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Amazon schmeißt umstrittenen Sicherheitsdienst raus

18.02.2013 | 12:07 Uhr
Amazon schmeißt umstrittenen Sicherheitsdienst raus
Amazon steht wegen des Umgangs mit Leiharbeitern in der Kritik.Foto: dapd

Essen.  Der Versandhandel Amazon hat erste Konsequenzen aus den Vorwürfen in der ARD-Dokumentation "Ausgeliefert - Leiharbeit bei Amazon" gezogen. Das Unternehmen feuerte mit sofortiger Wirkung den privaten Sicherheitsdienst H.E.S.S. Dessen Mitarbeiter sollen ausländische Arbeitsnehmer schikaniert haben.

Amazon hat seinen Sicherheitsdienst mit sofortiger Wirkung gefeuert. Die ARD-Dokumentation "Ausgeliefert - Leiharbeit bei Amazon" zeigte jüngst wie die ausländischen Arbeitsnehmer von dem privaten Sicherheitsdienst "Hensel European Security Services" auf Schritt und Tritt kontrolliert wurden. Die Firma, die in ihrer Abkürzung den gleichen Namen wie Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess trägt, soll demnach Kontakte in die Neonazi-Szene haben. Mitarbeiter hätten neonazi-typische Kleidungsmarken getragen und der Geschäftsführer der Firma zeige sich auf Fotos im Internet mit verurteilten Rechtsextremen, erklärten die ARD-Journalisten.

"Amazon hat veranlasst, dass die Zusammenarbeit mit dem kritisierten Sicherheitsdienst mit sofortiger Wirkung beendet wird", sagte eine Sprecherin am Montag in München und bestätigte damit einen Bericht von "sueddeutsche.de". Amazon habe "eine Null-Toleranz-Grenze für Diskriminierung und Einschüchterung - und wir erwarten das gleiche von allen Unternehmen, mit denen wir arbeiten".

Sicherheitsdienst wehrt sich gegen Vorwürfe

Der Sicherheitsdienst H.E.S.S., der die zumeist ausländischen Mitarbeiter dem Bericht zufolge schikaniert haben soll, wehrte sich am Wochenende in einer Pressemitteilung gegen die Vorwürfe: "Den Vorwurf, unser Unternehmen pflege rechtsradikale Ansichten oder unterstütze diese, weisen wir zurück."

Der Amazon-Subunternehmer bestätigte , Zimmerdurchsuchungen durchgeführt zu haben. Die Durchsuchungen seien zur "Dokumentation etwaiger Beschädigungen oder abhandengekommener Sachen" im Einvernehmen mit dem Hotelbetreiber erfolgt und nicht rechtswidrig. Es gehöre zum Auftrag des Sicherheitsdienstes, "Hoteleigentum der unterbringenden Gastwirte vor Diebstahl und Beschädigung zu schützen."

ARD-Dokumentation über Amazon löste Protestwelle aus

Leiharbeit
Kunden-Zorn gegen den Internetversender Amazon

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat Aufklärung über die Arbeitsbedingungen von Saisonarbeitern beim Internet-Versandhändler Amazon gefordert. Zuletzt war der Versandriese wegen des Umgangs mit Leiharbeitern massiv in die Kritik geraten.

Die ARD-Dokumentation hatte über schlechte Arbeitsbedingungen von Saisonarbeitern aus dem Ausland bei dem Versandhändler in Deutschland berichtet. Am Wochenende hatte sich Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in die Debatte eingeschaltet und der Leiharbeitsfirma, die mit Amazon zusammenarbeitet , mit einem Lizenzentzug gedroht.

Auch auf Facebook erntete Amazon massive Kritik . "Ich werde nie wieder was bei Ihnen bestellen, mir fehlen die Worte, wie kann man mit Menschen so umgehen!", schreibt eine Frau. "Boykott bis die Sklavenarbeit bei Amazon abgeschafft wurde", sagt ein Mann. Auch andere Kunden wollen vorerst nicht mehr beim Versandhändler einkaufen.

Wallraff spricht von "grausamsten" Arbeitsbedingungen bei Amazon

ARD-Dokumentation
Amazon lässt Hilfskräfte überwachen und einschüchtern

Günstige Preise und kostenlose Lieferung verheißt der Internethändler Amazon seinen Kunden. Leidtragende sind vor allem ausländische Leiharbeiter. Wie eine Dokumentation am Mittwoch in der ARD aufdeckte, werden sie nicht nur zu Dumpinglöhnen angestellt, sondern auch rund um die Uhr überwacht.

