Bahn-Gewerkschaft EVG schließt Streiks nicht mehr aus

Die EVG zeigt sich streikbereit. Zunächst steht am 23. Januar aber eine weitere Gesprächsrunde mit der Bahn an.
Die EVG zeigt sich streikbereit. Zunächst steht am 23. Januar aber eine weitere Gesprächsrunde mit der Bahn an.
Foto: dpa/Archiv
Was wir bereits wissen
Diesmal ist es nicht Klaus Weselskys GDL, die dem Bahnvorstand Probleme macht – sondern die große EVG. Die Gewerkschafter zeigen sich streikbereit.

Essen.. Drohen doch wieder Streiks bei der Bahn? Nach der Teileinigung mit der Lokführergewerkschaft GDL verhandelte das Staatsunternehmen seit Mittwoch mit der größeren, konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG. Bisher ohne Ergebnis: „Keine Bewegung“, sagt Gewerkschaftssprecher Oliver Kaufhold. Er schließt Warnstreiks der bislang eher zahmen EVG in absehbarer Zeit nicht aus.

Die Bahn bietet die gleiche Einmalzahlung von 510 Euro an, die sie schon Ende vergangenen Jahres mit der GDL ausgehandelt hatte. Das ist der EVG zu wenig. Und: Azubis und Dienstleistungspersonal sollen nicht im gleichen Ausmaß (340 Euro) profitieren. Auch das hält die EVG für unannehmbar. Am 23. Januar soll es eine weitere Gesprächsrunde geben. Am 27.1. tagen Bundesvorstand und Tarifkommission. Dann wird weiterentschieden. Kaufhold: „Die Zuspitzung ist jedenfalls da.“

GDL rechnet mit einem Abschluss bis März

Auch die GDL verhandelt weiter. Montag ist der nächste Termin. Doch nach der vorläufigen Einigung kurz vor Weihnachten, bei der die Bahn der kleinen Gewerkschaft eigenständige Tarifverträge für Lok- und Rangierlokführer, Zugbegleiter, Bistroteams und Disponenten zugestanden hatte, haben die Lokführer ihre Forderung reduziert. Auf der Liste steht nur noch eine Verkürzung der Arbeitszeit um eine (statt zwei) Stunden auf 38 pro Woche und die Anhebung der Lokführer-Gehälter nach 30 Berufsjahren um eine Stufe.

Bahn Anders als die Konkurrenz EVG gibt sich GDL-Chef Claus Weselsky, der 2014 den Bahnverkehr über Monate gestört hatte, gelassen: „Ab Montag verhandeln wir in der Sache. Aber das geht nicht in zwei Verhandlungsrunden.“ Derzeit droht er nicht mehr mit Streik, rechnet mit einem Abschluss bis März. Weselsky: „Ich will nicht mit einem offenen Tarifvertrag dastehen, wenn das Gesetz zur Tarifeinheit in Kraft tritt.“

Dieses Gesetz, das der größten Gewerkschaft im Betrieb das Recht für die Aushandlung eines Tarifvertrags gibt, bekommt immer mehr Gegenwind. Sechs der acht DGB-Gewerkschaften rücken vom Ja ab. Neues Argument gegen den Regierungsplan: der Datenschutz. Wie wird festgestellt, welche Gewerkschaft die größte ist? Das ist schwer. Arbeitnehmer dürfen zur Gewerkschaftszugehörigkeit schweigen.