Das aktuelle Wetter NRW 16°C
Baumarkt

Abbau von 4000 Jobs bei Praktiker-Konzern erwartet

27.07.2013 | 15:36 Uhr
Abbau von 4000 Jobs bei Praktiker-Konzern erwartet
Nach den Insolvenzanträgen der Baumarktkette Praktiker. und der Tochterfirma Max Bahr stellen sich die Arbeitnehmervertreter auf einen massiven Stellenabbau ein. Foto: Mirjam Bleck

Hamburg.  Viele Mitarbeiter der insolventen Baumarktketten Praktiker und Max Bahr bangen um ihre Arbeitsplätze. Bis zu 4000 Jobs könnten verloren gehen, befürchtet der Betriebsrat von Max Bahr. Ein Unternehmenssprecher bezeichnet diese Zahl aber als Spekulation.

Nach den Insolvenzanträgen der Baumarktketten Praktiker und Max Bahr befürchtet der Max-Bahr-Betriebsrat den Verlust von bis zu 4000 Arbeitsplätzen. "Wenn man ehrlich ist und nichts schönreden will, muss man von der Größenordnung 80 bis 100 Märkten reden, die sich im Moment ernsthaft sorgen machen müssen", sagte der Max-Bahr-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Ulrich Kruse am Samstag auf dpa-Anfrage. Dabei ging er von einer durchschnittlichen Mitarbeiterzahl pro Markt von 35-40 aus. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung (Samstag) darüber berichtet. "Das ist eine erschreckende Zahl und eine Menge Holz", sagte er dem Blatt mit Blick auf den drohenden Jobverlust.

Es werde davon ausgegangen, dass von 280 Praktiker- und Max-Bahr-Märkten nur etwa 180 eine Perspektive hätten, sagte Kruse, der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von Praktiker ist. Auch die Zentrale in Hamburg müsse wohl bei einer Reduzierung der Märkte mit Einschnitten rechnen, wenn sie überhaupt bestehenbleibe "und der Verkauf nicht an jemanden geht, der schon eine Zentrale hat". Insgesamt sind nach Konzern-Angaben bei den beiden Baumarktketten in Deutschland 12 000 Menschen beschäftigt, davon 6775 bei Max Bahr.

Mehr zum Thema
Nach Praktiker ist auch Tochter-Kette Max Bahr insolvent

Max Bahr galt als Perle von Praktiker - auch nach der Insolvenz des Mutterkonzerns. Doch nun wurde die gelbe Baumarktkette in den Sog der Krise gezogen. Die Manager des Hoffnungsträgers müssen ebenfalls den Gang zum Gericht antreten. Am Donnerstag kündigten sie an, Insolvenzantrag zu stellen.

Die Praktiker AG wollte zu möglichen Jobverlusten am Samstag nicht Stellung nehmen. "Kein Kommentar zu solchen Spekulationen", sagte Konzernsprecher Harald Günter auf Anfrage. Er verwies aber darauf, dass das Insolvenzverfahren auch dazu diene, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten und ein Investorenprogramm einzuleiten, das das Unternehmen voranbringe. Ein Sprecher der Insolvenzverwaltung sagte: "Zu Arbeitsplätzen können wir derzeit gar nichts sagen." Dazu müsse der Investorenprozess abgewartet werden. Die Gewerkschaft Verdi hatte am Freitag vor einer drohenden Zerschlagung des gesamten Konzerns gewarnt.

Erste Filial-Schließungen zeichnen sich ab

Unterdessen berichtete die "Wirtschaftswoche", dass sich erste Schließungen von Filialen abzeichneten. Es gehe um rund ein Dutzend Praktiker-Standorte, die kurz vor der Umstellung auf die Schwestermarke Max Bahr standen, hieß es in dem Bericht. Der Sprecher der Insolvenzverwaltung bestätigte am Samstag die Schließungen, betonte aber, dass damit keine endgültige Entscheidung über die Zukunft der betroffenen Standorte gefallen sei. Der Insolvenzantrag von Max Bahr sei bei einigen Filialen mitten in den Umflaggungsprozess von Praktiker- in Max-Bahr-Märkte gekommen. Da dieser Vorgang aber Investitionsmittel erfordere, sei er im Insolvenzverfahren erstmal gestoppt worden.

