Bauern klagen über Mangel an Erntehelfern
21.09.2008 | 19:26 Uhr 2008-09-21T19:26:00+0200
Brüssel. Deutschlands Landwirte finden nicht mehr genug Männer und Frauen, die ihnen beim Spargelstechen, bei der Weinlese oder bei der Apfelernte helfen. „Wir erwarten, dass einige Landwirte im nächsten Jahr aus diesem Grund ihre Produktion einschränken müssen“, warnt der zuständige Referent beim Deutschen Bauernverband, Burkhard Möller.
Für Januar bis September meldet die Bundesanstalt für Arbeit nur noch knapp 263000 Arbeitsverfahren für ausländische Saisonarbeitnehmer, gut fünf Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Insbesondere aus Polen, traditionell das mit Abstand wichtigste Herkunftsland von Erntehelfern, kamen in diesem Jahr weniger Kräfte – nur noch 180000 nach zuvor 224000. Der Zuwachs an Landwirtschaftshilfen aus Rumänien und Bulgarien konnte diesen Rückgang nicht kompensieren.
Schmerzgrenze erreicht
Selbstverständlich könne man behaupten, die Bauern bezahlten nicht genug Lohn, aber da sei „längst die Schmerzgrenze erreicht“, verteidigt der Bauernverband seine Mitglieder. Gewiss habe auch die ungünstige Entwicklung des Wechselkurses von Euro und Zloty dazu beigetragen, dass der Anreiz für Polen gesunken sei, auf deutschen Äckern zu arbeiten. Die Lobby jedoch macht vor allem die defensive Haltung der Bundesregierung gegenüber der Freizügigkeit von Arbeitnehmern in Europa verantwortlich. Deutschland hat seine Grenzen für Arbeitnehmer aus den osteuropäischen Nachbarstaaten noch nicht geöffnet, sondern hält am System von Arbeitserlaubnissen fest – und damit an einem Hindernis, das Osteuropäer abschrecke, nach Deutschland zu kommen.
Die Bauernlobby fordert, dass Berlin die Übergangsbestimmungen im nächsten Frühjahr nicht noch einmal um zwei Jahre verlängert. Außerdem soll sie sich um bilaterale Verträge mit Weißrussland und der Ukraine bemühen, um den Einsatz von Arbeitskräften aus diesen Ländern zu erleichtern. „Bislang haben sich die Bauern dadurch geholfen, dass sie die Arbeitszeiten erhöht oder rationalisiert haben“, erklärt der Vertreter des Bauernverbands. Sollten jedoch die Zahlen der Erntehelfer aus dem Osten weiter sinken, sei es nicht mehr möglich, in gleichem Umfang zu produzieren.
Rund ums Thema:

16:24
In Kirchhellen kann man Äpfel selber pflücken für 1 Euro pro Kilo.Das spart Erntehelfer für die Bauern und der Verbraucher bekommt sein Obst frisch und günstig. Zur Nachahmung sehr empfehlenswert!
09:17
In den Niederlanden gibt es (wie in fast allen europäischen Staaten) einen Mindestlohn von 7,87 EUR. Also lassen die Polen den Niederrhein liegen, und fahren ein paar Meter weiter. Deutsche arbeiten ohnehin nicht für Löhne, die unter Hartz IV Niveau liegen.
Entweder zahlen die Bauern angemessene Löhne, so sie ernten halt selber.
Komisch, wieso das in anderen Ländern mit dem Mindestlohn funktioniert, nur in Deutschland nicht? Dort hat man sogar nahezu Vollbeschäftigung, ohne die Statistik zu fälschen.
