Steinbrück wird Aufsichtsrat bei Thyssen-Krupp
Essen. Dem Kuratoriums-Vorsitzenden der Krupp-Stiftung, Berthold Beitz, ist ein personeller Coup gelungen: Die Stiftung als größter Anteilseigner des Thyssen-Krupp-Konzerns will den ehemaligen Bundesfinanzminister Peer Steinbrück in den Aufsichtsrat entsenden.
Kommende Woche werde der Aufsichtsrat das neue Personaltableau der Anteilseigener für das Aufsichtsgremium benennen, teilte die Stiftung mit. Entscheiden über die Personalien muss die Hauptversammlung am 21. Januar.
Der Kuratoriumsvorsitzende der Krupp-Stiftung, Berthold Beitz. Foto: Matthias Graben
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Die Essener Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung hält gut 25,33 Prozent an der Thyssen-Krupp AG, die zu den größten 30 im deutschen Aktienindex notierten Unternehmen zählt. Die Stiftung entsendet drei Aufsichtsräte. Neben Steinbrück sind das wie bisher der Aufsichtsratschef Gerhard Cromme und Kersten von Schenk.
Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), die der Entsendung von drei statt der bei diesem Anteilsbesitz üblichen zwei Personen kritisch gegenüber steht, nannte die Berufung von Steinbrück „eine Super-Personalie”. Der Ex-SPD-Finanzminister sei eine „herausragende Persönlichkeit und ein ausgewiesener Finanzfachmann”. Hinzu kämen beste Kontakte, auch international.
Dem Vernehmen nach hat Beitz, Ehrenvorsitzender des Aufsichtsgremiums, die Personalie selbst eingefädelt. Beitz ziele seit eh und je darauf, Thyssen-Krupp breit aufzustellen. Das gilt offenbar auch politisch: Mit dem SPD-Politiker Steinbrück vertritt jetzt der ehemalige Ministerpräsident von NRW die Interessen des Großaktionärs im Aufsichtsrat, der derzeitige Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hat einen Sitz im Kuratorium der Stiftung. Beitz und Steinbrück kennen sich lange und gut, hieß es weiter.
Spektakulärer Wechsel
Steinbrück hatte nach der verheerenden Wahlniederlage vom 27. September seine Parteiämter niedergelegt, sein Bundestagsmandat aber behalten. In Berlin war seit längerem über einen Wechsel des diplomierten Volkswirts in die Wirtschaft spekuliert worden. Nach dem letzten Vergütungsbericht von Thyssen-Krupp verdienten gewöhnliche Aufsichtsratsmitglieder zwischen knapp 130 000 und knapp 230 000 Euro im Geschäftsjahr 2008/09. Als Finanzminister erhielt Steinbrück inklusive Aufwandsentschädigung knapp 158 000 Euro.
Die bisher vom Kuratorium entsandten Aufsichtsräte Ulrich Lehner (Ex-Henkel-Chef) und Jürgen Thumann (Ex-BDI-Präsident) könnten weiterhin auf der Liste der vorzuschlagenden Aufsichtsräte verbleiben, wurde spekuliert, nur eben nicht mehr auf Vorschlag des Kuratoriums. Zwei Aufsichträte, Heinz Kriwet und Martin Kohlhaussen, haben die Altersgrenze erreicht.
Spektakuläre Wechsel in die Wirtschaft vollzogen vor Steinbrück Ex-Kanzler Gerhard Schröder (Aufsichtsratschef Ostsee-Pipeline) oder Ex-Außenminister Joschka Fischer (Nabucco-Pipeline).















