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16.000 Tengelmann-Beschäftigte bangen um ihre Zukunft

07.10.2014 | 18:20 Uhr
16.000 Tengelmann-Beschäftigte bangen um ihre Zukunft
Noch prangt groß der Tengelmann-Schriftzug an der Filiale in Mülheim. Nach dem Deal mit Edeka wird dort vielleicht bald ein blau-gelbes Logo zu sehen sein.Foto: Marc Albers / WAZ FotoPool

Mülheim.   Die Unternehmensgruppe Tengelmann steigt aus dem Supermarkt-Geschäft aus und verkauft die 451 Kaiser’s/Tengelmann-Filialen mit ihren 16 .000 Mitarbeitern an den Marktführer Edeka. Die Supermärkte schreiben nach Angaben von Konzernchef Karl-Erivan Haub seit 15 Jahren rote Zahlen.

Die Mülheimer Unternehmensgruppe Tengelmann steigt komplett aus dem Supermarkt-Geschäft aus. Die 451 Kaiser’s- und Tengelmann-Filialen mit knapp 16.000 Beschäftigten und 1,8 Milliarden Euro Umsatz will das Familienunternehmen zum 30. Juni 2015 an den Edeka-Verbund verkaufen. Das Bundeskartellamt kündigte gestern eine „intensive Prüfung“ an.

Die Nachricht schlug am Dienstag wie eine Bombe ein, als Aufsichtsrat und Belegschaft über den harten Schnitt informiert wurden. Vielerorts flossen Tränen. Bereits im Sommer hatte Tengelmann-Inhaber Karl-Erivan Haub angekündigt, das schwächelnde Supermarkt-Geschäft, das seit 15 Jahren rote Zahlen schrieb, auf den Prüfstand zu stellen. Eine Allianz mit einem Wettbewerber war die favorisierte Lösung.

Nur noch 0,6 Prozent Marktanteil

Doch es kam ganz anders. „Das Ergebnis der Analyse ist auf schmerzliche Weise eindeutig“, sagte Haub gestern. „Wir sehen leider keine Perspektive mehr, unsere Supermärkte aus eigener Kraft zu einem profitablen Unternehmen zu machen.“ Kaiser’s/Tengelmann sei mit einem Marktanteil von nur noch 0,6 Prozent zu klein, um auf dem hart umkämpften deutschen Lebensmittelmarkt mithalten zu können. Supermärkte, Discounter und SB-Warenhäuser liefern sich seit Jahren einen harten Wettbewerb um Preise und Standorte. Bereits im Sommer hatte Kaiser’s/Tengelmann angekündigt, 27 Filialen in NRW zu schließen – darunter in Mülheim, Essen und Bochum.

Kommentar
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Haub verhehlte am Dienstag nicht, dass der Verkauf des Supermarktgeschäfts „für meine Familie und mich persönlich sehr schwer“ sei. Es sei ein „äußerst trauriger und schmerzlicher Tag“.

Verhandlungen mit Edeka begannen im Sommer

Der mit Edeka geschlossene Vertrag sieht vor, dass neben den 451 Kaiser’s/Tengelmann-Filialen auch die Online-Tochter Tengelmann E-Stores mit Plus.de und GartenXXL.de, auch die eigene Fleisch- und Wurstwarenfabrik Birkenhof mit Werken in Viersen, Donauwörth und Perwenitz den Besitzer wechseln.

Seit dem Sommer hatte Haub mit Edeka verhandelt. Andere Interessenten – insbesondere aus dem Ausland – hatten sich nicht gefunden. Bereits 2007 hatte er den Discounter Plus an die Edeka-Tochter Netto verkauft. Seither hält die Tengelmann-Gruppe 15 Prozent an Netto.

Konzentration im Handel

Ob und wie der Supermarkt-Deal zustandekommen wird, werde das Kartellamt nicht vor März 2015 entscheiden, vermutet Haub. Kartellamtspräsident Andreas Mundt machte gestern deutlich, dass „schon die jetzige Konzentration ein Problem“ im Lebensmitteleinzelhandel sei. „Jede weitere Konzentration wirft schwierige wettbewerbsrechtliche Fragen auf.“ Natürlich werden wir das konkrete Vorhaben intensiv prüfen.“

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Die 16.000 Tengelmann-Mitarbeiter werden also noch eine Weile in Unsicherheit leben müssen. Edeka-Chef Markus Mosa stiftete gestern Zuversicht. Der Erwerb von Kaiser’s/Tengelmann ermögliche vielen Filialleitern, sich unter dem genossenschaftlichen Dach der Edeka selbstständig zu machen. Er wolle den Mitarbeitern eine Zukunftsperspektive bieten, so Mosa.

Vom Marktführer zum Ausverkauf

Mit einem Kolonialwarenladen begann 1867 der Aufstieg der Unternehmensgruppe Tengelmann. Unter der Ägide von Erivan Haub, dem Vater des heutigen Chefs des Familienunternehmens, stieg Tengelmann in den 70er-Jahren zum größten Lebensmittelfilialisten in Deutschland auf. Sein größter Coup war die Übernahme der Viersener Kaiser’s-Kaffee-Geschäft AG 1971. Ein Jahr später brachte Haub den Markendiscounter Plus an den Start und wagte sich ins Ausland, vor allem in die USA. Seit 1985 stieg Tengelmann auch ins Baumarkt-, Textil- und Drogeriegeschäft ein.

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Doch das schnelle Wachstum bekam dem Familienunternehmen nicht. Ende der 90er-Jahre stand es vor dem wirtschaftlichen Abgrund. Es folgten harte Einschnitte. Der Konzern schloss die eigene Süßwarenfabrik in Mülheim, trennte sich von den kd-Drogeriemärkten und verkaufte 2007 schließlich den Discounter Plus.

Tiefe Einschnitte

Das kriselnde Supermarktgeschäft von Kaiser’s/Tengelmann wurde ausgedünnt und auf die Regionen Bayern, Berlin und NRW begrenzt. „Wir haben es nicht geschafft, etwas Nachhaltiges aufzubauen“, begründete Karl-Erivan Haub gestern den Rückzug aus dem Lebensmittelgeschäft.

Im Konzern bleiben die Baumarktkette Obi, der Textildiscounter Kik und das Ein-Euro-Format Tedi. Tengelmann hält fünf Prozent am Online-Modehändler Zalando.

Frank Meßing

Kommentare
08.10.2014
09:33
16.000 Tengelmann-Beschäftigte bangen um ihre Zukunft
von Kettwichtich | #3

Solange man derart hochpreisig versucht die Kunden zu verarschen braucht man sich nicht wundern!
Da Edeka es seit einiger Zeit schafft dauerhaft...
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2014-10-07 18:20
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