18:42
Dieser Berufsstand wurde in der Vergangenheit
mehr oder weniger freiwillig und immer wieder
gerne mit seinen Erntenpersonal-Nöten medial
angeführt, um auf vermeindlich arbeitsunwillige,
der Allgemeinheit auf der Tasche liegenden Sozial-
transfer-Empfänger einzudreschen. Jetzt also be-
kommen Polen woanders mehr Geld und nu
fallen die auch aus und folgen nomadenhaft der
höheren Bezahlung. Da wird es dann wohl mal
wieder Zeit für eine geschlossene medial über-
mittelte Arbeitslosen-Schelte. Das Rad der Dif-
famierungen und Lügen muss ja schließlich
in Bewegung gehalten werden. Die BILD-Zei-
tung wird es sicher gerne aufgreifen und zur
weiteren Volksverhetzung beitragen und das
sicherlich gerne und aus voller Überzeugung!!!
Darauf ist Verlass!
17:12
Bei mir ist auch die Schmerzgrenze erreicht:
Billig ernten lassen und zu überteuerten Preisen verkaufen-pfui deibel.
15:07
Das Problem der geringen Löhne ist ein generelles. In kaum einem Wirtschaftsbereich wird manuelle Arbeit ihrer Wichtigkeit entsprechend bezahlt. Die alte Weisheit:
Von seiner Hände Arbeit ist noch keiner reich geworden, stimmt leider immer noch.
Nicht Muskelarbeit wird gut bezahlt, nur die sogenannte Kopfarbeit. Dabei wird leider immer vergessen, daß Kopfarbeit nicht materielles schafft! Sie produziert nichts zu essen, zu trinken, keine Kleiddung, kein Haus und nichts.
Natürlich brauchen wir Leute mit Ideen, Leute die etwas neues erfinden, die Wissen vermitteln usw.
Nur, die Differenz in der Bezahlung ist schlichtweg zu größ! Hier müssen die Wertigkeiten wieder zurechtgerückt werden. Das geht allerdings nur, wenn sich Arbeitnehmer zusammentun und nicht gegeneinander ausspielen lassen, z.B. als billig bezahlte Zeitarbeiter den Job von Streikenden zu übernehmen.
Wenn alle Tätigkeiten vernünftig bezahlt werden, wird der Bauer auch seine dann eventuell teureren Produkte verkaufen können.
14:00
Vielleicht sollten unsere Politiker mal die Erntehelfer und andere Hungerlöhner besser unterstützen, als die Milliarden den Banken und anderen Spekulanten hinterher werfen.
Aber daran sieht man mal wieder, was den feinen Herren das Volk wehrt ist. Nur alle vier Jahre lächeln sie von den Plakaten und versprechen das Blaue vom Himmel.
13:46
Da wird den Bonzen schon was einfallen, etwa ..
Ernährung ist Sache des öffentlichen Interesses und so können künftig 1-€-Kräfte des bildungsfernen, abgehangten Präkariats zu dieser Gemeinwohlarbeit verpflichtet werden
Das machen Münthe, Steinbrück und Angie schon..
12:49
Solange die Bauern nicht bereit sind, faire Preise zu bezahlen, sollte man die Bauern im Regen stehen lassen und das Anwerben von ausländischen Arbeitskräften untersagen. Es kann nicht sein, dass die Bauern sich die Taschen voll machen und ausländische Arbeiter für Hungerlöhne angeworben werden und hier für die Dauer ihres Aufenthaltes unter menschenunwürdigen Bedingungen wohnen.
11:58
Vor 16 Jahren haben ich bei Bauern 10DM ( 5,11 EUR ) die Std. bekommen. Da war ich 14 Jahre alt. Wenn ich jetzt zum Bauern gehen lacht der sich doch tot und bietet mir 3,50 die Std.
Soll er doch seinen Spagel alleine stechen...
09:30
In allen anderen europäischen EU-Ländern haben sich die Reallöhne erhöht, nur in Deutschland sind sie (abgesehen von den Managergehältern) gesunken. Das ist eines der Ergebnisse der neoliberalen Politik dieser und der letzten Bundesregierungen. - Für Hungerlöhne will eben niemand arbeiten! Richtig so!