Das aktuelle Wetter NRW 10°C
Fahrbericht

Aston Martin Rapide - ein Auto für alle, die sich billige Dinge nicht leisten wollen

28.09.2012 | 15:53 Uhr
Der einzige Sportwagen mit vier Türen ist der teure Aston Martin Rapide, standesgemäß geparkt vor dem Schloss Borbeck in Essen.Foto: Matthias Graben

Essen.   Schon der Zündschlüssel kostet 1800 Euro; er ist in Glas eingefasst: Der Aston Martin Rapide ist nicht perfekt, aber einzigartig, schnell und teuer. Oscar Wilde als dem Großmeister des Snobismus hätte der Aston Martin gefallen.

„Billige Dinge kann ich mir nicht leisten“, konstatierte einst Oscar Wilde. Lebte der Großmeister des englischen Snobismus statt am Ende der Kutschenepoche heutzutage, er müsste den Aston Martin Rapide zumindest in Erwägung ziehen.

Allerdings geht es dem Snobisten zwar auch, aber nie nur um den Preis. 190.000 Euro kostet der viertürige Sportwagen mit dem 1800 Euro teuren, weil in Glas eingefassten Schlüssel, gleich 50 000 Euro mehr als das einzig ansatzweise vergleichbare Auto, der Porsche Panamera in der Turbo-Version in der 500-PS-Klasse.

Der Aston Martin Rapide ist ein verlängerter Sportwagen

Wobei der Vergleich auch bei Geschwindigkeiten um 300 km/h hinkt. Der Rapide ist ein etwas verlängerter und um zwei Hintertürchen bereicherter Sportwagen, keine auf Coupe getrimmte Limousine. Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters, objektive Kriterien für gute Gestaltung gibt es trotzdem. Der 1,36 Meter flache Luxus-Sportler erfüllt sie alle und provoziert in der Öffentlichkeit angemessene „Rapide Eye Movements“ – schnelle Augenbewegungen folgen dem aggressiv-eleganten Viertürer überall, anerkennende Kommentare ebenso. Davon kann der Panamera-Mann nur träumen.

So sportlich eng wie in einem Sportwagen und auf Dauer unbequem sitzt es sich hinten im Rapide auch. Mehr Platz als im Heck eines Porsche 911 zu finden ist, bietet der rund fünf Meter lange Aston auf den beiden hinteren Plätzen nicht, die noch dazu eine breite Mittelkonsole trennt. Der erträgliche Zugang durch die zusätzlichen Türen macht den Unterschied zum normalen Sportwagen aus, nicht das Raumangebot. Und über das nutzbare Volumen unter der gläsernen Heckklappe lässt sich nur beredt schweigen.

Ohne Gimmicks, aber mit dem Geruch von feinem Leder

Beim Ausstieg aus dem Fond hilft Jung und Alt ein feiner Lederriemen mit aus dem vollen Material modellierten Metallknebel zum Festhalten, der sich nach Gebrauch von selbst wieder magnetisch am Türpfosten fixiert. Das ist wahrer Snobismus: ungewöhnliche Details, ein geschmackvolles Ambiente ohne Gimmicks und der Geruch von Leder, der selbst im neuen Rolls-Royce Ghost nicht mehr zu erschnüffeln ist. Gebaut wird der bereits dem Namen nach „Schnelle“ bei Magna in Graz – genau: bei den Österreichern, die mal Opel kaufen wollten, und deren Fertigungsqualität überragend ist.

Video
Beaulieu, 17.01.12: Zum 50. Jahrestag des ersten 007-Films "James Bond – 007 jagt Dr. No" zeigt ein britisches Museum Sportwagen, Unterwasserfahrzeuge und Fluggeräte des Superspions – allen voran Bonds legendärer, hochgerüsteter Aston Martin DB5.

Röhrt die sechs Liter große Soundmaschine unter Mister Martins massiger Motorhaube erst einmal richtig auf, werden letzte Zweifel beiseite gewischt. Ja, der Rapide ist ein Sportler: schnell, hart, kompromisslos, anmachend, herausfordernd. Einzeln abgezählte 477 PS und 296 km/h Höchstgeschwindigkeit setzen dem Komfortvermögen Grenzen. Auf ebenen Straßen fallen sie auch nicht zu eng aus.

