Altpapier wird immer teurer
14.04.2010 | 15:48 Uhr 2010-04-14T15:48:00+0200
Hagen. Die Preise für Altpapier sind zuletzt extrem angestiegen. Druckereien und Kartonhersteller klagen schon über Lieferengpässe. Derweil wird deutlich, dass eine immer größer werdende Menge des Rohstoffes nach China exportiert wird.
Das Altpapier wird knapp in Deutschland. Dadurch ist der Rohstoff teurer geworden. Die Kosten sind von 2,50 auf bis zu 120 Euro pro Tonne gestiegen. Offenbar noch längst nicht das Ende der Fahnenstange.
Sechs bis elf Wochen Wartezeit
Hendrik Basse bekommt die Altpapierknappheit im geschäftlichen Alltag zu spüren. Seine Druckerei in Hagen-Haspe ist auf Altpapier und Zellstoff angewiesen, um daraus Prospekte, Kataloge und Kalender herstellen zu können. Zurzeit registriert der Unternehmer jedoch ungewohnte Lieferengpässe. „Einige Papierfabriken haben bereits Belegungen von sechs bis elf Wochen”, so Basse. Dazu komme, dass die Preise ansteigen.
„Ja, es ist richtig, seit Anfang des Jahres geht das Preisniveau steil nach oben”, bestätigt Gregor Andreas Geiger, Pressesprecher des Verbandes Deutscher Papierfabriken (VDP). Für hochwertiges Altpapier rechnet der Verband sogar mit noch höheren Preisen. Dem Verband zufolge liegt dieses Preisniveau insgesamt aber noch unter dem von 2005. Im Zuge der Wirtschaftskrise waren die Papierpreise dann allerdings eingebrochen. Im Vorjahr verzeichnete die Papierindustrie laut VDP im Schnitt ein Umsatzminus von 16 Prozent.
Verbände sehen Konjunkturaufschwung
Die Gründe für die aktuell gestiegenen Papierkosten haben nach Auffassung des Verbandes mehrere Ursachen. „Der Handel mit China befeuert die Preisentwicklung natürlich”, meint Geiger. Der Export von alten Zeitschriften und Kartons nach Fernost ist von 2008 auf 2009 um 32 Prozent angestiegen. Zum anderen habe es eine Marktbereinigung gegeben. „Es gab ein Überangebot”, erklärt der VDP-Sprecher. Einige Produktionsstandorte fielen dieser Entwicklung zum Opfer.
Abgesehen von der Entwicklung in der Papierhersteller-Branche erkennt der VDP in der gestiegenen Nachfrage eine Belebung der Konjunktur. So sieht das auch die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer (SIHK). Frank Niehaus, bei der SIHK zuständig für den Bereich Umwelt: „Zwar sind Preissprünge für Unternehmen generell schwierig, aber als Aufschwungssignal kann man sie auch positiv sehen.” Ein weiterer Faktor für die gestiegene Nachfrage könnten ferner die leeren Lager der Firmen sein. Während der Krise hätten die Unternehmen zunächst ihre Vorräte aufgebraucht und nicht neue Ware geordert. „Bislang sind bei uns aber keine Beschwerden wegen zu hoher Papierpreise eingangen”, sagt Niehaus.
Zellstoffpreise steigen
Dagegen sieht Hendrik Basse noch keinen Aufschwung am Horizont. Wohl aber massive Probleme nicht nur durch den aktuellen Altpapier-Engpass. Denn neben den Preisen für den wiederverwerteten Rohstoff, steigen auch die Kosten für Zellstoff. Durch die Erdbebenkatastrophe in Chile ist die weltweite Produktion um acht Prozent zurückgegangen. So drohen neben den Kosten für Karton- und Zeitungsherstellung auch noch die Preise für hochwertigere Papierprodukte in die Höhe zu gehen. „Perspektivisch sehe ich da große Probleme”, meint der Unternehmer und verweist auf den immer größer werdenden Rohstoffabfluss nach Fernost. Der Unternehmer sieht sich dieser Situation gegenüber machtlos ausgesetzt. „Wir können uns dagegen kaum wehren”, so Basse.

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