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Netzentgelte

Bei Strom und Gas drohen weitere Preisaufschläge

06.06.2012 | 16:22 Uhr

Düsseldorf.   Die Strom- und Gaspreise in Deutschland könnten in Folge eines Gerichtsurteils bald steigen. Nach Auffassung des Oberlandesgerichts Düsseldorf sind die Netzentgelte von der Bundesnetzagentur zu niedrig kalkuliert worden. Die Netzentgelte sind Bestandteil des Strompreises.

Den Strom- und Gaskunden in Deutschland drohen Preiserhöhungen auf breiter Front. Das Oberlandesgericht Düsseldorf entschied am Mittwoch in 19 Pilotverfahren, dass die Bundesnetzagentur in der Vergangenheit den Anlagenwert der deutschen Strom- und Gasnetze zum Nachteil der Netzbetreiber zu niedrig kalkuliert habe. Wird das Urteil rechtskräftig, können die Netzbetreiber die höheren Kosten auf die Verbraucher umlegen. Doch kann die Bundesnetzagentur noch Rechtsbeschwerde beim Bundesgerichtshof einlegen.

Der Vorsitzende Richter des 3. Kartellsenats Wiegand Laubenstein betonte, das Urteil habe „erhebliche Bedeutung“. Denn es betreffe alle Gas- und Stromnetzbetreiber in Deutschland. Und es hat nach den Worten des Richters auch Auswirkungen „für kommenden Festlegungen“. Dies könnte etwa für den mehr als 30 Milliarden Euro teueren Umbau der Stromnetze im Zuge der Energiewende gelten.

Fast 300 Versorger klagten

Nach Auffassung des Gerichts machte die Aufsichtsbehörde in der Vergangenheit gravierende Fehler bei der Berechnung des Wertes der deutschen Strom- und Gasnetze. So seien Produktivitätsfortschritte beim Neubau von Netzen zu hoch und Lohnsteigerungen zu niedrig angesetzt worden.

Insgesamt haben vor dem Oberlandesgericht fast 300 Gas- und Stromnetzbetreiber gegen die Berechnungspraxis der Bundesnetzagentur geklagt. Für die deutschen Verbraucher würde das Urteil, wenn es rechtskräftig wird, wohl weitere Preissaufschläge bedeuten. Denn die Netzkosten fließen in den Strompreis ein. Auch die in der Vergangenheit zu wenig gezahlten Gelder könnten dann nachträglich auf den Strompreis aufgeschlagen werden, wie ein Sprecher des Gerichts erklärte. Die Netznutzungsentgelte machen etwa 20 Prozent am Strom- und Gaspreis aus.

Kemfert rechnet nur mit „leichteren Preissteigerungen“

Pro Jahr und je Netzbetreiber könnten die Auswirkungen der neuen Berechnungsweise bis zu mehrere Millionen Euro betragen, teilte das Gericht mit. Wie hoch der Gesamtbetrag ausfallen würde, blieb aber zunächst offen. Schätzungen, es könne sich um einen Milliardenbetrag handeln, wollten weder das Gericht noch die Bundesnetzagentur kommentieren. Ohnehin würde eine Nachzahlung wohl über mehrere Jahre verteilt werden.

Ein Sprecher der Bundesnetzagentur erklärte, vor einer Entscheidung über eine Rechtsbeschwerde beim Bundesgerichtshof werde die Behörde zunächst die Urteilsbegründung prüfen.

Die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Hildegard Müller, betonte, die Entscheidung des Gerichts bestätigte die Auffassung der Versorgungswirtschaft. Der BDEW hoffe, dass damit das langjährige Verfahren abgeschlossen werden könne.

Die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, riet unterdessen den Verbrauchern zu Gelassenheit. Im Nachrichtensender n-tv sagte sie: „Es gibt etliche Stromanbieter, die nicht immer eins zu eins sofort alle Kosten weiterreichen. Insofern wird auch der Wettbewerb dafür sorgen, dass die Strompreise durchaus moderat sich entwickeln werden.“ Zwar sei - auch wegen des Anstiegs der EEG-Umlage - in der Summe mit „leichteren Preissteigerungen“ zu rechnen, „aber nicht so stark wie manche im Moment befürchten“. (dapd)

Einen Vergleichsrechner zu Strom und Gas finden Sie hier



Kommentare
01.07.2013
23:22
Bei Strom und Gas drohen weitere Preisaufschläge
von grauen | #25

Gewinne ohne Ende, trotzdem steigen die Preise.
Den Unternehmen werden großzügige Rabatte eingeräumt, die Differenz muss dann der "kleine Mann/Frau" bezahlen. So war es doch schon immer. Die Masse macht es halt. Somit klingeln bei den Energieversorgern weiterhin die Kassen.
Das hat uns die Privatisierung der Energieversorger eingebracht. Eine erneute Verstaatlichung erhalte ich für sinnvoll.

08.06.2012
14:53
Bei Strom und Gas drohen weitere Preisaufschläge
von wilbec | #24

Der ganze "Wer kanns billiger Wahn" hat für einige Jahre den Strompreis stabil gehalten. Es wurden Arbeitnehmer schon mit Einundfünfzig Jahren in den Ruhestansd geschickt. Im Netz wurde zum Teil nur noch das Nötigste getan.
Die Energieversorger sind in den Stand von Kaufmannsläden ohne technischen Verstand in der Führungsebene gesetzt worden.
Schuldig sind die Politiker, die Presse die sich ohne Sachverstand ihre Artikel von der Lobby (Auch der Erneuerbaren) diktieren läßt und nicht zuletzt auch die Kunden, die glauben daß gute Ware nicht ihren Preis wert ist.
Wenn ich an die Sendung "Wetten wir können es billiger" im öffentlich rechtlichen dritten Programm denke wird mir übel.
Zwei Minuten später beklagen diese von der Intelligenz getriebenen Reporter die Leiharbeit und den geringen Stundenlohn einer Friseuse.