Zwei Wochen nach der Baumarktkette Praktiker hatte am Freitag auch deren Tochtergesellschaft Max Bahr in Hamburg Insolvenzanträge für mehrere Firmen eingereicht. Nach dem Rückzug eines Warenkreditversicherers sei die Versorgung der Max-Bahr-Märkte nicht mehr gesichert und es gebe keine positive Prognose für die Fortführung des Unternehmens, hatte Praktiker den Schritt begründet. Die 132 Märkte bleiben jedoch geöffnet und sollen ihren Geschäftsbetrieb stabilisieren. Max Bahr ist höherwertig positioniert als Praktiker und sollte in Deutschland zur Hauptvertriebslinie der Gruppe ausgebaut werden. (dpa/rtr/afp)



Kommentare
28.07.2013
22:18
Abbau von 4000 Jobs bei Praktiker-Konzern erwartet
von Andreas1203 | #4

Wo bleibt denn der Kommentar, dass die Regierung diese Unternehmen retten soll ? :D

28.07.2013
12:38
Abbau von 4000 Jobs bei Praktiker-Konzern erwartet
von DerSupertyp | #3

In einem Jahr 4000 Hartzer mehr, was solls?

Bitte um Wortmeldung Frau **********.

28.07.2013
06:48
Abbau von 4000 Jobs bei Praktiker-Konzern erwartet
von AuroraBorealis | #2

...und der merkelsche Aufschwung von cdu und fdp geht weiter voran!

27.07.2013
16:32
Abbau von 4000 Jobs bei Praktiker-Konzern erwartet
von trickflyer | #1

wann lese ich das mal über dortmund,essen,duisburg usw. usw.

Aus dem Ressort
Warum Buchhändler das Ende der Buchpreisbindung fürchten
Freihandel
Buchhändler machen mobil gegen das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA. Ihre Angst: Bei den Verhandlungen könnten die Europäer die deutsche Buchpreisbindung opfern. Aber sind die festen Preise überhaupt noch zeitgemäß - und was wäre, wenn die Preisbindung verschwände?
„Rote Karte gegen Tarifflucht“ bei Amazon in Rheinberg
Streik
Die Beschäftigten des Onlineversandhändlers Amazon wollen unbedingt einen Tarifvertrag abschließen. Die Haltung, dass das Unternehmen mit den Mitarbeitervertretern darüber nicht einmal reden wolle, müsse aufgebrochen werden. Man werde nicht locker lassen, kündigen DGB und Verdi an.
Arbeitslosenquote ist in Duisburg deutlich gefallen
Arbeitsmarkt
Im Oktober sank die Quote um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Damit liegt die Stadt an der Spitze im Ruhrgebiet. Insgesamt waren gut 30.500 Menschen in Duisburg arbeitslos gemeldet. Insbesondere bei der Jugendarbeitslosigkeit gibt es positive Entwicklungen.
Nahles startet in Bochum neues Portal für Haushaltshilfen
Haushalts-Börse
In vielen Haushalten arbeiten Putzhilfen, Gärtner oder Babysitter - häufig ohne bei den Behörden angemeldet zu sein. Die Schwarzarbeit im privaten Bereich will die Minijobzentrale jetzt mit einer neuen Online-Stellenbörse bekämpfen - undhat dafür ein digitales "Schwarzes Brett" entwickelt.
Sparprogramm gefährdet 1200 Jobs bei Chemie-Konzern Lanxess
Arbeitsmarkt
Die Mitarbeiter des Chemie-Unternehmens Lanxess sind besorgt. Es heißt, der Konzern will bis zu 1200 Stellen abbauen. Besonders stark betroffen von den Sparplänen sind demnach die Standorte Düsseldorf und Köln. Betriebsbedingte Kündigungen sind offenbar nicht ausgeschlossen.
Umfrage
Statt mit Aufkleber will Verkehrsminister Dobrindt die Pkw-Maut mit automatischer Nummernschild-Erkennung an den Autobahnen kontrollieren lassen. Was halten Sie davon?

Statt mit Aufkleber will Verkehrsminister Dobrindt die Pkw-Maut mit automatischer Nummernschild-Erkennung an den Autobahnen kontrollieren lassen. Was halten Sie davon?