Bachelor-Kritik: Wirtschaft will statt Studenten mehr Azubis

Sind Uni-Absolventen mit Bachelor-Abschluss geeignet für die Wirtschaft?
Sind Uni-Absolventen mit Bachelor-Abschluss geeignet für die Wirtschaft?
Foto: Jakob Studnar
Was wir bereits wissen
Die Wirtschaft beklagt, Uni-Absolventen nur mit Bachelor-Abschluss taugten nicht für die Praxis. Zudem seien die Absolventen noch viel zu jung.

Düsseldorf/Essen.. In acht Jahren zum Abitur, dann drei Jahre zur Uni bis zum Bachelor-Abschluss: In der Wirtschaft wächst die Kritik an der Turbo-Ausbildung junger Menschen. 2000 Unternehmen befragte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) nach der Praxistauglichkeit von Bachelor-Absolventen, die nicht selten bereits mit Anfang Zwanzig ins Berufsleben starten. Danach gaben nur noch 47 Prozent der Unternehmen an, dass Berufsteinsteiger mit diesem Abschluss ihre Erwartungen erfüllen. Dagegen waren 2007 noch 67 Prozent aller Firmen mit den Absolventen zufrieden, 2011 waren es 63 Prozent. Besonders kleine Unternehmen seien von der Einsatzfähigkeit der Absolventen enttäuscht.

Der Bachelor wurde 1999 mit der Bologna-Reform eingeführt und gilt als erster berufsqualifizierender Hochschulabschluss. In der Regel dauert ein Bachelor-Studium sechs bis maximal acht Semester.

Zweifel am Praxis-Bezug der Bachelor-Studiengänge

Politik Zweifel am Praxisbezug der Bachelor-Studiengänge äußerte Franz Roggemann aus der Geschäftsführung der Industrie- und Handelskammer zu Essen: „Viele Studierende lernen in den Hochschulen nicht, das Gelernte anzuwenden“, sagte Roggemann der WAZ. DIHK-Präsident Eric Schweitzer forderte politische Konsequenzen aus der Umfrage: „Wir leiden an einer Überakademisierung. Das führt dazu, dass viele studieren, die eigentlich in einer Berufsausbildung besser aufgehoben wären“, sagte er der „Welt“. Er forderte „sinnvolle Zugangsbeschränkungen zum Studium“ sowie eine Verknappung der Studienplätze.

Dies sei ein „völlig abwegiger Vorschlag“, konterte NRW-Bildungsministerin Svenja Schulze (SPD). „Wir werden auch weiterhin eine hohe Zahl von hochqualifizierten Männern und Frauen benötigen, um die Zukunft zu gestalten“, sagte sie der WAZ. Es sei nicht sinnvoll, „berufliche und akademische Bildung ge­geneinander auszuspielen.“

Jungen Absolventen fehlen Sozialkompetenzen

Der NRW-Geschäftsführer des Bundesverbandes der Mittelständischen Wirtschaft, Herbert Schulte, will nicht pauschal von schlecht qualifizierten Absolventen sprechen. Aber ihr Alter sei ein Problem. „Es wurde gefordert, dass die Studierenden schneller zum Abschluss geführt werden. Nun haben wir vergleichsweise junge Bachelor-Absolventen, denen aber oft die Sozialkompetenzen fehlen“, sagte Schulte. Viele seien noch nicht reif für Führungsaufgaben.