Benko holt sich Verstärkung

Karstadt-Eigner René Benko ruft Verstärkung: Der italienische Warenhaus-Spezialist La Rinascente soll sich ums Luxuswaren-Geschäft kümmern.
Karstadt-Eigner René Benko ruft Verstärkung: Der italienische Warenhaus-Spezialist La Rinascente soll sich ums Luxuswaren-Geschäft kümmern.
Foto: imago/SKATA
Was wir bereits wissen
Karstadt-Eigner übergibt Mehrheit an Luxus-Warenhäusern dem Premium-Spezialisten La Rinascente. Signal auch an die Metro im Kampf um Kaufhof.

Essen/Wien.. An Entschlossenheit, den deutschen Kaufhausmarkt umzukrempeln, mangelt es Karstadt-Eigner René Benko offenbar nicht. Während die Metro noch mit sich ringt, ob sie ihre Warenhauskette Kaufhof nun an Benko oder an die kanadische Handelskette Hudson’s Bay verkauft, hat sich der Österreicher Verstärkung besorgt: Der italienische Premiumwarenhaus-Spezialist La Rinascente steigt in Benkos „KaDeWe Group“ ein und übernimmt die Mehrheit am Geschäft der drei Karstadt-Luxushäuser KaDeWe (Berlin), Alsterhaus (Hamburg) und Oberpollinger (München), wie Benkos Firma Signa Retail gestern mitteilte.

Auch klassische Karstadt-Filialen sollen von Partnerschaft profitieren

Dass Benko dies auch als Signal an Metro verstanden wissen will, lässt sich aus der Begründung von Signa für den Deal unzweideutig herauslesen. Mehrfach wird darin, unter anderem von Karstadt-Chef und Signa-Retail-Geschäftsführer Stephan Fanderl, betont, dass „nicht zuletzt auch unsere klassischen Warenhäuser“ von der Partnerschaft mit La Rinascente profitieren sollen. Als Beispiel nennt Fanderl die gehobenen Lebensmittel-Abteilungen in den Luxushäusern, künftig aber auch in jenen klassischen Karstadt-Filialen, die er mit seinem neuen Konzept zu „Erlebnishäusern“ aufwerten will.

Metro will in den kommenden Wochen entscheiden, wer den Zuschlag für ihre zum Verkauf stehende Warenhaustochter Kaufhof erhält. Im Umfeld des Düsseldorfer Unternehmens kursierten zuletzt Zweifel daran, ob Benko als Immobilienexperte im Gegensatz zu den Kanadiern genügend Handelskompetenz mitbringe, um Kaufhof eine sichere Zukunft bieten zu können. Warenhaus-Know-how hat er nun mit den Italienern ins Boot geholt. La Rinascente betreibt elf Kaufhäuser in Italien und erzielte Signa zufolge zuletzt trotz der wirtschaftlich schwierigen Lage dort Wachstumsraten von rund zehn Prozent.

"Warenhausgruppe europäischer Prägung"

Als Abgrenzung zu Hudson’s Bay, dem großen Konkurrenten im Bieterwettkampf um Kaufhof, kann auch die Betonung von Signa verstanden werden, mit La Rinascente eine „Warenhausgruppe europäischer Prägung“ aufzubauen. Karstadt-Chef Fanderl hatte bereits im Vorfeld Zweifel zu säen versucht, ob amerikanische Handelskonzepte (wie die von Hudsons’s Bay) in Europa überhaupt funktionieren könnten.

Karstadt Zuletzt hatte Fanderl für den Fall der Fusion von Karstadt und Kaufhof versprochen, keine Standorte zu schließen. Signas Offerte für Kaufhof, die auf knapp drei Milliarden Euro taxiert wird, enthalte eine „langjährige Standort- und Beschäftigungsgarantie“.

Formell hat der aktuelle Deal nichts mit den klassischen Karstadt-Häusern und damit auch nichts mit der angestrebten Kaufhof-Fusion zu tun. Die damit verbundene Ankündigung, Signa und La Rinascente würden gemeinsam einen dreistelligen Millionenbetrag investieren und weitere Übernahmen von Wettbewerbern prüfen, bezieht sich ausschließlich auf die Luxushäuser, die getrennt von den anderen Karstadt-Filialen in einer eigenen Gesellschaft geführt werden.

Abbau des Investitionsstatus'

Die KaDeWe-Gruppe solle Europas Marktführer im Premiumsegment werden und plane konkret bereits neue Standorte in Prag und Wien. Neben der Handelserfahrung und Investitionszusagen dürfte Benko auch frisches Geld von La Rinascente erhalten, einer Tochter der thailändischen Central Group. Über den Preis für den Mehrheitsanteil an der KaDeWe-Gruppe wurde Stillschweigen vereinbart, erklärte die Wiener Signa-Zentrale auf Anfrage dieser Zeitung.

Ob, wie angekündigt, auch die klassischen Filialen davon profitieren können, sieht Handelsexperte Thomas Roeb skeptisch. „Inhaltliche Synergien sehe ich da eher nicht. Ließe sich das Luxus-Konzept einfach auf die klassischen Filialen übertragen, hätte man es längst getan, sagte er dieser Zeitung. Wenn überhaupt, könne man im Textilbereich von den Premiumhäusern lernen, „die Übergänge vom gehobenen Mittelklassebereich zur unteren Oberklasse sind fließend“. Entscheidend für das Überleben der klassischen Filialen sei aber der Abbau des „jahrzehntelangen Investitionsstaus“.