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Elektronische Post : Vor 25 Jahren kam die erste E-Mail in Deutschland an

Wirtschaft, 03.08.2009, Daniel Freudenreich

Essen. Ein 08/15-Willkommensgruß aus den USA machte den Anfang: Vor 25 Jahren kam die erste elektronische Nachricht in Deutschland auf einem eigenen Mail-Server an. Der Text war ziemlich unspektakulär: Willkommen bei CSNET. Schön, dass Sie dabei sind.

In einem von Michael Roterts Aktenordnern vergilbte seit Jahren ein ganz besonderes Schriftstück. Es ist ein dürres Blatt Papier mit einem 08/15-Willkommensgruß aus den USA. Sinngemäß steht da: Willkommen bei CSNET. Schön, dass Sie dabei sind.

Foto: ddp

Ihrem unspektakulären Inhalt zum Trotz hat das Standard-Hallo dennoch Geschichte geschrieben – als erste E-Mail, die in Deutschland auf einem eigenen Server angekommen ist. Heute vor 25 Jahren, exakt um 10.14 Uhr, hat Roters die Botschaft in Karlsruhe empfangen. „Wir hätten damals nie damit gerechnet, welche Ausmaße die E-Mail annehmen würde”, sagt Rotert, der seinerzeit Leiter der Informatik-Rechnerabteilung an der Uni Karlsruhe war.

220 Milliarden E-Mails täglich

Längst ist die elektronische Post zu einem beispiellosen Siegeszug durchgestartet. Weltweit hieß es im vergangenen Jahr täglich 220 Milliarden Mal „Sie haben Post”. Dabei handelte es sich nur selten um poetische Ergüsse oder Meisterstücke aus Edelfeder-Produktion. 90 Prozent aller Mails waren so genannte Spam-Mails. Das sind von Nutzern ungefragt erhaltene Massen-Botschaften, die beispielsweise Herren jeden Alters weismachen wollen, dass sie nun aber ganz dringend Potenzpillen kaufen sollten.

Nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom verschicken heute rund 60 Prozent aller Deutschen elektronische Post. 88 Prozent der E-Mail-Nutzer sagen, ihre Lebensqualität habe sich durch die Mails verbessert. „E-Mails haben die Kommunikation schneller und einfacher gemacht – fast niemand möchte auf sie verzichten”, lobhudelte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer jüngst die elektronische Post.

Erste Versuche in den 70er-Jahren

Bis Meg Ryan und Tom Hanks in der TV-Romanze „E-Mail für dich” via PC-Gesäusel ihre Zuneigung füreinander entdecken durften, war es ein weiter Weg. Ihre ersten zarten Sendeversuche startete die Computer-Post in den USA bereits in den 70er-Jahren. Das Netz sei nur für US-Wissenschaftler zugänglich gewesen, erinnert sich der heute 59-jährige Rotert. „Es herrschte kalter Krieg und die USA hatten Angst vor Spionage”, erklärt er die Abschottung. Zu Beginn der 80er arbeiteten die Karlsruher Informatiker unter Internet-Pionier Werner Zorn zunächst an einem lokalen Netz und anschließend an einer Verbindung in die USA.

Die Adresse: rotert%germany@csnet-relay.csnet

1984 war es soweit. Nach den Staaten und Israel bekam die Bundesrepublik als drittes Land offiziell Zugang zum Computer-Netzwerk CSNET für Wissenschaftler – zu einer Zeit, als simple Länderendungen wie „de” für E-Mail-Adressen noch in weiter Ferne lagen. Entsprechend kryptisch liest sich Roterts Adresse. Die Post von Laura Breeden des CSNET Koordinierungs- und Informationszentrums in Boston ging an „rotert%germany@csnet-relay.csnet”.

Mit ihrem Mailserver „germany” legten die Karlsruher IT-Experten den Grundstein für die heute selbstverständliche elektronische Post. „Unser Rechner war etwas größer als eine Waschmaschine und kostete mehrere hunderttausend Mark”, sagt Rotert. Dafür leistete die Maschine in etwa das, was derzeit die allerschwächsten Ladenhüter bringen, die noch auf dem PC-Markt erhältlich sind.

50 Pfennig für ein Kilobyte

Anders als heute war das E-Mailen in der Computer-technischen Steinzeit noch ein exklusiver Spaß. Zu Beginn hätten einige Handvoll Forscher in Deutschland Botschaften in die Staaten verschickt, sagt Rotert. Die Post sei über seinen Server gegangen. Dabei mussten sich die Experten genau kalkulieren, wie viel Text sie durch die Leitungen jagen wollten – denn anders als heute war das Versenden eine teure Angelegenheit. „Ein Kilobyte kostete 50 Pfennig”, sagt Rotert. „Die monatlichen Rechnungen lagen zwischen 10 000 und 30 000 Mark.”

Nachdem Rotert seine historische Post bislang recht unsentimental aufbewahrte, bekommt sie nun höhere Weihen: Sie geht an das Stadtarchiv in Karlsruhe – Deutschlands selbsternannter Internet-Hauptstadt.

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