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Tarifverhandlungen

4,3 Prozent mehr - NRW-Gewerkschaft will Tarif übernehmen

19.05.2012 | 08:33 Uhr
Ein Streik in der Metallbranche ist abgewendet: Arbeitgeber und Gewerkschaft haben sich auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt.Foto: dapd

Sindelfingen.  Spät in der Nacht haben sie Arbeitgeber und Gewerkschaften geeinigt: Die 3,6 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie bekommen deutlich mehr Geld. 4,3 Prozent sollen es werden. Beide Seiten erklärten sich mit dem Ergebnis zufrieden. Der NRW-Landesverband will den Tarif annehmen.

Mit einer Lohnerhöhung von 4,3 Prozent bekommen die 3,6 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie den kräftigsten Gehaltsaufschlag seit Jahren. Nach einem rund 14-stündigem Verhandlungsmarathon einigte sich die Gewerkschaft IG Metall mit den Arbeitgebern am frühen Samstagmorgen in Sindelfingen auf den neuen Tarifvertrag, der bundesweit übernommen werden soll. Der IG Metall-Vorsitzende Berthold Huber und Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser nannten den Kompromiss "fair" und "tragfähig".

Die IG Metall in Nordrhein-Westfalen will den Tarifabschluss aus Baden-Württemberg für die Metall- und Elektroindustrie in NRW übernehmen. Die Verhandlungen mit den Arbeitgebern darüber sollen am kommenden Donnerstag (24. Mai) in Bochum stattfinden, wie die Gewerkschaft am Samstag mitteilte. In Baden-Württemberg hatten sich die Metall-Tarifparteien am Samstagmorgen nach zähen Verhandlungen auf ein Lohnplus von 4,3 Prozent für die Beschäftigten sowie die unbefristete Übernahme von Ausgebildeten und mehr Mitsprache von Betriebsräten bei der Leiharbeit verständigt. Baden-Württemberg gilt traditionell als Pilotbezirk für die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie.

"Tarifverträge sind aber kein Wunschkonzert", sagte Huber. Beide Seiten seien von ihren Maximalforderungen abgerückt, der Abschluss sei beiden Tarifparteien nicht leicht gefallen. Mit der Reallohnsteigerung sei aber ein Streik in Branche abgewendet worden , unterstrich Kannegiesser. Beide Spitzenfunktionäre hatten zuletzt an dem Kompromiss mitgetüftelt. Die IG Metall hatte zu Beginn der seit Anfang März laufenden zähen Verhandlungen eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 6,5 Prozent gefordert, während die Arbeitgeber umgerechnet auf ein Jahr nur eine Entgelterhöhung von knapp 2,6 Prozent angeboten hatten . Mit einer Warnstreikwelle hatte die Gewerkschaft ihrer Forderung Nachdruck verliehen.

Mit dem nun unterzeichneten Vertrag, der bis Ende April 2013 läuft, bekommen die Betriebsräte künftig mehr Mitspracherechte beim Einsatz von Leiharbeitern, die in der gut ausgelasteten Branche in jüngster Zeit verstärkt eingestellt wurden. Die Arbeitgeber setzten aber durch, dass sie Leiharbeiter zwei Jahre ohne Einschränkungen im Betrieb einsetzen dürfen. Zudem sollen Lehrlinge künftig nach ihrer Ausbildung in der Regel einen unbefristeten Vertrag erhalten.

Die Tarifabschlüsse in der Metallbranche seit 2000

 

Lohnerhöhung kostet Betriebe wohl sieben Milliarden Euro

Nach überschlägiger Rechnung kostet die Aufstockung der Entgelte die Branche rund sieben Milliarden Euro. Erstmals steigen die Löhne und Gehälter im Mai an. Für April wurde ein "Nullmonat" ohne Erhöhung vereinbart. Die IG Metall empfahl den nach insgesamt 37-stündigen Verhandlungen in Baden-Württemberg erzielten Pilotabschluss allen Tarifbezirken der Branche in Deutschland zur Annahme. Auch die Arbeitgeber nahmen den Abschluss - mit Enthaltung des Verbands in Sachsen - bundesweit an. In Baden-Württemberg sind rund 800.000 Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie tätig. Ein Arbeitskampf hätte der exportabhängigen Branche, die zuletzt mit zum Teil goldenen Bilanzen aufwartete, voraussichtlich schwer zugesetzt . Das letzte Mal war im Südwesten vor zehn Jahren in der Metall- und Elektroindustrie gestreikt worden.

