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Handelskonzern

Arcandor-Chef Eick spendet ein Drittel seiner Abfindung

02.09.2009 | 09:56 Uhr
Arcandor-Chef Eick spendet ein Drittel seiner Abfindung

Essen. Das Insolvenzverfahren für den Essener Handelskonzern Arcandor ist offiziell eröffnet worden. Und Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick wirft das Handtuch. Schwacher Trost für die 43.000 Mitarbeiter: Eick will ein Drittel seiner Abfindung spenden.

Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens der Arcandor AG ist der Vorstandsvorsitzende Karl-Gerhard Eick von seinem Amt zurückgetreten. Dies teilte das Unternehmen am Dienstag in Essen mit. Neben Eick scheiden fünf weitere Vorstandsmitglieder aus dem Unternehmen aus. Ein Drittel seiner endgültigen Abfindungssumme wird Eick in einen Fonds zur sozialen Abfederung von Insolvenzfolgen für Mitarbeiter geben, teilte der Konzern der WAZ-Mediengruppe mit. Die genaue Summe stehe jedoch noch nicht fest. Sie könne bis zu 5 Millionen Euro betragen.

Für zunächst 15 Unternehmen des Konzerns wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Gestartet wurde das Insolvenzverfahren demnach für die Arcandor AG, die Primondo GmbH, die Karstadt Quelle Service GmbH, die Karstadt Warenhaus GmbH, die Quelle GmbH, die EURO Papier NV, die Profectis GmbH Technischer Kundendienst, die Corporate Service Group GmbH, die Primondo Operations GmbH, die Primondo Logistik GmbH, die Itellium Systems & Services GmbH, die SB-Gross Handels-GmbH C+C, die Corporate Service Group Informationstechnologie GmbH, die Revue Vertriebs GmbH und die Karstadt Quelle Kundenservice GmbH.

Ende einer dreimonatigen Schonfrist

Zählt zu den Verlierern: Quelle-Erbin und Arcandor-Aktionärin Madeleine Schickedanz mit ihrem Ehemann. Foto: Getty Images

Es ist den Gerichtsangaben zufolge «mit der Entscheidung auch in den weiteren Verfahren betreffend den Arcandor-Konzern zu rechnen». Mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens endet die dreimonatige Schonfrist, in der eine Lösung für den Gesamtkonzern gefunden werden sollte. In dieser Zeit zahlte die Bundesagentur für Arbeit die Gehälter für die mehr als 43.000 betroffenen Beschäftigten. Zudem mussten Forderungen von Händlern und Lieferanten nicht bedient werden.

Die Pleite des Handels- und Touristikkonzerns Arcandor trifft Mitarbeiter, Aktionäre und Manager. Seit das Essener Unternehmen am 9. Juni den Gang zum Insolvenzrichter angetreten hat, fürchten Tausende Beschäftigte um ihre Jobs und die Hauptaktionäre - Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz und die Privatbank Sal. Oppenheim - um ihr Geld. Für Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick ist die gescheiterte Firmenrettung dagegen vor allem ein berufliches Desaster - um seine finanzielle Zukunft muss er sich weniger Sorgen machen. Die Verlierer der Arcandor-Krise:

ARCANDOR-MITARBEITER

Drastische Einschnitte müssen vor allem die Beschäftigten der Versandhandelssparte Primondo/Quelle fürchten. 3.700 der rund 10.500 Arbeitsplätze sollen hier bis 2010 gestrichen werden. Den defizitären 109 Quelle Technik Center droht schon bald die Schließung und die Quelle-Shops sollen von 1.450 auf rund 1.000 reduziert werden. Außerdem stehen 19 der 126 Karstadt-Waren- und Sporthäuser zur Disposition. Pro Filiale sind durchschnittlich zwischen 120 bis 250 Mitarbeiter beschäftigt. Auch die ersten Mitarbeiter in der Konzernzentrale dürfte mit der Eröffnung des formellen Insolvenzverfahrens ihre Kündigung erhalten. Die Freistellung könnte Kreisen zufolge schon zum 1. Oktober erfolgen. Insgesamt sind von der Arcandor-Pleite rund 45.000 Mitarbeiter betroffen.

