Anschub für Bahn und Schiff
14.04.2010 | 21:26 Uhr 2010-04-14T21:26:00+0200
An Rhein und Ruhr. Nach der Krise fordert die Niederrheinische IHK neue Anstrengungen für die Logistik an Rhein und Ruhr.
Der Tiefpunkt der Wirtschaftskrise ist beendet, da sind sich die Experten der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer (IHK) sicher. Und auch wenn das Tal der Tränen in der Region noch ein wenig tiefer war als anderswo – am Niederrhein ging der Industrie-Umsatz 2009 um 28, landesweit um 21 Prozent zurück – nimmt die IHK statt Kurzarbeit und Konjunkturprogrammen nun wieder ihre eigentlichen Themen in den Blick. Und dabei geht’s rund um den größten Binnenhafen Europas vor allem um Verkehr. „Die Konkurrenz schläft nicht“, sagt IHK-Präsident Burkhard Landers und denkt durchaus großräumig. Wettbewerber für die Logistik-Region säßen etwa am Mittelmeer, wo Schiffe aus Asien in Richtung Atlantik gut noch den ein oder anderen Container aus NRW mit an Bord nehmen könnten.
Schub für „Eisernen Rhein“
Um das zu verhindern, treibt die für Verkehrsthemen in NRW federführende Duisburger IHK den „Eisernen Rhein“ voran, die historische Bahnverbindung vom Niederrhein zum Seehafen Antwerpen – auch als Alternative zum richtigen Rhein und dem überlasteten Rotterdam. „Die Realisierung der Trasse als zweispuriger Ausbau entlang der Autobahn A52 droht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben zu werden“, klagt IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Dietzfelbinger. Konkurrenz zwischen den beteiligten Ländern Belgien (Antwerpen) und den Niederlanden (Rotterdam) und wechselnde Regierungen (zuletzt in Berlin) ließen fast unterschriftsreife Vereinbarungen wieder scheitern.
Zumindest an der Finanzierung müsste das bis zu eine Milliarde Euro teure Projekt nicht scheitern, meint Dietzfelbinger, der dem Staat private Investoren im Rahmen eines sogenannten PPP-Projekts an die Seite stellen will. Weil sich für die reine Trassenfinanzierung wohl kaum ein Interessent fände, lockt die IHK mit einem Logistikzentrum an der Bahnstrecke, das sich möglicherweise als Goldgrube entwickeln könnte. Zumindest, wenn Dietzfelbingers Erwartungen an die US-Sicherheitspolitik eintreten: „Wohl spätestens ab 2014 muss jede Ladung für die USA durchleuchtet werden.“ Und da bereits jetzt das stichprobenartige Container-Scannen in den Seehäfen zu Problemen führe, könnte dann das Durchleuchten und Versiegeln im Inland zur gefragten Alternative werden. Konkret hat die IHK einen Standort in Brüggen-Elmpt (Kreis Viersen) für ein solches Logistik- und Sicherheitszentrum im Blick.
Die Kapazitäten am echten, am flüssigen Rhein, will Kammerpräsident Landers vor allem durch eine bessere Zusammenarbeit der Häfen zwischen Emmerich, Wesel und Duisburg stärken. „Zu einer Kooperation der Häfen gibt es gar keine Alternative, wenn wir gewinnen wollen“, so Landers. Die Absicht des Duisburger Hafens, einen Bahn-Pendelverkehr mit Emmerich aufzubauen, „geht genau in die richtige Richtung“.
Sorge um Stahlkonjunktur
Jenseits aller Verkehrsprobleme sorgt sich IHK-Präsident Landers mit Stahl-Arbeitern und -Managern um die Entwicklung bei den Erzpreisen. „Das eine ist die absolute Höhe, das andere die Problematik um immer kurzfristigere Verträge.“ Wie berichtet wollen die drei größten Erzkonzerne ihre Preise statt jährlich künftig quartalsweise anpassen. Kritiker fürchten einen durch Spekulation getriebenen Preisschub. Landers fürchtet, dass angesichts dieser Aussichten, die zuletzt gute Stahlkonjunktur vor allem der Lagerhaltung besorgter Kunden geschuldet sei und so steigende Preise dem „zarten Pflänzchen Aufschwung“ bald ein Ende bereiten. Am 22. April wollen Stahlarbeiter aus ganz Europa in Duisburg gegen Rohstoff-Spekulationen protestieren.

07:56
Eine wie immer beeindruckende Lobby-Arbeit der IHK. Halten wir die Fakten fest: private Wirtschaftsunternehmen möchten Ihre Profite mehren. Hierzu sollen die Bürger dieses Landes finanzielle Mittel bereitstellen und den zwangsläufig mit einer Schienenverbindung verbundenen Lärm denn für Lärmschutz wird - wie üblich - kein Geld mehr da sein hinnehmen. Ergebnis: hier die armen Schlucker, die immer weniger Geld zur Verfügung haben und ihr kümmerliches Leben neben einer vielbefahrenen Eisenbahnstrecke fristen; dort die immer reicher werdenden Industriemagnaten, die es sich in ihrer Villa fernab von Bahnstrecken, Einflugschneisen und Autobahnen gut gehen lassen.
Überspitzt formuliert? Sicherlich. Aber auf dem Weg zu genau dieser Gesellschaft sind wir schon längst!