Absturz der Börsen in China löst weltweit Sorge aus

Mit Sorge verfolgen Broker an chinesischen Börsen den Kursverfall der Aktien. Zum Ende der Woche zeichnete sich eine Erholung ab.
Mit Sorge verfolgen Broker an chinesischen Börsen den Kursverfall der Aktien. Zum Ende der Woche zeichnete sich eine Erholung ab.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Die Börsenkurse in China stürzten binnen weniger Wochen um ein Drittel ab. Drei Billionen Dollar sollen verbrannt worden sein. Experten warnen vor dramatischen Folgen für Weltwirtschaft.

Peking.. Die dramatischen Turbulenzen an Chinas Börsen könnten nach Einschätzung von Experten weitaus größere Folgen für die Weltwirtschaft haben als die Krise in Griechenland. Binnen eines Monats, so heißt es, sollen mehr als drei Billionen US-Dollar an den chinesischen Börsen verbrannt worden sein. Die Kurse waren um ein Drittel abgestürzt.

Experten blicken jetzt gebannt darauf, ob dauerhaft Ruhe einkehren kann, wenn die Marktkräfte wieder zugelassen werden. Auch Chinas Schuldenberge und schwache heimische Nachfrage rücken wieder in den Fokus. Denn die Achterbahnfahrt an den Börsen bremst das Wachstum und die dringend nötigen Reformen noch weiter – mit globalen Folgen.

China hat globale Bedeutung

War es früher egal, „ob in China ein Sack Reis umfällt“, hat das Reich der Mitte heute immense globale Bedeutung. „Es besteht die Gefahr, dass der Börsenabsturz Chinas Wachstumsraten noch weiter einbrechen lässt, was zweifellos negative Folgen für die Weltwirtschaft hätte“, sagt Sandra Heep, Expertin des China-Instituts Merics in Berlin. Wegen ihrer engen Verflechtung mit China würden Länder in der asiatischen Region stark von einer Krise im Riesenreich getroffen. Auch rohstoffexportierende Staaten hätten unter einem Einbruch zu leiden.

Autoindustrie „Nicht zuletzt hat sich auch die deutsche Wirtschaft in starke Abhängigkeit von China begeben“, sagt Heep. „Wenn es mit Chinas Wirtschaft bergab geht, würde das die deutsche Exportwirtschaft empfindlich treffen.“ Schmerzhaft wird es jetzt schon für die in China erfolgsverwöhnte deutsche Autoindustrie. Die Vorhersage für den Automarkt in diesem Jahr wurde am Freitag von sieben auf nur noch drei Prozent Wachstum mehr als halbiert. Chinas Wirtschaft wächst so langsam wie seit 25 Jahren nicht mehr. Das offizielle Plus von sieben Prozent ist beschönigt. Als realistisch gelten eher fünf Prozent, was längst als „harte Landung“ beschrieben werden könnte.

Kritik an der Führung in Peking

Die staatlich orchestrierte Blase am Aktienmarkt sollte die Probleme heilen. Hohe Börsenkurse erleichterten es Staatsunternehmen, durch Kapitalerhöhungen an neue Geldmittel zu kommen. War der stagnierende Immobilienmarkt nicht mehr so attraktiv, floss das Geld in die Aktienmärkte statt aus dem Land heraus. Auch erleichterte der Boom die Finanzierung kleinerer Unternehmen in technologischen und innovativen Sektoren, die anders als Staatskonzerne schlecht an Kredite herankommen. Doch statt die Wirtschaft anzukurbeln, drehte sich nur die Roulette-Kugel im Börsen-Casino.

Leidtragende sind unerfahrene Kleinanleger, die zuletzt in Scharen an die Börsen gelockt wurden – und ihr Geld verloren. Die chinesische Regierung verfügte, dass neue Börsengänge ausgesetzt werden mussten. Auch die Reform der Staatsbetriebe gerät ins Stocken. Kleinere und mittlere Unternehmen kommen wieder schlechter an Kapital. Auch die notwendige Öffnung des Kapitalmarktes dürfte jetzt nur noch vorsichtiger verfolgt werden, glauben Experten.

„Das Vertrauen in Chinas Fähigkeit, die Wirtschaft im Griff zu haben, gerät jetzt ins Wanken“, schreibt Ruchir Sharma vom Investmenthaus Morgan Stanley im „Wall Street Journal“. „Wenn das Vertrauen zusammenbricht, werden die globalen Auswirkungen schlimmer sein als die der griechischen Schuldenkrise.“ Eine Abwärtsspirale in China mache Griechenland zum Nebenschauplatz.

„Das Schlimmste kommt noch“

„Nicht nur die Aktienmärkte haben ein Problem, sondern der Wirtschaft als Ganzes fehlt die Nachfrage“, sagt Jörg Wuttke, Präsident der Europäischen Handelskammer in China. Ein erfahrener ausländischer Industrievertreter in Peking warnt vor einem „Domino-Effekt“: „Das Schlimmste kommt noch.“

Im Laufe der Woche erholten sich Chinas Börsen wieder. Der Markt in Shanghai ging am Freitag mit einem Plus von 4,5 Prozent aus dem Handel. Auch der Component Index im Shenzhen gewann mehr als vier Prozent. Die drastischen Stützungsmaßnahmen, die Aufsichtsbehörden und Zentralbank in den vergangenen Tagen angestoßen hatten, zeigten damit den zweiten Tag in Folge Wirkung.