Ist doch klar. Die meisten Manager erhalten ihre Jobs nicht wegen ihres Könnens, sondern wegen ihrer Beziehungen.

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