Belegschaft lehnt Betriebsrat im einzigen VW-Werk in USA ab

Das VW-Werk in Chattanooga, das den US-Passat baut, bleibt ohne Betriebsrat.
Das VW-Werk in Chattanooga, das den US-Passat baut, bleibt ohne Betriebsrat.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Die Belegschaft des einzigen Volkswagen-Werks in den USA hat sich mit knapper Mehrheit gegen einen Betriebsrat nach deutschem Vorbild ausgesprochen. Der VW-Konzernbetriebsrat in Wolfsburg kündigte am Sonntag an, bei der Schaffung einer Arbeitnehmervertretung in Chattanooga nicht locker zu lassen.

Chattanooga.. Das Autowerk Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee bleibt das einzige große im Volkswagen-Imperium ohne Betriebsrat. Die Mitarbeiter haben der umstrittenen Autogewerkschaft UAW die Türe vor der Nase zugeschlagen. Sie stimmten mit 712 zu 626 Stimmen gegen den Vorschlag, sich von der Gewerkschaft in Tarifangelegenheiten vertreten zu lassen.

Dies ist nicht nur ein herber Rückschlag für die US-Autogewerkschaft, die seit Jahren vergeblich versucht, in den Autofabriken im Süden der USA Fuß zu fassen. Auch der mächtige Konzernbetriebsrat in Wolfsburg hatte auf die Wahl gedrungen, um eine Arbeitnehmervertretung nach deutschem Vorbild in der amerikanischen Fabrik zu etablieren.

Politischer Druck durch Lobbyisten

Die Niederlage rief am Sonntag dann auch Detlef Wetzel, den Vorsitzenden der IG Metall, auf den Plan. „Wir bedauern die Entscheidung der VW-Beschäftigten in Chattanooga“, sagte der Gewerkschaftsboss und wies auf hohe Hürden für die gewerkschaftliche Organisierung in den USA hin. „Wir haben in Chattanooga einen massiven politischen Druck durch Lobbyisten und republikanische Politiker gegen die UAW beobachtet“, erklärte Wetzel.

Logistik Das VW-Werk Chattanooga war die bislang beste Chance für die US-Gewerkschaft, ihre Stellung in dem traditionell eher gewerkschaftsfeindlichen Teil des Landes zu verbessern. Die Wahl hatte landesweit für Schlagzeilen gesorgt. Hätte die UAW gewonnen, wäre dies ein Wendepunkt in ihrer Geschichte gewesen. Im gewerkschaftskritischen Süden der USA haben sich viele ausländische Autohersteller angesiedelt. VW fertigt in der Region seit 2011 seinen US-Passat, Daimler und BMW bauen hier schon länger Geländewagen für den Weltmarkt. Dagegen liegen die Werke der großen US-Hersteller General Motors, Ford und Chrysler zumeist im gewerkschaftlich stark organisierten Norden. Republikaner sehen die Gewerkschaft als Mitschuldigen am Niedergang der Autoindustrie rund um Detroit. Die Autometropole im Norden hatte im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden müssen.

Ziel "Betriebsrat" wird weiter verfolgt

Der VW-Konzernbetriebsrat kündigte am Sonntag an, bei der Schaffung einer Arbeitnehmervertretung in Chattanooga nicht locker zu lassen. „An unserem Ziel der Einrichtung eines Betriebsrats in Chattanooga verändert der Wahlausgang allerdings nichts“, erklärte der Generalsekretär des VW-Konzernbetriebsrats, Gunnar Kilian. Er will deshalb in den kommenden beiden Wochen zusammen mit dem Generalsekretär des Welt-Konzernbetriebsrates, Frank Patta, zu Beratungen mit den Beschäftigten in dem US-Werk fliegen. (dpa)