MADELEINE SCHICKEDANZ

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Quelle-Erbin und Arcandor-Aktionärin Madeleine Schickedanz droht der Totalverlust ihrer Investitionen bei dem Handelsriesen. Laut einem Sprecher des Insolvenzverwalters können die Aktionäre nur mit Zahlungen rechnen, wenn die Gläubigerforderungen vollständig befriedigt würden und darüber hinaus Eigenkapital übrig bleibe. In einem Interview klagte die 65-Jährige bereits vor einigen Wochen, sie mache sich nach der Arcandor-Pleite Sorgen um ein Abrutschen in die Armut. «Wir leben von 500 bis 600 Euro im Monat», sagte Schickedanz damals der «Bild am Sonntag». Sollte die Rettung von Arcandor scheitern, verliere sie alles - «Häuser, Aktien, Beteiligungen an anderen Firmen». Schickedanz zählt mit der Privatbank Sal. Oppenheim zu den Haupteigentümern von Arcandor.

BANKHAUS SAL. OPPENHEIM

Das Geldinstitut stieg erst im September vergangenen Jahres bei dem Handelsriesen ein und zahlte für rund 28,6 Prozent der Arcandor-Anteile laut Geschäftsbericht 154 Millionen Euro. Außerdem stellte es dem Konzern einen Kredit über 20 Millionen Euro zur Verfügung. Doch die Hoffnung, bei Arcandor das Steuer noch herumwerfen zu können, erfüllte sich nicht. Wiedersehen dürfte die Bank von dem Geld nur wenig. Da fällt kaum noch ins Gewicht, dass die Bank nun auch noch für das 15-Millionen-Gehalt von Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick geradestehen muss.

THOMAS MIDDELHOFF

Glücklos, aber nicht mittellos: Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick. Foto: ap

Der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff feierte sich bei seinem Abschied im Februar dieses Jahres als Retter des Konzerns. Er hinterlasse den Konzern zwar «nicht vollständig besenrein», aber geordnet und aufgeräumt. Um die erdrückende Schuldenlast abzubauen, verkaufte er nach seinem Amtsantritt 2004 die milliardenschweren Immobilien des Unternehmens. Er trennte sich von großen Teilen des stationären Warenhausgeschäfts und verschenkte die Mehrheit an der tiefrote Zahlen schreibenden Versandhandelstochter Neckermann. Gleichzeitig baute er das Touristikgeschäft des Konzerns, Thomas Cook, massiv aus.

Das Urteil des vorläufigen Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg über das Erreichte fiel allerdings vernichtend aus: «In diesem Hause gibt es wirklich nichts, was nicht anderen Leuten gehört. Das habe ich in so großen Untenehmen noch nie erlebt», meinte der Insolvenzexperte.

KARL-GERHARD EICK

Der erfolgsverwöhnte ehemalige Telekom-Manager Karl-Gerhard Eick hatte gehofft, den abgewirtschafteten Konzern quasi in letzer Minute retten zu können. Doch die Ernüchterung kam schnell: Weder flossen die erhofften Staatshilfen, noch gelang es dem 55-jährigen Eick, Großaktionäre und Banken des Handelshausse zu den für das Überleben notwendigen Zugeständnissen zu bewegen. Nur drei Monate nach seinem Amtsantritt musste Eick im Juni den Weg zum Insolvenzrichter antreten. Es wurde bereits erwartet, dass er nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens den Chefsessel bei Arcandor endgültig räumen würde. Doch ein Trost bleibt ihm immerhin: Sal. Oppenheim hat ihm sein Gehalt für die 5-jährige Vertragslaufzeit - insgesamt 15 Millionen Euro - auch für den Fall einer Insolvenz garantiert. (NRZ/ap/ddp)

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Kommentare
02.09.2009
21:12
Arcandor-Chef Eick spendet ein Drittel seiner Abfindung
von petebest | #54

Stasi-Merkel kriegt n Brechreiz ist völlig gelähmt und kann keinen Schaden vom deutschen Volke abwenden.

Ich sage am 27.09.09 wird die CDU wieder irgendeine Bananen-Koalition eingehen können!

Geht doch bitte alle zur Wahl wählt die Anti-Christen endlich ab und wählt bitte nicht die braune Schei.....!!!

