Badespaß kostet - Schwimmen ohne Zuschüsse geht nicht

Der Aquapark in Oberhausen ist im Bergbau-Stil aufgebaut – und punktet mit dem Charakter der Region.
Der Aquapark in Oberhausen ist im Bergbau-Stil aufgebaut – und punktet mit dem Charakter der Region.
Foto: Ralf Rottmann/WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Ob kommunal betrieben oder privat - Schwimmbäder kommen ohne finanzielle Zuschüsse seitens der Kommunen nicht aus. Meistens arbeiten sie maximal 80 Prozent kostendeckend, die städtisch betriebenen Bäder noch weniger. Die Höhe der Zuschüsse schwanken von Kommune zu Kommune.

Essen.. Die Kuppel ist nur einen Spalt auf, zuviele Wolken verhängen den Himmel über Oberhausen. Unterhalb des gläsernen Dachs turnen Fitnesshungrige im Schwimmbecken der Malocherhalle, Kinder planschen im Babybecken neben Bubi, dem letzten Oberhausener Grubenpferd, und vom Landungsbecken der Wasserrutschen schauen Jugendliche auf den Förderturm im Zentrum des Bades.

Der Aquapark in Oberhausen ist im Bergbau-Stil aufgebaut – und punktet mit dem Charakter der Region. Hier ist immer etwas los, wetterunabhängig, das Schiebedach macht’s möglich. Im Schnitt kommen 1500 Besucher zu dem privat betriebenen Spaßbad – rund 400.000 im Jahr. Zahlen, von denen kommunal betriebene Bäder in NRW nur träumen. Denn: In den meisten ihrer Art ziehen laut Bund der Steuerzahler (BdSt) jährlich nur zwischen 100.000 und 200.000 Besucher ihre Bahnen.

Private Spaßbäder können höhere Preise verlangen

Woran diese Unterschiede liegen, ist schnell erfasst: Spaßbäder wie der Aquapark können mehr bieten. Dort gibt es Rutschen, Whirlpools, Solebecken. Ein Schwimmbad mit 25-Meter-Bahn und vielleicht noch einem Sprungturm kann da nicht mithalten. Soll es auch nicht, weiß Joachim Heuser von der Deutschen Bädergesellschaft. „Sie sind für die Daseinsvorsorge. Damit Kinder schwimmen lernen, damit es Schul- und Vereinsschwimmen gibt. Das muss eine Kommune bieten.“

Rundum-Erneuerung Und noch dazu zu einem moderaten Preis: mehr als zwei bis vier Euro pro Erwachsenen darf es nicht sein, schließlich soll sich die ganze Familie das Baden leisten können. „Deshalb arbeiten kommunal betriebene Bäder maximal 30 bis 40 Prozent kostendeckend. In Spaß- und Freizeitbädern, die privat betrieben sind, liegen die Preise oftmals um ein Vielfaches höher. Aber selbst sie arbeiten dann nur 70-80 Prozent kostendeckend“, so Heuser.

Schulschwimmen anbieten

Viele Bäder, die einen privaten Betreiber haben, erhalten Zuschüsse von Kommunen, damit sie Vereins- und Schulschwimmen anbieten und die Kommune ihre Daseinsvorsorge-Pflicht erfüllt. Pro Badegast liegen diese Zuschüsse im Schnitt laut BdSt zwischen 4 und 12 Euro – je nach Auslastung des Bades.

Für den Aquapark und die beiden Hallenbäder Sterkrade und Oberhausen gibt die Stadt der Oberhausener Gebäudemanagement GmbH (OGM) 1,5 Millionen Euro an Zuschüssen im Jahr. Der OGM gehören diese Bäder, den Aquapark haben sie an die Prova Unternehmensberatung verpachtet, um „wirtschaftlich zu arbeiten“, so Alexander Hoefer, Sprecher der OGM.

Sportstätten Wie hoch Zuschüsse beim privaten Bad variieren, hängt von Kommune zu Kommune ab. In Hagen beispielsweise bezuschusst die Stadt fünf privat betriebene Bäder mit insgesamt 4,5 Millionen Euro jährlich. Das Westfalenbad Hagen bekommt pro Besucher 6,20 Euro Zuschuss. Auch hier wird Schul- und Vereinsschwimmen angeboten. 160.000 Besucher von rund 520.000 jährlich kommen nur deshalb in das Westfalenbad, wie Dirk Thorbow, Geschäftsführer der Badeanstalt, weiß.

Oftmals ist dieser Zuschuss für die Städte günstiger, als das Bad weiterhin eigenständig zu betreiben. Denn Sanierungen und Modernisierungen sind teuer. Auf 12 Milliarden Euro beziffert der Deutsche Städte- und Gemeindebund den Investitionsstau bei Bädern und Sportstätten in Deutschland.

Bessere Auslastung

Ein Bäderkonzept wie in Hagen, die Schließung einiger Bäder zugunsten des Aus- und Neubaus anderer, hat es auch in Oberhausen gegeben. Vor 2010 hat die OGM fünf öffentliche Bäder betrieben. Um eine bessere Auslastung und Finanzierung zu erreichen, wurden drei geschlossen und der Aquapark gebaut. „Um weiterhin genug Platz für Schul- und Vereinsschwimmen anzubieten, wurde ein Becken mit 25-Meter-Bahn eingebaut“, erklärt Dieter Vatheuer, Geschäftsführer der Prova Unternehmensberatung.

Den Jugendlichen auf der Rutsche neben dem Förderturm sind die Fragen nach den Kosten egal. Sie wollen nur mit rasantem Schwung ins Becken fliegen.