08.06.2012
10:15
@22
von FernerBeobachter | #23

"Damals" war jeder eigene Energiekonzern quasi seine eigene kleine Netzagentur.
Um die sich daraus ergebende Monopolstellung der Energiekonzerne zu "brechen", mussten sie Netze aus ihrem Unternehmen ausgliedern und verkaufen - an Investoren, die weniger an der stabilen und bedarfsgerechten Verteilung der erzeugten und nachgefragten elektrischen Energie, als vor allem an ihrem Einkommen pro Zeit interessiert waren. Klar dürfen sie für ihre unternehmerische Leistung auch Geld verdienen. Aber auf der anderen Seite bedeutet der Betrieb eines Energienetzes auch eine gewisse Grundversorgung, die unter allen erdenklichen Umständen (Atomausstieg, Jahrhundertsommer, -winter, Oderflut, Urlaubssaison, usw.) aufrecht erhalten werden muss.
Im Bereich Verkehr liegt z.B. die Straßeninbetriebhaltung in behördlicher Hand, Bahn- und Luftverkehr aber z.B. wird von privaten Unternehmen abgewickelt. Wasserver- &entsorgung ist meist kommunal. Alles hat seine Vor- &nachteile, einen Königsweg sehe ich nicht

07.06.2012
19:54
Bei Strom und Gas drohen weitere Preisaufschläge
von tom009 | #22

ups
sollte heißen das es vor gut 25 jahren auch OHNE diese netzagenturen lief

07.06.2012
19:52
Bei Strom und Gas drohen weitere Preisaufschläge
von tom009 | #21

WAR DOCH DAMALS ABZUSEHEN ALS DIE STROMNETZE IN EIGENSTÄNDIGE UNTERNEHMEN AUSGELAGERT WURDEN.

oder warum glaubt ihr wurde dieses gemacht.
natürlich um dem kunden die durchleitung von stron in rechnung zu stellen.

also bezahlen wir jetzt herrstellung und durchleitung des stromes.

komisch daran ist nur das dies vor gut 25 jahren ja auch diese netzagenturen lief.

und komisch auch das sich jetzt erst darüber aufgeregt wird.

07.06.2012
18:25
Bei Strom und Gas drohen weitere Preisaufschläge
von Klug99 | #20

Wann wird endlich dieser dusselige rot/grüne Energieunsinn abgeschafft?

07.06.2012
11:11
Bei Strom und Gas drohen weitere Preisaufschläge
von wilbec | #19

Das Land wo kostenlos Milch und Honig fließt gibt es im Diesseits nicht.

2 Antworten
Bei Strom und Gas drohen weitere Preisaufschläge
von holmark | #19-1

Doch! Aber nur für sog. Investoren...

Bei Strom und Gas drohen weitere Preisaufschläge
von wilbec | #19-2

Auch die müssen zahlen, nämlich für Risikopapiere, sprich Aktien.
Diese werden demnächst noch mit einer Transaktionssteuer beaufschlagt und der Strom wird noch teurer.
Danke Rot/Grün für die nicht zu Ende gedachte Neidsteuer.

07.06.2012
09:37
Bei Strom und Gas drohen weitere Preisaufschläge
von tolwyn | #18

Da werden EON, RWE und Ruhrgas wieder freuen.
Vom Gericht gelieferte Gründe um dem Bürger eine defitige Preiserhöhung reindrücken zu können. Bald kann sich wirklich nur nich die deutsche Oberschicht mit 54.000 € und mehr Einkommen Strom und Heizung leisten oder was? Und wer verdient kräftig mit, der Staat.

Armes Deutschland sag ich nur.

07.06.2012
07:41
Bei Strom und Gas drohen weitere Preisaufschläge
von Hastalamuertesiempre | #17

Es ist zuweilen erstaunlich lächerlich, wie die Bundesregierung sich dem Prekariat widmet. Die Ärmsten der Armen sollen also lernen, wie man sparsamer mit Strom umgeht, ja sich womöglich sogar noch sündhaft teure Energiesparende Haushaltsgeräte zulegt.

Wovon sich das Prekariat in ihrer existenziellen Armut allerdings eine(n) teure(n) A+++ Waschmachine bzw. Kühlschrank kaufen soll, dies verschweigt genau diejenige Politikerkaste, die sich Tag für Tag so überheblich über die existenziellen Nöte selbigen Prekariats stellt indem man ihnen auch noch "Stromverschwendung", geschweige denn "Unkenntnis der Stromkosten" vorwirft.

Lächerlich ist bei genauerer Betrachtung der falsche Terminus, schaut man sich die amitierende Politikerkaste genauer an. Den Terminus, welchen man wählen möchte, würde dazu führen, dass dieser Kommentar gelöscht würde.

Man darf gespannt sein, welche Vorschläge da in denKöpfen der Politiker brüten... Vielleicht eine Abwrackprämie für Eselkarren?

;-)

07.06.2012
07:18
Bei Strom und Gas drohen weitere Preisaufschläge
von thewho | #16

Und das vor dem Hintergrund, dass in Fukushima nichts schlimmes passiert ist.
-z.B. http://www.unscear.org/ (Darüber könnte die Presse auch mal berichten !)
Vor diesem Hintergrund geschieht es den Leuten recht, wenn Sie für Ihre Panikmache auch beim Strompreis bezahlen müssen.( Schade ist nur, dass auch die erkenntnissfähigen Menschen mit im Boot sitzen und auch blechen dürfen...)

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