02.09.2009
18:27
Arcandor-Chef Eick spendet ein Drittel seiner Abfindung
von dohl2 dolfuss | #53

Die Arcandormitarbeiter haben auch Vertraege und koennen sie nicht einklagen

02.09.2009
15:31
Arcandor-Chef Eick spendet ein Drittel seiner Abfindung
von kuba4711 | #52

@ 47 Ali Ben Haschmich ,mir kommen - auch ohne dass ich in der Schule aufgepasst habe- regelmäßig die Tränen des Mitleids in die Augen ,wenn ich Ihre Kommentierungen lese.

02.09.2009
15:11
Arcandor-Chef Eick spendet ein Drittel seiner Abfindung
von Ali Ibn Abi Talib | #51

@profiler1960,#30
Genau das ist der Punkt.Hätten all diejenigen,die sich über das Gehalt des Herrn Eick aufregen in der Schule aufgepasst,würden ihre Namen vielleicht heute hier in derWesten stehen,als Ausbeuter der Nation.

02.09.2009
14:13
Arcandor-Chef Eick spendet ein Drittel seiner Abfindung
von neo65 | #50

Man stelle sich nur mal vor, was in der Weltöffentlichkeit passiert wäre, wenn der Kapitän der Titanic in letzter Sekunde in einem beheizten Helicopter vom sinkenden Schiff gerettet worden wäre....
Sicher undenkbar. Früher gab es halt noch Ehrenmänner. Wenn ich mir heute die Bohlens u. Eicks dieser Republik anschaue kann man nur noch weinen. Was für ein verkommenes Land.

02.09.2009
14:09
Arcandor-Chef Eick spendet ein Drittel seiner Abfindung
von neo65 | #49

Man stelle sich nur mal vor, wie es gewesen wäre, wenn beim Untergang der Titanic, der Kapitän in letzter Sekunde im beheizten Helicopter vom Schiff geholt worden wäre.....
Früher gab es halt noch Ehrenmänner. Wenn ich mir heute die Bohlens u. Eicks dieser Republik anschaue kann man nur noch weinen. Was für ein verkommenes Land.

02.09.2009
13:11
Arcandor-Chef Eick spendet ein Drittel seiner Abfindung
von Fragezeichen | #48

Eick hat einen guten Job wegen Arcandor aufgegeben und ich glaube, daß er absolut willens war, Arcandor zu retten.
Aber er wurde hereingelegt mit einer kriminell geschönten Übergabe und dann wurden ihm von allen Seiten Hilfen und Unterstützung verweigert.
Auch Politiker und der Betriebsrat waren im Arcandor-Aufsichtsrat vertreten und hatten diesem jahrelangen skandalösen Raubbau zugestimmt.
Und jetzt sind diese Mittäter plötzlich empört!!?
Alle hatten kassiert und Eick, der nun wahrlich keine Chance einer Rettung bekommen hat, soll nun an die Wand gestellt werden.
Die Arcandor-Mitarbeiter sollten ihren Zorn jetzt nicht gegen Eick richten sondern gegen die Regierung.
Auch Opel eierte seit Jahren -lange vor der Finanzkrise- ständig am Limit und hat eigentlich weniger Chancen als Arcandor mit Karstadt.
Eick hätte es geschafft, er hätte Arcandor retten können und die Schulden an den Staat hätten langfristig getilgt werden können.
Machen das eigentlich die Banken auch, wenn sie wieder Gewinne einfahren? Ich höre immer nur, daß die Bürger herhalten müssen.

02.09.2009
12:22
Arcandor-Chef Eick spendet ein Drittel seiner Abfindung
von immerNett | #47

Auch wenn er alles zur Verfügung gestellt hätte, würde die linke Meute dennoch unzufrieden sein. Da hilft eben nur selbst arbeiten und nicht von den Sozialleistungen leben.

02.09.2009
11:33
Arcandor-Chef Eick spendet ein Drittel seiner Abfindung
von scorpionx | #46

ein edler zug von herrn eick --- müssen, müsste er nicht ... ;-))
vllt. will er ja nur den rest, in ruhe ausgeben können ...

02.09.2009
10:54
Arcandor-Chef Eick spendet ein Drittel seiner Abfindung
von Vanagas | #45

#33 KaBo :

Ein bischen viele Fehleinschätzungen in letzter Zeit der Nieten in Nadelstreifen , oder ?

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