Ausverkauf von Kaiser’s Tengelmann beginnt

Mülheim..  97 Supermarkt-Standorte stehen auf der Liste, die Kaiser’s Tengelmann gestern an bundesweit tätige Handelsunternehmen verschickt hat. Der Ausverkauf des Mülheimer Traditionsunternehmens beginnt in NRW, wo 3500 Mitarbeiter um ihre Zukunft bangen. München und Berlin sollen Anfang 2017 folgen.

Um die Zerschlagung zügig zum Ende zu bringen, favorisiert Kaiser’s Tengelmann die Abgabe von Filialen in Paketen, die nicht vom Kartellamt genehmigt werden müssen. Das geht aus dem Schreiben an die Interessenten hervor, das dieser Zeitung vorliegt. Angeschrieben hat Kaiser’s Tengelmann alle bundesweit tätigen „relevanten Handelsunternehmen“. Bevorzugen will Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub seinen Wunsch-Partner Edeka. Post aus Mülheim erhielten aber auch Rewe, die Drogerieriesen dm und Rossmann sowie Biomarkt-Betreiber. Zum Verteiler gehören auch die Discounter. Bis zum 26. Oktober haben die Wettbewerber Zeit, ihr Interesse zu bekunden. Im Interview mit dieser Zeitung hatte Tengelmann-Inhaber Haub am Wochenende erklärt, dass er im schwierigen Markt NRW nur mit „30 bis 40 Filialen“ rechne, die überhaupt Kaufinteressenten anlockten.

„Die ganze Situation ist dramatisch“, beurteilte Peter Kohne, stellv. Betriebsratsvorsitzende in NRW, die Lage. Nach Angaben Kohnes trifft sich der Betriebsrat heute erstmals mit der Kaiser’s Tengelmann-Geschäftsführung, um über einen Sozialplan für die rund 3500 Beschäftigten in NRW zu reden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel drängte die Handelskonzerne Tengelmann, Edeka und Rewe am Montag, noch zu „einer einvernehmlichen Einigung“ zu kommen.