Arbeitnehmer verdienen 39 Milliarden Euro mehr
27.12.2012 | 08:51 Uhr 2012-12-27T08:51:00+0100
Berlin. Durch hohe Tarifabschlüsse haben Arbeitnehmer in diesem Jahr in Deutschland 39 Milliarden Euro mehr als 2011 verdient. Das geht aus aktuellen Berechnungen der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Auch gewinnt die Debatte um höhere Lohnabschlüsse für 2013 an Fahrt. Experten fordern ein Ende der Bescheidenheit.
Durch hohe Tarifabschlüsse haben Arbeitnehmer in Deutschland nach einem Zeitungsbericht im zu Ende gehenden Jahr 39 Milliarden Euro mehr als 2011 verdient. Das berichtet die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf Berechnungen des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.
Danach werde die gesamtwirtschaftliche Bruttolohn- und Gehaltssumme 2012 um 3,6 Prozent steigen. Dies entspreche einem Zuwachs von 39 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr. Abzüglich der diesjährigen Inflationsrate von 2,1 Prozent bleiben den Berechnungen zufolge 1,5 Prozent oder rund 16,2 Milliarden Euro Lohnzuwachs übrig.
Höhere Löhne kurbeln Binnennachfrage an
Unterdessen gewinnt die Debatte über den Spielraum für Lohnerhöhungen im neuen Jahr an Fahrt. Der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Gert Wagner, warb für Abschlüsse von „im Durchschnitt vier Prozent oder mehr“. Dies sei „sinnvoll, um die Binnennachfrage anzukurbeln und so die extrem ausgeprägte Exportabhängigkeit zu mindern“.
Der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, Gert Wagner, sieht im kommenden Jahr Spielraum für Lohnerhöhungen von „im Durchschnitt vier Prozent oder mehr“. Dies sei „sinnvoll, um die Binnennachfrage anzukurbeln“.
Der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Wolfgang Franz, sprach sich dagegen für niedrigere Lohnabschlüsse aus. Notwendig sei eine „beschäftigungsfreundliche Tariflohnpolitik“, forderte er in einem dapd-Interview. Der „gesamtwirtschaftliche Verteilungsspielraum“ belaufe sich im Jahr 2013 lediglich auf rund zwei Prozent.
In der „Rheinischen Post“ mahnte Franz, die Tarifvertragsparteien sollten diesen Verteilungsspielraum jedoch „nicht ganz ausschöpfen“. Damit werde ein Beitrag zur Schaffung neuer Arbeitsplätze geleistet. Der Chef der „Wirtschaftsweisen“ fügte hinzu: „Zur Vollbeschäftigung ist es noch ein gutes Stück des Weges.“
„Die Tarifparteien sollten endlich mal mutig sein“
Wagner forderte jedoch: „Die Tarifparteien sollten endlich mal mutig sein.“ Die Lohnpolitik habe „lange Zeit die möglichen Verteilungsspielräume, die sich aufgrund der Produktivitätssteigerungen und der Teuerung ergeben, nicht ausgeschöpft“. Auch im ablaufenden Jahr seien die Lohnabschlüsse gemessen an der Produktivitätsentwicklung moderat gewesen.
Die Löhne in Deutschland sind im vergangenem Jahr um durchschnittlich 3,0 Prozent gestiegen. Das ist das größte Plus seit dem Frühjahr 2011. Durchschnittlich hat ein vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer ohne Sonderzahlungen 3.404 Euro verdient. Besonders hoch ist der Lohn bei Bankangestellten.
Der DIW-Chef fügte hinzu: „Ich weiß: Hohe Lohnabschlüsse bergen ein Risiko - aber niedrige auch, da wir in Europa leben und nicht auf einer Insel.“ Höhere Lohnabschlüsse in Deutschland seien „zur Stabilisierung der Eurozone wünschenswert“. Wagner warnte: „Denn sie ist nicht nur dadurch gefährdet, dass einige Staaten übermäßig konsumiert oder gebaut haben, sondern auch dadurch, dass Deutschland unter seinen Verhältnissen lebt.“
Der DIW-Vorstandsvorsitzende erläuterte: „Wenn wir hier in Deutschland mehr konsumieren, dann heißt das auch, dass wir mehr aus unseren Nachbarländern importieren. Und das kann dort Wachstumsimpulse auslösen, die dringend nötig sind, wenn Schulden abgebaut werden sollen.“
Bsirske verteidigt 6,5-Prozent-Forderung
Der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske verteidigte derweil die Forderung der Gewerkschaft von 6,5 Prozent für den öffentlichen Dienst der Länder. Er sagte in einem dapd-Interview: „Die Länder haben bei den Steuereinnahmen deutliche Einnahmefortschritte verzeichnen können.“ Er setze darauf, dass es am Verhandlungstisch zu einer Einigung kommen werde.
Bsirske warnte: „Wenn es sich als schwierig herausstellen sollte, wird es zu Reaktionen in den Betrieben kommen. Dass die Beschäftigten bereit sind, ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, haben sie vor zwei Jahren in zwei Streikwellen gezeigt.“ Die Tarifrunde startet am 31. Januar in Berlin. (dapd)

17:26
viel Geschwafel und nichts bleibt zusätzlich in der Tasche
man sollte das Denkvermögen solcher Prof.Dr. Dr. Experten besteuern
12:44
Inhalt des Artikels ist eine Auseinandersetzung zwischen dem Vorstandsvorsitzenden des RWI ,also Herrn Wagner, und der neoliberalen Ikone ,also Herrn Franz,der gleichzeitig der Vorsitzende der sog. Wirtschaftsweisen ist ,die die Bundesregierung jährlich mit einem Gutachten über die wirtschaftliche Lage beglücken .
