„Atomstiftung wäre die Kopie einer guten Idee“

Herr Müller, lassen Sie uns über die Energiewende reden. Der Eon-Konzern spaltet sich auf – in Unternehmen mit den alten und den neuen Geschäften. Kommt Ihnen das Modell bekannt vor?

Müller: Es erinnert mich schon an das, was wir bei Evonik und RAG organisiert haben: eine Aufteilung in den schwarzen und den weißen Bereich, die Trennung des Haftungsverbunds und damit in unserem Fall das Ende der subventionierten Steinkohlenförderung.

Um die Altlasten der Bergwerke zu finanzieren, wurde zugleich die RAG-Stiftung gegründet – anders als bei Eon. Ließen sich durch Stiftungsmodelle auch die Ewigkeitskosten nach dem Atomausstieg begleichen?

Ich kann Bemühungen, auch in diesem Bereich ein Stiftungsmodell auf den Weg zu bringen, gut nachvollziehen. Es ist nicht die schlechteste Herangehensweise, eine gute Idee zu kopieren.

Auch für die Kohlekraftwerke sind Stiftungsmodelle im Gespräch. IGBCE-Chef Vassiliadis hat vorgeschlagen, die Steinkohlekraftwerke in einer Gesellschaft zu bündeln. Was halten sie von dem Plan?

Die Idee klingt vernünftig. Ein Gemeinschaftsunternehmen, das für den Erhalt der notwendigen Kraftwerke sorgt und entsprechend bezahlt wird, würde noch viele Jahre lang gebraucht.

Müssen Sie nicht heilfroh sein, dass sich Evonik angesichts der Kraftwerkskrise rechtzeitig vom Kohleverstromer Steag getrennt hat – durch einen Verkauf an Revier-Stadtwerke?

Dass ich darüber froh bin, möchte ich nicht behaupten. Die Steag war mir immer lieb und teuer. Leider gehört das Unternehmen ebenfalls zu den Leidtragenden einer Entwicklung am Energiemarkt, der mittlerweile in hohem Maß vom subventionierten Ökostrom geprägt wird.

Wie veränderungsbereit ist das Ruhrgebiet? Thyssen-Krupp-Chef Hiesinger hat gesagt, er habe noch nie eine Region erlebt, wo die Menschen so sehr aufs Bewahren aus sind.

Ein gewisses Beharrungsvermögen ist ja per se keine schlechte ­Eigenschaft. Aber ist ihm bewusst, dass in einer historisch kurzen Zeit rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze in und bei der Kohle abgebaut ­wurden ohne soziale Konflikte? Und man kann nicht hoch genug würdigen, dass die Bergleute ­beschlossen haben, ihren Beruf aufzugeben, um das sozialverträgliche Ende des deutschen Steinkohlenbergbaus erst möglich zu ­machen. Ich erkenne darin ein hohes Maß an Veränderungsbereitschaft. Das stimmt mich auch für die Zukunft des Ruhrgebiets zuversichtlich.