Der Kölner Enthüllungsjournalist Günter Wallraff hat die Arbeitsbedingungen bei dem in die Kritik geratenen Internet-Versandhändler Amazon angeprangert. "Mir sind mehrfach von dort Beschäftigten grausamste Arbeitsbedingungen geschildert worden", sagte der Autor der Nachrichtenagentur dpa am Montag in Köln. Das betreffe vor allem Saison- und Leiharbeiter.

Aus Zuschriften von Betroffenen gehe hervor, dass diese von Kameras überwacht, schon bei kleinen Verschnaufpausen zum Vorgesetzten zitiert würden und mit Repressalien rechnen müssten. "Über die Arbeiter wird verfügt wie über Leibeigene." In Einzelfällen durften Wallraff zufolge Medikamente, die etwa Diabetiker brauchten, nicht mit ins Lager genommen werden.

Der 70 Jahre alte Autor sagte, er recherchiere seit längerem in der gesamten Paket- und Zustellerbranche und sei auf breiter Front auf unzumutbare Zustände gestoßen. Wallraff hatte 2012 - nach Recherchen und eigenen Undercover-Einsätzen - "Menschenschinderei mit System" beim Paketzusteller GLS kritisiert. Die Firma hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Das ebenfalls kritisierte Unternehmen Hermes hatte dagegen Verbesserungen für die eigenen Zusteller angekündigt. (dpa/dapd/rtr/we)

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Kommentare
18.02.2013
21:40
Amazon schmeißt umstrittenen Sicherheitsdienst raus
von Strasser | #19

Was für ein Bauernopfer und durchsichtiges Propaganda-Manöver!

18.02.2013
17:45
Amazon schmeißt umstrittenen Sicherheitsdienst raus
von Alikante | #18

Amazon versucht das zu ändern. Der erste Schritt ist getan und mal abwarten , was als nächstes kommt. Wenn Amazon wie Nokia dei Segel streicht schreien plötzlich alle auf .
Amazon soll froh sein über diese Art von Kritik . Anderswo geht es nicht so demokratisch zu , da werden soche Firmen kaputtgehauen und niedergebrannt.

18.02.2013
17:02
Amazon schmeißt umstrittenen Sicherheitsdienst raus
von hagro | #17

Wenn die Politiker "Elite" Sklavenlöhne und Sklavenarbeit abschafft, dann braucht auch keiner mehr bei Sklavenhändlern kaufen.

18.02.2013
16:33
Amazon schmeißt umstrittenen Sicherheitsdienst raus
von dutsche | #16

Warum muss immer erst das Fernsehen kommen?

2 Antworten
Amazon schmeißt umstrittenen Sicherheitsdienst raus
von Alikante | #16-1

Weil die Bildzeitung zu langsam ist !

Amazon schmeißt umstrittenen Sicherheitsdienst raus
von Alikante | #16-2

..weil die Bildzeitung zu langsam ist...

18.02.2013
15:27
Das Problem ist nicht Amazon. Das Problem ist Leiharbeit!
von Susan2012 | #15

Solange Leiharbeiter weniger bekommen als die Stammbelegschaft, solange wird es keinen Anreiz geben Menschen auf Dauer einzustellen. Dieser ganze Sumpf der Leiharbeit muss endlich trockengelegt werden. Und dieses komischen 450 Euro Jobs gleich mit.

Und das bei diesen Sicherheitsdiensten solche Typen arbeiten ist doch auch nichts Neues. Bisher wohl immer weggesehen?

18.02.2013
15:04
Amazon schmeißt umstrittenen Sicherheitsdienst raus
von Rumelner | #14

Einfach nur wiederlich das ganze

18.02.2013
14:35
Amazon schmeißt umstrittenen Sicherheitsdienst raus
von FriedlicherBuerger | #13

Privater Sicherheitsdienst mit szenetypischer Neonazi-Kleidung, Springerstiefeln...

Der Name könnte wohl auch Programm sein, H.E.S.S. in Anlehnung an "Rudolph Heß" ??
Weils so schön ist die letzten beiden Buchstaben mit S.S. ??
Als Diensthemden, schwarze Ausführung, am Kragen mit roter und weißer Schrift, also die szenetypischen Farben?

War nur so ein Gedankengang...

Bei den meisten Securityfirmen wird doch eine einheitliche Dienstkleidung ausgegeben, hier nicht?
Findet dort keine (Stichproben-)Kontrolle des eingesetzten Personals statt?
Wenn ja, warum werden als Skin zu erkennende Mitarbeiter dort weiterbeschäftigt?
Naja, fragen darf man ja mal...

Zu Amazon selbst: Amazon ist überall und hat viele Namen.