Ein Auto für den einfachen Geschmack: immer nur das Beste

Dass mit dem Rapide 20 Liter und mehr zu Kohlendioxid verbrannt werden, darf an dieser Stelle nicht verschwiegen werden. In Sachen Spritspartechnik hat Aston Nachholbedarf. Nur schrittweise kann die kleine, erst 2007 von Ford unabhängig gewordene Firma nachrüsten, die in einem guten Jahr lediglich 6000 Autos baut.

Da muss Exklusivität technische Extravaganz ersetzen. Deshalb fehlen auch moderne Assistenzsysteme wie Spurwarner und Abstandhalter, die es anderswo bereits in der profanen Mittelklasse gibt. Aber auch damit ist nicht zu erklären, warum manche Dinge im Rapide einfach schlecht sind, die umständliche Bedienung im Allgemeinen und im Besonderen das umständlichste Navi der Welt. „Auto, motor & sport“ vergab nur drei von fünf Sternen an den Rapide, unter Gentleman eine Ohrfeige.

Ob der Rapide Oscar Wilde überzeugen würde? Wahrscheinlich: ja. Der Lebemann hatte bekanntlich nach dem überlieferten Zitat „einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden.“ Und um es mit einer Abwandlung seines Bonmots über Frauen zu sagen: „Wenn Sie ein schönes, praktisches und günstiges Auto suchen, dann suchen sie nicht ein Auto. Sondern drei.“

Gerd Heidecke



Kommentare
05.10.2012
13:29
Aston Martin Rapide - ein Auto für alle, die sich billige Dinge nicht leisten wollen
von freakboy765 | #2

Ich würde zu gerne die Innenausstattung des Aston Martin Rapide begutachten. Vor allem das Navi interessiert........das Umständlichste der Welt" ist schonmal eine Aussage.

05.10.2012
10:26
Aston Martin Rapide - ein Auto für alle, die sich billige Dinge nicht leisten wollen
von illo23456789 | #1

Das man bei solchen Wagen nicht auf die Umweltbilanz sehen darf ist doch klar. Für einen 477 PS Sportwagen ist der Aston Martin Rapid doch gar nicht so schlecht im Verbrauch.... Außerdem darf nicht vergessen, dass die Herstellerfirma noch an Anfangsphase der Entwicklung steht. Mal sehen was Sie in 5-10 Jahren auf die Beine stellen.

Aus dem Ressort
Ein Sauerländer soll an die Spitze der IHK NRW
WIRTSCHAFT
Der Olsberger Unternehmer Ralf Kersting gilt als aussichtsreicher Kandidat für das Amt. Gewählt wird am 4. November.
Telefonanschlüsse vertauscht - Telekom verursacht Kabelsalat
Telefonnetz
Panne bei der Telekom: In Dinslaken wurden bei der Installation von neuen Verteilerkästen einige Anschlusskabel falsch verbunden. Die Folge: Einige Telefonleitungen sind tot, Kunden telefonieren mit der Nummer des Nachbarn und surfen eventuell auch auf dessen Kosten im Internet.
Sauerländer Ralf Kersting soll Chef der IHK NRW werden
Wirtschaft
Die 16 Industrie- und Handelskammern aus Nordrhein-Westfalen in Bochum wählen am 4. November einen neuen Präsidenten ihres Landesverbandes. Ein Sauerländer hat wohl gute Chancen auf diese Position: Ralf Kersting, Präsident der IHK Hellweg-Sauerland in Arnsberg, soll zu den Favoriten gehören.
Ruhr-Unternehmen ärgern Mindestlohn und die Rente mit 63
IHK-Umfrage
Unternehmen an Rhein und Ruhr beschreiben ihre aktuelle wirtschaftliche Lage mit großer Mehrheit als robust. Von den Industrie- und Handelskammern nach der Zukunft befragt, zeigen sich aber Sorgenfalten. Die Laune der Revier-Unternehmen sinkt vor allem wegen der Rente mit 63 und des Mindestlohns.
Lokführer wollen bis zum 2. November nicht streiken
Tarifstreit
Was passiert hinter den Kulissen? Noch wollen weder Bahn noch Lokführer-Gewerkschaft GDL verraten, ob sich im Tarifstreit bereits irgendeine Form der Annäherung anbahnt. Bis einschließlich zum 2. November jedenfalls werden die Lokführer die Arbeit nicht niederlegen - sagte nun ein Sprecher.
Umfrage
Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?

Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?