Antibiotika in Landwirtschaft: EU will strenger kontrollieren

Brüssel..  Antibiotika-Resistenz – das Medikament schlägt nicht mehr an – ist ein globales Problem. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat es auf die Tagesordnung des G-7-Gipfels Anfang Juni auf Schloss Elmau gesetzt. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jedes Jahr in der Europäischen Union 25 000 Menschen an bakteriellen Infektionen, weil die üblichen Medikamente nicht mehr greifen. Tendenz: stark steigend. Zu einem guten Titel stammen die unempfindlichen Keime aus der Tierwelt, vor allem in Folge der unkontrollierten Verabreichung in der Viehhaltung. Dagegen will die EU jetzt strenger vorgehen.

Alarmierend ist für Gesundheitspolitik er vor allem die rasche Ausbreitung der Resistenz. In manchen Regionen hat sich die Zahl der Betroffenen binnen weniger Jahre verdoppelt. Die WHO warnt vor einer „Post-Antibiotika-Ära“ – flächendeckende Unwirksamkeit. Peter Liese, CDU-Gesundheitspolitiker aus Meschede im Europa-Parlament, hält das nicht für übertrieben. „Ich glaube, dass die reale Gefahr besteht, dass es irgendwann keine Antibiotika mehr gibt, die wirken.“ Liese schätzt, dass ein Fünftel der Todesfälle auf bakterielle Keim-Übertragung von Tieren zurückgeht. Dafür sprechen zahlreiche Indizien: Die Zahl der gegen eine Vielzahl von Präparaten „multiresistenten“ Patienten ist unter Schweinezüchtern überdurchschnittlich hoch.

Deutschland gehört freilich beim sorglosen Umgang mit Antibiotika in Europa keineswegs zu den großen Sündern. In Spanien etwa gilt die Verabreichung in der Landwirtschaft als völlig unproblematisch. Auch ist dort im Gegensatz zu Deutschland die Verfütterung von Arzneifuttermitteln weiterhin üblich. Eine strengere europäische Reglementierung, die gegenwärtig von EU-Ministerrat und Parlament beraten wird, soll künftig für einheitliche Standards sorgen, vor allem in Form einer genaueren Kontrolle, was unter welchen Bedingungen verabreicht wird.

Auf Deutschland könnten zwei Änderungen zukommen: Eine Verlängerung des Patentschutzes für neuentwickelte Antibiotika und der Ausschluss bestimmter, besonders wirkungsstarker Mittel („Reserveantibiotika“) von der Tiermast. Liese verlangt weitergehende Initiativen auch für die Humanmedizin: Der Bauernverband habe recht, wenn er darauf verweise, dass es nicht plausibel sei, wenn künftig der Antibiotika-Einsatz in der Landwirtschaft strikt beaufsichtigt werde, in Arztpraxen aber nicht.