18.02.2013
14:13
und noch eins...
von duisifan | #12

es geht hier nicht um die Bezahlung sondern um den Umgang mit den Menschen - Konrtollen durch Vorgesetzte und Bespitzelung von anderen Mitarbeitern, Gehirnwäsche, Entwürdigung duch Beschneidung der Persönlichkeitsrechte - das sind die Themen. Unter einigermaßen anständigen Verhältnissen würden viele Mitarbeiter sicher sogar für weniger Geld arbeiten oder will hier jemand behaupten, dass man mit einer höheren Bezahlung die Würde eines Menschen kaufen kann? Es ist also völlig belanglos, wenn sich hier manche Leute über den Verdienst von Facharbeitern streiten - sie haben offenbar noch nie unter solchen Bedingungen gearbeitet, wie sie sich bei Amazon zeigen. Amazon hat ganz Rheinberg gekauft - bis in höchste politische Rheihen guckt man im Rathaus in Rheinberg zu und tut nichts dagegen. So sieht es aus.

1 Antwort
Leider
von RainerN | #12-1

Ich kann Ihren Ärger, auch Ihre Forderungen verstehen, dennoch wäre ein erster Schritt, aus meiner Sicht, die Einführung nach eines Mindestlohn, eine Maßnahme die von der Politik RELATIV einfach zu realisieren wäre. Zum Umgang mit den Leiharbeitern ein Beispiel, Gesetze die z.B. eine Bespitzelung, einmal unabhängig in welcher Form, von Mitarbeitern verbieten, gibt es; nur müssen auch Beweise darüber vorliegen, dass eine systematische Bespitzelung tatsächlich stattgefunden hat und wenn ja, ob es z.B. nicht die Einzeltat eines Mitarbeiters von Amazon war. Will sagen, eine Menschenverachtender Umgang mit Leiharbeitern ist zunächst einmal keine Ordnungswidrigkeit oder gar Straftat. Diesen Umstand zu ändern, dürfte aus meiner Sicht ungleich schwieriger sein, als die Einführung eines Mindestlohns, LEIDER.

18.02.2013
14:06
Wurzel allen Übels
von RainerN | #11

Wer nach dem Beitrag in der ARD denkt, Amazon ist ein Einzelfall, dem sei gesagt, dass die geschilderten Zustände in Zusammenhang mit Amazon nur die Spitze eines Eisbergs sind. Wer denkt, dass er sein Gewissen damit beruhigen kann, nicht mehr bei Amazon einzukaufen, der sollte sich z.B. auch genau überlegen bei welchem Lebensmitteldiscountern er einkauft, und wer dort z.B. die Waren in die Regale räumt.
Untragbare Zustände im Zusammenhang mit Leiharbeit gibt es auch in weiteren Branchen, wie Günter Wallraff bereits festgestellt hat.
Die Wurzel allen Übels ist die Leiharbeit selbst, die moderne Form der Sklaverei. Hier ist der Gesetzgeber, die Politik gefordert, endlich dafür Sorge zu tragen, dass zumindest die Zahlung eines Mindestlohn, die nicht durch Tricks, wie beispielsweise Kosten für Kost und Logis oder horrende Fahrkosten (Wege zum und vom Einsatzort) usw. ausgehebelt werden kann.

2 Antworten
Amazon schmeißt umstrittenen Sicherheitsdienst raus
von Jorgel | #11-1

Bei Amazon wurde der Mindestlohn nicht ausgehebelt. Nach Abzug von Kost, Logis und Fahrtkosten wurden immer noch 8,52 Euro die Stunde bezahlt. Ziemlich genau der Mindeslohn den SPD und Grüne fordern. Dabei handelt es sich hier um ungelernte Saisonkräfte...

Wie bereits
von RainerN | #11-2

von mir geschrieben, Amazon ist die Spitze eines Eisbergs, ein Beispiel, was für viele steht.
Amazons "gerechte" Bezahlung ändert nichts daran, dass es Leiharbeitsfirmen gibt, die ihre Arbeiter schlicht und ergreifend einen Hungerlohn zahlen und davon obendrein z.B. noch völlig überzogene Fahrkosten einbehalten, wie es in meinem Bekanntenkreis passiert ist. Auf solche Praktiken kann unsere Politik Einfluss nehmen und sich nicht nur empören, wie jetzt Fr. von der Leyen. Empörung gab es genug . Was fehlt ist Handeln.

18.02.2013
13:58
Amazon schmeißt umstrittenen Sicherheitsdienst raus
von schRuessler | #10

Es wird so sein wie immer.
Da wird ein bsischen was geändert, ein paar Leute kaufen nicht mehr bei amazon und die Sache ist erledigt.

Aber die Gesetze, die solche Dinge erst möglich machen, werden bleiben.
Und solange das alles legal ist, wird es auch genutzt.
Ein Unternehmen ist kein Wohlfahrtsverband. Da geht es knallhart um Profit und Gelegenheiten, den zu erhöhen, werden natürlich wahrgenommen.

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