Und diese Expertise hat noch selten gestimmt.
Deshalb habe ich meine Zweifel ,dass neben Herrn Franz überhaupt sog. Wirtschaftsweise sitzen.
Selbstverständlich stimme ich hier dem Standpunkt des Herrn Wagner zu.
Es müssen kräftige Lohnerhöhungen in der Fläche her.
Und vor allem auch in den nicht-tarifgebundenen Bereichen.
Da ist die Bundesregierung mit einem gesetzlichen Mindestlohn gefordert ,der aber den Namen verdient.
Selbstkritisch als Gewerkschafter muss man feststellen ,dass die Organisationsmacht der Gewerkschaften in vielen Bereichen nicht mehr ausreicht ,um für akzeptable Lohnabschlüsse sorgen zu können.
Und diese Tendenz nimmt zu in unserer banana republika
10:37
@tomatenkiller
Wie kommen Sie auf die Zahl 50 Mrd?
10:36
@JosefRobert
Sie reden einen Blödsinn! Was hat die SPD damit zu tun. Weder CDU/CSU noch SPD haben die Steuersystematik in Ihrem Sinne geändert.
Sie müssen Ihre Abneigung gegen SPD und Grüne nicht mit Lügen garnieren.
Sie wissen sicherlich nicht, daß die SPD im Bundestag damit gedroht hat, mit der Mehrheit im Bundesrat eine angedachte Steuersenkung für Geringverdiener von Schwarz/gelb zu blockieren.
Ihnen ist sicherlich auch unbekannt, daß die SPD gefordert hat erst die Schulden abzuarbeiten und dann an Steuersenkung für den Arbeiter zu denken.
Sie wissen sicher auch nicht, daß die SPD-Regierung unter Schröder den Reichen gegeben hat und daß das jetzt fehlende Geld von den Arbeitern aufgebracht werden soll, die Schulden abzubauen. Die SPD hat sich den Titel Umverteiler von Unten nach oben redlich verdient.
14:49
39 Milliarden Mehrverdienst vs höhere Abgaben und Kosten von über 50 Milliarden.
13:33
Somit beruht auch dieser Artikel auf einer „Studie“, zu der sich dann die diversen aus den Medien bekannten Persönlichkeiten äußern.
Und obwohl sie aus DGB-Kreisen stammt, gibt es keine kritischen Akzente in den Zitaten aus der Studie. Das ist ja schon mal etwas!
Wenn es aber heißt
„Danach werde die gesamtwirtschaftliche Bruttolohn- und Gehaltssumme 2012 um 3,6 Prozent steigen. Dies entspreche einem Zuwachs von 39 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr. Abzüglich der diesjährigen Inflationsrate von 2,1 Prozent bleiben den Berechnungen zufolge 1,5 Prozent oder rund 16,2 Milliarden Euro Lohnzuwachs übrig.“ (Zitatende),
so ist dies m. E. nicht ganz richtig. Da hat man nämlich die Steuerbelastung vergessen!
Hinsichtlich weiterer Schlussfolgerungen verweise ich auf den Kommentator #3, dem ich zustimme.
12:02
@4: Natürlich sind die verlängerten Arme von BDi und BDA wie das IW, RWI oder das IfO von Prof. Unsinn um längen seriöser *hust*^^
Naja, IfO mit seinen wahnsinnigen Prof. und INSM sind ja dann doch noch ne Nummer besser. *ggggg*
11:56
Hans-Böckler-Stiftung !!!!! Ich lach mich kaputt. Da hat man ja genau die richtigen genommen.
10:35
... und damit verbunden gab es wieder eine heimlich deutliche Steuererhöhung.
Über die kalte Progression steigen die Steuersätze für alle ständig, auch wenn eine Gehaltserhöhung nur der Inflationsrate entspricht.
Weil die Einkommensstufen im Steuertarif nicht automatisch an die Inflation angepasst werden, steigen jedes Jahr die Steuersätze für alle.
Und eine Anpassung scheitert wie immer and er SPD (und den Grünen), die eine Anpassung dann Steuersenkung nennen. Dabei ist es nichts anderes als eine nicht vorgenommene Steuererhöhung.
Wenn das Geld dann nicht reicht, kann man die Steuersätze in den Tarifstufen ja erhöhen, das wäre dann aber eine transparente Steuererhöhung.
So macht die SPD ihrem Namen S teuererhöhungs P artei D eutschlands wieder alle Ehre.
Leider glauben viel zu viele Menschen diesen unlogischen Quatsch, dass eine jährliche Anpassung der Einkommensgrenzen eine Steuersenkung darstellt.
09:44
...Bruttolohn- und Gehaltssumme 2012 um 3,6...Inflationsrate von 2,1 Prozent bleiben den Berechnungen zufolge 1,5 Prozent oder rund 16,2 Milliarden Euro ....lach...ich traue nur der Statistik die ich selber geschönt habe!
Boh äh dat wären pro Arbeitnehmer..bei angeblich 32000000...ach da müssen ja jetzt noch ca 7000000 400€ Jobber rausgezogen werden ..satte 640 € mehr im Jahr...glaub das reicht nicht mal um die Angekündigte Energiepreiserhöhung zu bezahlen....