In den vergangenen Wochen war die Frage der Entgelterhöhung von den Tarifparteien ausgeklammert worden, zunächst sollten die besonders umstrittenen Themen Übernahme der Lehrlinge sowie Leiharbeiter beigelegt werden. Vom Grundsatz der unbefristeten Übernahme der Lehrlinge soll künftig nur bei akuten Beschäftigungsproblemen abgewichen werden dürfen. Den genauen Lehrlingsbedarf können die Unternehmen weitgehend in Eigenregie festlegen.

Nach zwei Jahren müssen Leiharbeiter übernommen werden

Beim Thema Leiharbeit einigten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft unter anderem auf freiwillige Betriebsvereinbarungen, die die Beschäftigung von Zeitarbeitnehmern regeln . Im Gegenzug dürfen die Unternehmen mehr Beschäftigten eine 40-Stunden-Woche abverlangen. Nach 18 Monaten Einsatz im Betrieb soll künftig die unbefristete Übernahme von Leiharbeitern geprüft werden, nach zwei Jahren wird die Übernahme Pflicht. (rtr)

Warnstreik in Dortmund

Metaller im Warnstreik



Kommentare
21.05.2012
21:38
4,3 Prozent mehr - NRW-Gewerkschaft will Tarif übernehmen
von rabarberkuchen | #19

Dem ist nichts hinzuzufügen.

21.05.2012
21:13
4,3 Prozent mehr - NRW-Gewerkschaft will Tarif übernehmen
von kuba4711 | #18

Ist ja sehr schön ,dass man die IG -Metall für die Zustände bezüglich des sog. Leiharbeitssystems kritisiert.
Ich bin intern ebenfalls ein großer Kritiker bezüglich der falschen Taktik zu versuchen ,mit diesen Sklavenhaltern etwa Tarif-Verträge abzuschließen.
Nicht immer ist etwas ,was gut gemeint war ,auch in der Auswirkung gut!
Die traurige Realität ist ,dass die IG -Metall im sog. Leiharbeits -System noch nicht ausreichend -organisatorisch -Fuß gefaßt hat!.
Es ist auch extrem schwer die betroffenen Kollegen zu organisieren.
Man kann nur versuchen über starke Betriebsräte den Häuserkampf -in Guerilla -Taktik - zu führen:
Nun sag ich was Unpopuläres:
Wenn man sieht wie die breite Arbeitnehmerschaft - in Zeitarbeit oder auch noch nicht darin - zum Beispiel wieder bei der NRW -Wahl abgestimmt hat bzw. zuhause geblieben ist ,dann muss ich feststellen ,dass das Flaschenbier offenbar noch nicht zu teuer ist!
Von nichts kommt nichts.
Man muss seinen Allerwertesten auch mal bewegen!

21.05.2012
14:34
Gratulation der Stammbelegschaft!
von bb1921 | #17

Die Leihsklaven haben davon nichts. Wie immer, kümmert sich die IGM um das Wohl der Stammbelegschaft. Die Vereinbarung, dass Leihsklaven nach 2 Jahren bei den Unternehmen fest eingestellt werden sollen, ist das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben steht. Hat die IGM ihr eigenes Schwarzbuch zur Leiharbeit nicht gelesen? Spätestens nach 1 Jahr und 11 Monaten wird der Leihsklave aus der Firma abgezogen und auf die Straße gesetzt, kleiner Anruf von Entleihfirma. Kündigungsschutz hin oder her. Gibt ja genug Arbeitslose. Wann fängen die priviligierten Stammbelegschaften endlich an, gegen die Subventionierung von Sklavenhändlern mit Hilfe ihrer Steuergelder massiv vorzugehen? Jetzt werden wieder für ein Jahr die Füße stillgehalten. Keine Perspektive für Leihsklaven, nirgends.

19.05.2012
20:37
4,3 Prozent mehr - sind nur ca.3,95 %
von bilar | #16

Durch den "Nullmonat April" sind es umgerechnet nur ca.3,95% an Erhöhung. Was auch noch OK ist. Alles andere (Leiharbeiter & Übernahme von Azubis) ist eine Frechheit.die gut verkauft werden soll. Entäuschung macht sich breit!!

