460 Arbeitsplätze bei Energieversorger Enervie auf der Kippe

Hagen..  Beim Hagener Energieversorger Enervie droht ein massiver Stellenabbau. Nach den Vorstellungen der Unternehmensberatung Roland Berger stehen 460 Arbeitsplätze auf der Kippe. Derzeit sind 1260 Mitarbeiter bei dem Unternehmen beschäftigt.

Angesichts des „zu hohen Gehaltsniveaus“ müssten die Mitarbeiter der Enervie AG Opfer bringen, so die von den Banken eingesetzten Strategieberater Dr. Torsten Henzelmann und Dr. Thomas Knecht: Tarif-Nullrunden bis zum Jahr 2019 sowie ein weiterer Entgelt-Verzicht.

Grundsätzlich halten Henzelmann und Knecht den in schwere Turbulenzen geratenen Energieversorger für sanierungsfähig. Jetzt komme es darauf an, dass die Banken, das Unternehmen und die Anteilseigner einen gemeinsamen Weg finden. Der Rat der Stadt Hagen jedenfalls kam am Donnerstagabend in nicht-öffentlicher Sitzung überein, Enervie ein 30-Millionen-Darlehen zu gewähren - um den Energieversorger vor einer Planinsolvenz zu retten. In der kommenden Woche, so die Planungen, sollen die Anteilseigner Stadt Lüdenscheid und Remondis mit der selben Summe nachziehen.

Nach Meinung der beiden Strategieberater sind auch Managementfehler für die existenzbedrohende Liquiditätskrise verantwortlich. Viel zu lange habe die Unternehmensführung an der Erzeugungssparte festgehalten. Zugleich sei die Kundenbindung innerhalb der Region vernachlässigt worden.

Henzelmann und Knecht sehen eine Zukunft für Enervie, wenn das Unternehmen „konsequent“ auf die Blockheiztechnik setze. Erfolg versprechend sei ebenfalls eine Rolle als Service-Dienstleister für Kleinanlagen. Dagegen sollte sich Enervie von allen Erzeugungseinrichtungen trennen - außer Wasser-, Wind- und Photovoltaik-Technologie.

Enervie-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Thomas Majewski hat ­umgehend einen mit 40 Millionen Euro ausgestatteten Sozialplan gefordert.