Arbeitslosigkeit sinkt auf niedrigsten Juni-Wert seit 1991

Trotz des Tauziehens um die Zukunft Griechenlands und anderer internationaler Krisen ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland auf ein neues Rekordtief gesunken. Mit 2,711 Millionen Jobsuchern verzeichnete die Bundesagentur für Arbeit (BA) die niedrigste Juni-Arbeitslosigkeit seit 1991.

Nürnberg.. Dabei gab es 51 000 Erwerbslose weniger als im Mai und 122 000 weniger als vor einem Jahr, wie die Bundesbehörde in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Punkte auf 6,2 Prozent.

BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise zeigte sich mit der Entwicklung zufrieden. Allerdings machte er für die sinkende Erwerbslosigkeit hauptsächlich saisonale Faktoren verantwortlich, wie die verstärkte Beschäftigung in witterungsabhängigen Berufen: "Zum Ende der Frühjahrsbelebung ist die Zahl der Arbeitslosen nochmals gesunken - und zwar im saisonüblichen Rahmen", erläuterte Weise. Ohne jahreszeitliche Sonderfaktoren wäre die Zahl der Erwerbslosen dagegen nur um rund 1000 niedriger ausgefallen.

Mit Auswirkungen der Griechenland-Krise rechnet Weise vorerst nicht. Dazu seien die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Deutschland und Griechenland nicht eng genug. Dennoch schloss er mittel- oder langfristige Risiken nicht aus: "Die Frage ist, was passiert in der Geldpolitik?" Den deutschen Banken könne bei einem Totalausfall der Kredite an Griechenland ein Schaden von bis zu 90 Milliarden Euro entstehen. Positiv sei dagegen zu bewerten, dass sich andere Euro-Krisenländer wie Spanien gut entwickelten, ergänzte Weise.

Auch der zum Jahresanfang eingeführte Mindestlohn hat nach seiner Beobachtung bislang keine erkennbaren Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen. "Es gibt keine Auswirkungen in dem Sinne, dass in der Summe Jobs verloren gehen", sagte Weise. Zwar würden im Einzelnen Minijobs wegfallen; das habe die Wirtschaft aber durch neu geschaffene Stellen kompensiert.

So gab es nach Weises Angaben nach den jüngsten Daten vom März mit 30,58 Millionen rund 521 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze mehr als im Jahr davor. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg zwischen Mai 2014 und Mai 2015 um 206 000 auf 42,8 Millionen. Die gute Entwicklung spiegelt sich auch in der Zahl der offenen Stellen wider: Im Juni waren bei den Arbeitsagenturen 572 000 Jobangebote gemeldet, 78 000 mehr als vor einem Jahr. "Besonders gesucht sind zurzeit Arbeitskräfte in den Berufsfeldern Metallerzeugung, Verkauf sowie Verkehr und Logistik", berichtete die BA.

Unterdessen kündigte BA-Vorstand Raimund Becker angesichts der weiterhin hohen Asylbewerberzahlen eine Betreuungsoffensive für Flüchtlinge an. Über bestehende Pilotprojekte hinaus, von denen bislang lediglich 600 Flüchtlinge profitiert hatten, sollen weitere Ausländer frühzeitig auf den deutschen Arbeitsmarkt vorbereitet werden. Dazu will die Bundesagentur in den nächsten Monaten rund 80 zusätzliche Mitarbeiter einstellen.

Sie sollen schon in den Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge geeignete Job-Bewerber auswählen. Diese sollen dann in einem dreimonatigen Förderprogramm direkt in Betrieben mit der deutschen Arbeitswelt vertraut gemacht werden. "Nachdem viele Flüchtlinge keinen formalen Berufsabschluss haben oder ohne Dokumente nach Deutschland kommen, wollen wir dabei auch herausfinden: Was können diese Menschen eigentlich?", erläuterte Becker. Während dieses Betriebspraktikums erhielten die Ausländer außerdem einen fachbezogenen Deutschkurs.

Weise und Becker räumten zugleich ein, dass es nicht ausreiche, allein die aus Versicherungsbeiträgen finanzierten Arbeitsagenturen auf die wachsende Zahl arbeitssuchender Flüchtlinge vorzubereiten. Über kurz oder lang werden wohl rund 90 Prozent der arbeitslosen Flüchtlinge in die Zuständigkeit der Jobcenter fallen, die schon jetzt als unterfinanziert gelten. "Hier läuft es etwas anders als in den Arbeitsagenturen. Die Jobcenter haben nicht so viel Geld. Dadurch können wir Dinge, die dort gemacht werden müssten, nicht ganz so schnell tun", sagte Weise. Die Jobcenter werden aus Steuermitteln finanziert; über ihr Budget entscheidet die Bundesregierung.