19.05.2012
18:54
4,3 Prozent mehr - NRW-Gewerkschaft will Tarif übernehmen
von rabarberkuchen | #15

http://www.start-nrw.de/Navigation/Ueber_uns/Unternehmensorganisation/Gesellschafter.php?highmain=1&highsub=3&highsubsub=0

19.05.2012
18:31
4,3 Prozent mehr - NRW-Gewerkschaft will Tarif übernehmen
von TVtotal | #14

Die Ergebnisse unserer Untersuchung in der optischen Industrie Thüringens vom Frühjahr
2007 deuten auf verlängerte Verweildauern in den Einsatzbetrieben hin (Tab. 5). Nahezu die
Hälfte aller Leiharbeitskräfte blieb länger als zwölf Monate in einem Einsatzbetrieb, im
Durchschnitt betrug die Verweildauer 8 Monate.

Weiterhin wird dir arbeitsmarktpolitische Bilanz durch einen
Rückgang des Anteils derjenigen getrübt, die nach ihrem Leiharbeitseinsatz anderweitig beschäftigt
sind (von 32,6 auf 21,2%), während sowohl der Anteil derjenigen zunimmt, die nach
dem Leiharbeitseinsatz erwerbslos sind, als auch derer, die ein weiteres Leiharbeitsverhältnis
1 8 -
aufnehmen (Antoni/Jahn 2006: 4). Insgesamt sind die Befunde gemischt, auf jeden Fall lassen
sich die behaupteten „Klebeeffekte“ der Leiharbeit anhand dieser Zahlen nicht belegen.


http://www.soziologie.uni-jena.de/soziologie_multimedia/Downloads/LSDoerre/wpesj05_08-p-469.pdf

19.05.2012
16:49
4,3 Prozent mehr - NRW-Gewerkschaft will Tarif übernehmen
von festus04 | #13

Zu rabarberkuchen,
es würde mich schon einmal interessiren inwieweit der DGB an der Firma START-Zeitarbeit mitverdient. Vieleicht können sie mal dazu nähere Einzelheiten nennen.
Ich kann das gar nicht glauben, dass wäre eine riesige Sauer.... vom DGB.

19.05.2012
16:30
4,3 Prozent mehr - NRW-Gewerkschaft will Tarif übernehmen
von rabarberkuchen | #12

@ festus04
So lange wie der DGB über die Firma START-Zeitarbeit an der Sklaverei mitverdient.

19.05.2012
15:01
4,3 Prozent mehr - NRW-Gewerkschaft will Tarif übernehmen
von festus04 | #11

4,3% ist O.K. Übernahme der Azubis ist O.K. , aber 2Jahre einen Leiharbeitnehmer einstellen zu können, halte ich für den größten Witz, den sich da die IG Metall geleistet hat. Wir brauchen zwar die Gewerkschaften, da gibt es überhaupt keinen Zweifel, aber dass mit der Leiharbeit, tut mir Leid ist vera........ gegenüber den Mitgliedern. Ich frag mich, wir haben doch die Möglichkeit der Zweijährigen Befristung, und warum wird diese nicht zwingend durchgesetzt ???? Ich frag mich, wie lange wollen Gewerkschaften diesen Sklavenhandel der Leiharbeit noch unterstützen.????

1 Antwort
4,3 Prozent mehr - NRW-Gewerkschaft will Tarif übernehmen
von kuni75 | #11-1

da wird sich nix ändern,leider.......

19.05.2012
14:10
4,3 Prozent mehr - NRW-Gewerkschaft will Tarif übernehmen
von GermanRobinHood | #10

#Hey-Ruhr_Pott. Denk an die von Rot-Grün eingeführte kalte Progression. Da bleibt von den 130 € brutto nicht all zu viel übrig. Und wem die anständige Lohnerhöhung plus dem Kleingedruckten nicht passt, der soll sich doch selbsständig machen. Junge, Junge. Dann schwimmt man im Geld. Aber erst auf Knien zur Bank rutschen, um einen Kredit zu bekommen. Und schön Bitte-Bitte machen. Wie so ein räudiger Hund.

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