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Auch der Chefaufseher der Commerzbank denkt ans Aufhören

26.01.2016 | 06:35 Uhr
Auch der Chefaufseher der Commerzbank denkt ans Aufhören
Commerzbank-Chef Martin Blessing im Gespräch mit Aufsichtsratsvorsitzendem Klaus-Peter Müller. Blessing hört im Herbst auf, für Müller wird ein Nachfolger gesucht. Foto: ullstein bild

Frankfurt/Main.  Nach Commerzbank-Chef Martin Blessing will wohl auch der Chefaufseher des Konzerns aufhören. Dem Institut geht die Führung verloren.

Bei der Commerzbank könnte der Führungswechsel noch tiefgreifender sein, als bisher gedacht. Neben Vorstandschef Martin Blessing, der das Institut im Oktober auf eigenen Wunsch verlässt, denkt offenbar auch Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller ans Aufhören. Bestätigt ist das nicht, bisher hat Müller immer versichert, er werde seinen Vertrag, der noch bis Februar 2018 läuft, erfüllen. Doch im September wird er 72 Jahre alt, ein Alter, in dem die Bank das Ausscheiden nahelegt. Seit Ende 2015 jedenfalls sucht eine Kommission im Auftrag des Aufsichtsrats nach einem Nachfolger, wie aus der Commerzbank zu hören ist. Und die gestaltet sich offenbar schwierig.

Genauso schwierig ist zunächst die Suche nach einem Nachfolger für Blessing. „Die Commerzbank ist die deutscheste Großbank“, sagt Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim. Sie ist keine internationale Investmentbank, sondern beschreibt sich selbst gern als größte Mittelstandsbank Deutschlands. Auf diese Klientel müsse sie Rücksicht nehmen, glaubt Burghof. Deshalb müsse ein neuer Vorstandschef vor allem vertrauenswürdig sein. Und die Bank dürfe nicht nur ans Optimieren denken, damit einige kurzfristig ausgerichtete Aktionäre schnellen Gewinn machen könnten.

Frischer Wind von außen könnte der Bank guttun

Freude an der Aktie hatten die ohnehin lange nicht, wenn sich der Kurs auch in den vergangenen zweieinhalb Jahren erholt hat. Seit Anfang November und erst recht in den vergangenen Tagen geht es jedoch bergab mit dem Kurs. Die Aktionäre werden also schon darauf drängen, dass auch ihre Interessen mit berücksichtigt werden.

Noch gibt es keine Andeutungen, wer Blessing nachfolgen könnte, wenn auch Spekulationen: Da wird Markus Beumer, Mittelstandsvorstand der Commerzbank genannt. Andere verweisen darauf, dass dem Geldhaus frischer Wind von außen guttue, und in diesem Zusammenhang fällt immer wieder ein Name: Rainer Neske, bis Mitte 2015 Privatkundenvorstand der Deutschen Bank. Diese hatte er wegen eines Streits um deren Ausrichtung verlassen. Er hat zwar schon abgewunken. „Doch man kann auch noch ein zweites und drittes Mal nachfragen, er wäre sicher ein sehr interessanter Kandidat“, sagt Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Der Staat hält immer noch knapp ein Fünftel der Aktien

Klar ist: Der neue Vorstandschef, den Aufsichtsratschef Müller noch aussuchen wird, und Müllers Nachfolger sollten gut zusammenarbeiten. Wie wichtig das ist, haben Blessing und Müller erfahren, sie haben die Bank durch die Finanzkrise nach 2008 gesteuert. Kurz nach der Übernahme der Dresdner Bank musste die Commerzbank wegen Milliardenverlusten mit bis zu 18 Milliarden Euro gestützt werden, sie wurde zum Teil verstaatlicht. Immer noch ist der Staat mit knapp einem Fünftel beteiligt. Die Bank hat sich neu ausgerichtet und von zahlreichen Geschäftsbereichen getrennt. Und es geht aufwärts. Für das abgelaufene Jahr will die Bank sogar wieder eine Dividende zahlen.

Unklar ist auch, welche weiteren Personalien es im Vorstand geben wird. Möglicherweise wird der Nachfolgende von Blessing Vertraute installieren wollen. Zunächst aber sind da noch die Fragen: Wer folgt Müller? Und wann? Den internen Regeln nach müsste er auf der Hauptversammlung 2017 ausscheiden, dann ist er 72 Jahre alt. Experten glauben nicht, dass der Aufsichtsratsvorsitzende vorschnell geht: „Müller ist jemand, der das Haus gut bestellt übergibt“, sagt Aktionärsschützer Nieding.

Brigitte Scholtes

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2016-01-26 06:35
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