Das aktuelle Wetter NRW 20°C
Wirtschaft

Bei den Banken brechen die Arbeitsplätze weg

25.01.2013 | 00:24 Uhr

Essen. Mehr als hunderttausend Stellen sind im vergangenen Jahrzehnt in deutschen Geldhäusern weggebrochen, rund 15 Prozent. Dass es damit längst nicht getan ist, bewies gestern die Commerzbank. Sie bestätigte, in den kommenden vier Jahren bis zu 6000 weitere Vollzeitstellen streichen zu wollen, die meisten davon in deutschen Filialen. Am gleichen Tag verkündete die Allianz, ihre hauseigene Bank mit 450 Beschäftigten im Sommer zu schließen. Die Deutsche Bank streicht 1900 Jobs, wenngleich die meisten im Ausland, allerdings auch rund 450 bei ihrer Tochter Postbank. Und die Hypo Vereinsbank (HVB) will laut Reuters 1000 Stellen bis 2014 streichen.

Den Banken macht vieles zu schaffen: Die Spätfolgen der Finanzkrise 2008/2009, historische Niedrigzinsen, die den Erlös aus Krediten drücken, Abschreibungen auf Staatsanleihen südeuropäischer Krisenländer. Das alles drückt die Gewinne, erklärt aber noch nicht den steten Abbau von Arbeitsplätzen. „Das ist ein Dauerzustand seit sechs, sieben Jahren, der Stellenabbau hat weit vor der Krise begonnen. Und es ist nicht erkennbar, dass sich daran so bald etwas ändern wird“, sagt Dirk Müller-Tronnier, Bankenexperte von Ernst & Young.

In der jüngsten Umfrage der Prüfgesellschaft gaben vier von zehn deutschen Banken an, in den kommenden sechs Monaten Stellen streichen zu wollen. Die meisten wollen sich von Mitarbeitern in der Verwaltung trennen, einige, allen voran die Deutsche Bank, verkleinern ihre Investment-Sparten. Doch es trifft zunehmend auch einfache Kundenberater in der Filiale.

Vor allem Filialgeschäft betroffen

Die zweitgrößte Bank Deutschlands macht den Anfang und räumt vor allem in den Filialen auf. Laut der Gewerkschaft Verdi hält der Commerzbank-Vorstand im klassischen Privatkundengeschäft jede dritte Stelle für verzichtbar, das wären 3400 Stellen. Davon sollen 1800 kurzfristig wegfallen – für Verdi ein „Kahlschlag“. Obwohl bereits mehr als 300 Filialen geschlossen wurden, wirkt noch immer die Übernahme der Dresdner Bank nach.

Das schrumpfende Geschäft mit den Privatkunden gilt auch als Grund für das Aus der Allianz-Bank und den Stellenabbau bei der HVB. Stabil hielten in den vergangenen Jahren nur die Sparkassen sowie die Volks- und Raiffeisenbanken ihre Belegschaften. Doch das wird laut Analyst Müller-Tronnier nicht so bleiben. Online-Banken würden dem klassischen Filialgeschäft noch über viele Jahren Kunden abnehmen.

Deshalb könne er sich nicht vorstellen, dass Sparkassen und Volksbanken künftig noch „so viele Leute hinterm Schalter haben, die auf Kunden warten“. Die nachwachsenden Generationen neigten zum Online-Banking und die älteren Kunden, die lieber Menschen statt Computern ihr Geld anvertrauen, werden weniger. Der Kampf um die verbleibenden Kunden werde noch härter. Wer in diesem Wettbewerb zurückfalle, gerate unter Kostendruck und werde Personal abbauen.

Aussichten wie diese erschweren den Banken auch die Nachwuchs-Suche. Obwohl 2012 mit 2700 Lehrstellen in NRW bereits zehn Prozent weniger angeboten wurden als im Vorjahr, bewarben sich nur noch 2100 junge Menschen.

Stefan Schulte


Empfehlen
Themenseiten
Lesen Sie auch
Kommentare
Kommentare
autoimport
Umfrage
Neue Runde in der Affäre Schavan: Norbert Lammert sagt seine Rede an der Uni Düsseldorf ab. Ist das angemessen als Bundestagspräsident?

Neue Runde in der Affäre Schavan: Norbert Lammert sagt seine Rede an der Uni Düsseldorf ab. Ist das angemessen als Bundestagspräsident?

 
Aus dem Ressort
Essener Energieversorger Steag klagt gegen Spanien
Steag
Beim Essener Kraftwerkskonzern Steag kriselt das bislang ertragsstarke Auslandsgeschäft. Doch die Übernahme durch Stadtwerke aus finanzschwachen Kommunen des Ruhrgebiets erhält den Segen der Behörden.
Umsatz mit E-Zigarette und Zubehör ist stark angestiegen
E-Zigarette
Der Umsatz mit E-Zigaretten und Zubehör in Deutschland ist laut Verband des E-Zigarettenhandels (VdeH) innerhalb von vier Jahren von fünf auf 100 Millionen Euro bis Ende 2013 explodiert. 2014 soll er sich auf 200 Millionen Euro verdoppeln. Die Diskussion über die Gesundheitsgefährdung hält an
Paketfahrer schuften 14 Stunden täglich für 1300 Euro brutto
Lohndumping
Sie arbeiten nicht bei den Paketdiensten selbst, sondern sind Angestellte eines Subunternehmers. Daher haben sie keine Rechte auf Tarif oder Arbeitszeiten der Branche. Und so arbeiten die Zusteller 14, 15 Stunden am Tag, liefern 250 Pakete aus und kriegen dafür gerade mal 1300 Euro brutto im Monat.
Neue Industrie-Gründer in Südwestfalen sind rar
Existenzgründungen
In Südwestfalen kommen zwar weniger Interessenten zur Existenzgründungsberatung, diese sind aber besser qualifiziert und vorbereitet
Hagen bewirbt sich um Sparkassen-Akademie für NRW
NRW-Sparkassen-Akademie
Die Stadt Hagen bewirt sich darum, Standort der Sparkassen-Akademie NRW zu werden. Nachdem die beiden NRW-Akademien – die Rheinische in Düsseldorf und die Westfälisch-Lippische in Münster – Anfang 2014 fusioniert haben, sucht man nun eine zentrale Stelle.