Bauern fahren mehr Erdbeeren ein, doch fürchten um Gewinn

Erdbeeren pflücken ist ein anstrengender Job, für den es jetzt zumindest einen Mindestlohn gibt.
Erdbeeren pflücken ist ein anstrengender Job, für den es jetzt zumindest einen Mindestlohn gibt.
Foto: picture alliance / dpa
Was wir bereits wissen
Viel Sonne hat die Erdbeerernte kräftig gesteigert. Doch die Bauern sind nicht nur zufrieden: Preisdruck und Mindestlohn trüben ihre Bilanz.

Mülheim/Herten.. Das Wetter spielte den Erdbeerbauern in diesem Jahr in die Karten: Die Ernte der roten Früchte übertraf nach Angaben der Landwirtschaftskammer NRW landesweit den Ertrag aus 2014 um 30 Prozent. Dennoch ist die Bilanz für die Erzeuger nicht nur positiv. Der Mindestlohn und der Preisdruck aus dem Einzelhandel machen ihnen zu schaffen.

Die Radio-Nachricht, dass im östlichen Ruhrgebiet bereits die Erdbeerfelder umgepflügt werden, weil die Kunden ausbleiben, ließ das Telefon in der NRW-Landwirtschaftskammer am Montag nicht still stehen. „Das ist eine reine Hygiene-Maßnahme. Bei den frühen Erdbeersorten wollen die Landwirte verhindern, dass Pilzsporn austreibt“, beruhigt Kammer-Sprecherin Andrea Bahrenberg. Das „Mulchen“ mache den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln überflüssig. Bahrenberg rechnet damit, dass die späten Sorten weiterhin gut tragen, so dass bis Mitte Juli an Rhein und Ruhr weiterhin Erdbeeren geerntet werden könnten.

Die Landwirtschaftskammer zeigt sich mit der zu Ende gehenden Saison sehr zufrieden. Im September und Oktober 2014, als die Erdbeerpflanzen ihre Kraft tankten, schien oft die Sonne. Und auch die Zeit nach der Blüte war trocken und sonnig – ideale Bedingungen für Erdbeeren.

Produktion um 30 Prozent gesteigert

Doch das Wetter allein entscheidet nicht über den wirtschaftlichen Erfolg der Bauern. Der Mindestlohn, hat die Landwirtschaftskammer ausgerechnet, habe das Einkommen der Erzeuger mit dem Erdbeergeschäft durchschnittlich um 40 Prozent geschmälert. „Die Kosten entstehen allerdings nicht auf dem Feld, sondern im Büro“, sagt Sprecherin Bahrenberg. Die vom Gesetzgeber vorgeschriebene tägliche Arbeitszeiterfassung der Saisonkräfte mache es erforderlich, dass kleine Betriebe eine halbe Bürokraft einstellen, die den bürokratischen Aufwand schultert.

Ein Ärgernis, über das sich auch Christiane in der Beeck beklagt. Ihr Mülheimer Familienbetrieb baut Erdbeeren auf vier Hektar an. „Wir haben die Fläche schon um ein Drittel reduziert und wollen im nächsten Jahr weiter reduzieren“, sagt die Landwirtin. Auch wenn 2015 ein „sehr gutes Erdbeerjahr“ gewesen sei, leidet das Unternehmen unter der Einkaufsmacht des Einzelhandels: „Dem Preisdruck sind wir absolut nicht gewachsen“, sagt in der Beeck. „Ich kann nicht das Pfund für 90 Cent liefern. Manche wollen nur 40 Cent zahlen.“

Jeder Bürger isst jährlich drei Kilo Erdbeeren

Die Mülheimerin kann nachvollziehen, dass Skeptiker den Erdbeeranbau mittelfristig ins Ausland abwandern sehen. Dabei ist die Königin unter den Beerenobst-Arten hierzulande äußerst beliebt. Jeder Bürger isst pro Jahr drei Kilogramm frische Erdbeeren. Der Verzehr wird bundesweit auf 250 000 Tonnen geschätzt. 60 Prozent kommen von heimischen Äckern. Von den 14 500 Hektar Anbaufläche liegen 1400 ha im Rheinland und 1200 Hektar in Westfalen. Der Niederrhein und der nördliche Rand des Ruhrgebiets gehören zu den Top-Anbaugebieten im Lande.

Dass die Saison zu Ende geht, spürt auch der Hertener Landwirt Wilhelm Heine: „Mit Beginn der Ferien und des Ramadan kommen weniger Kunden zum Selbstpflücken.“ Heine ist aber zufrieden mit dem diesjährigen Geschäft. Wenngleich er mit einem skeptischen Blick auf den Wetterbericht für die nächsten Tage schaut: „Bei Temperaturen über 30 Grad werden die Erdbeeren weich und sterben bei Gewitter“, meint der Landwirt.