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Multimedia : Seniorenhandy misst auch den Blutzucker

Wirtschaft, 27.08.2009, Daniel Freudenreich

Essen. Die Menschen werden nicht nur immer mobiler, sondern auch immer älter. Das eröffnet neue Marktchancen für die Entwickler und Verkäufer von Seniorenhandys. Einige Hersteller setzen auf Gesundheitsservice wie Blutzuckermessen oder Notrufe nach Stürzen.

Ein Prototypfür Seniorenhandys hat sich bis jetzt noch nicht durchgesetzt, auch wenn diese Telefone wegen des demografischen Wandels immer wichtiger werden.

„Der Markt ist gespalten”, sagt Dietrich Golke von der Senior Research Group der Technischen Universität in Berlin. Die Experten haben vor zwei Jahren zusammen mit dem Essener Aldi-Lieferanten Medion ein „Seniorenhandy” konzipiert. „Auf der einen Seite gibt es die Senioren, die sich nicht auskennen.” Für diese Gruppe müsse das Mobiltelefon hauptsächlich eine große Tastatur und einen großen Bildschirm haben, einen Alarmknopf, wenige Tasten für den Telefonspeicher und eine Möglichkeit, Kurzmitteilungen (SMS) zu versenden. Die zweite Gruppe kenne sich bereits mit Handys aus, und habe mehr Ansprüche an das Gerät. Praktisch könnten sie ein ganz „normales” Modell nehmen – wären da nicht die (zu) kleinen Tasten.

Noch ein Nischenmarkt

Bei Handys für Ältere handelt es sich um einen Nischenmarkt, der den Herstellern jedoch große Wachstumsraten ermöglicht. Der österreichische Spezialist für Seniorenhandys, Emporia, will in diesem Jahr 500 000 Geräte verkaufen. Für 2010 peilt Eigentümer Albert Fellner an, eine Million Mobiltelefone abzusetzen.

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Preise sind gesunken

Seniorenhandys sind seit Jahresbeginn im Schnitt um mehr als neun Prozent billiger geworden. Das ergab eine Preisanalyse des Online-Verbraucher-Portals www.guenstiger.de für gut 20 Telefone. Einzelne Modelle sind allerdings deutlich günstiger geworden: Das Secufone BX55 kostete im Januar noch fast 140 Euro, im Juli waren es etwas mehr als 80. Die Preise für das Doro HandleEasy 330gsm und das Hagenuk Fono3 sanken von rund 100 auf rund 80 Euro. Experten sprechen von einem „moderaten Preisverfall”.

Derzeit arbeitet Emporia an einem Handy mit Blutzuckermessgerät. Die mobile Kreuzung soll eine abschraubbare Plastikkugel bekommen, in der eine Nadel und chemisches Fotopapier zur Messung des Glukosespiegels untergebracht sind. „Die Daten werden automatisch verarbeitet und weitergeleitet”, sagte Emporia-Eigentümer Albert Fellner dieser Zeitung. „Bei Ausreißern der Werte nach oben oder unten werden automatisch Arzt, Rettung oder Angehörige verständigt.” Im nächsten Februar will Emporia das Gerät vorstellen.

Dietrich Golke von der Senior Research Group in Berlin ist skeptisch, ob sich diese Technik beim Verbraucher durchsetzt: „Es ist eben für einen medizinisch begrenzten Markt.” Fellner sieht das naturgemäß anders: Allein in Deutschland seien rund vier Millionen Menschen wegen Diabetes in Behandlung und europaweit 50 Millionen.

Sturzhandy geplant

Im ersten Quartal des nächsten Jahres will Emporia auch ein Sturzhandy auf den Markt bringen. Es soll erkennen, „ob das Handy von allein vom Tisch gefallen ist oder ob die Großmutter mit dem Handy in der Hand gestürzt ist”, sagt Fellner. Sollte ein Mensch hingefallen sein, werde automatisch ein Notruf abgesetzt.

Für Darius Khoschlessan, den Gründer des Seniorenhandy-Herstellers Fitage, vermischen sich die Grenzen zwischen einem normalen Mobiltelefon und einem Seniorenhandy immer mehr. „Seniorenhandys werden künftig auch Foto- und Videofunktion haben”, sagt der Erfinder des Big Easy I und III sowie des Handys „Katharina das Große”. Auch bei der Sprachsteuerung sehe er großes Potenzial.

Auf der anderen Seite werden die großen Hersteller Stück für Stück Funktionen einbauen, damit ältere Menschen auch ein herkömmliches Gerät nutzen können. Bislang halten sich die Schwergewichte der Branche wie Weltmarktführer Nokia mit einem expliziten Seniorenhandy allerdings zurück.

Konkurrenz aus Asien

„Der Markt ist für sie zu klein und damit nicht attraktiv genug”, glaubt Khoschlessan, der mit 500 000 verkauften Seniorenhandys je Jahr rechnet. „Würden sie einsteigen, würde das uns kleinere Hersteller in den Grundfesten erschüttern”, sagt der Fitage-Gründer.

Konkurrenz komme aber aus Fernost. „Einige asiatische Billigmodelle sind inzwischen auf dem Markt”, sagt Khoschlessan. Er spürt zunehmend Konkurrenzdruck. „Auch die älteren Kunden achten immer mehr auf den Preis.” Deshalb arbeitet Fitage nach eigenen Angaben derzeit an einem neuen Geschäftsmodell. Im Kern geht es um die Entwicklung von Produkten, die es älteren Menschen ermöglichen soll, noch lange zu Hause zu wohnen. „Ein intelligenter Gehstock, der erkennt, ob der Mensch gestürzt ist” – solche Dinge seien künftig denkbar, sagt Khoschlessan.

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