Integration ist das Ziel
Wir-Ihr-Denken muss aufhören
24.09.2009 | 15:55 Uhr 2009-09-24T15:55:00+0200
Essen. Was ist eigentlich Integration? Ist es das Maß, in dem es Migranten gelingt, in der deutschen Gesellschaft Fuß zu fassen? Ist es die gute Position, die sie auf dem Arbeitsmarkt erwerben? Oder sind es die Ehen und die sozialen Kontakte, die sie über die ethnischen Grenzen hinaus schließen?
Die Antwort ist immer die gleiche: Ja. Doch bevor die Mehrheit der rund 4,1 Millionen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in NRW von sich behaupten kann, integriert zu sein, muss noch viel geschehen.
„Die Arbeit, die wir heute leisten, hätte vor 30 Jahren stattfinden müssen. Wir betreiben nachholende Politik”, sagt Thomas Kufen, Integrationsbeauftragter des Landes NRW. Er weiß, dass sprachliche Defizite, überproportional hohe Arbeitslosigkeit und schlechte Wohnverhältnisse das Leben der meisten Menschen mit Zuwanderungsgeschichte bestimmen. Vor allem das der türkischen Bürger im Revier.
Denn die häufig beschworene Gesellschaft der Vielfalt, wird offensichtlich nicht von allen gewünscht. Dass es Menschen mit Migrationshintergrund bei der Wohnungssuche schwerer haben als ihre deutschen Mitbürger, erfährt der Planerladen e.V. in Dortmund schon seit Jahren. In einem Bericht heißt es: „Oft reicht schon ein ausländischer Akzent oder die Nennung eines ausländischen Namens am Telefon, um die Wohnungssuche rasch enden zu lassen.” Selbst wenn Migranten ein gutes Einkommen vorweisen könnten, gebildet seien und ,westlich' anmuteten, „finden sie nur sehr schwer Wohnungen gerade in den so genannten ,besseren' Stadtteilen, beispielsweise im Dortmunder Süden”. Daher sind sie häufig gezwungen, sich auf die traditionellen Einwandererquartiere im Dortmunder Norden zu beschränken. Von 54 000 Menschen dort hat jeder zweite ausländische Wurzeln, beinahe jeder dritte Erwachsene ist arbeitslos. Hier, wo schon ewig das Rotlichtmilieu etabliert ist; hier, wo Kinder am Rande des Straßenstrichs aufwachsen und Fixerbestecke auf Spielplätzen finden, hat auch die zwar Stadt den besonderen Förderbedarf erkannt. Doch was man 30 Jahre lang vernachlässigt hat, nämlich die Sprachkompetenz der zugewanderten Menschen zu verbessern und somit den Grundstein für einen Aufstieg zu legen, lässt sich nicht mal eben ungeschehen machen.
Als gelungenes Beispiel für Integrationsarbeit gilt auch unter Experten Duisburg. Die Industriestadt, die knapp 500 000 Einwohner zählt und in der jeder Dritte einen Migrationshintergrund hat, hat diese Aufgabe zur „Chefsache” erklärt. Das heißt genau was? Seit 2007 kümmert sich ein eigenständiges „Referat für Integration” um alle Belange, die Zuwanderer und Eingebürgerte betrifft. Chefin des Ganzen ist die Türkin Leyla Özmal. Die Sozialwissenschaftlerin leitet ein Team von elf Mitarbeitern. Außerdem gehört sie dem Verwaltungsvorstand an, ihre Stimme hat Gewicht.
Früher unter „Recht”
und „Soziales” abgehakt
,,Irgendwann", so Leyla Özmal zur Entstehungsgeschichte ihres Referats, „hat man hier erkannt, dass die Menschen in allen Lebensbereichen eine Rolle spielen und mit einbezogen werden müssen.” Bis dahin habe man Ausländerfragen unter „Recht” oder „Soziales” abgehandelt.
Das ist Vergangenheit. Wie auch der Duisburger Stadtteil Marxloh (50 Prozent Zuwandereranteil) zeigt. Hier haben Sozialarbeiter, Kirchen und Moscheevereine viel bewegt. Hier wurden das Wohnumfeld und die Häuser aufgewertet. „Hier sind sich Deutsche und Türken nicht mehr fremd.”, sagt Özmal. Immer wieder predigt sie, dass das „Wir-Ihr-Denken” aufhören müsse. „Migranten mit Defiziten gleichzusetzen ist falsch.” Und während Özmal eine Moschee grundsätzlich nicht als Zeichen gelungener Integration betrachtet, macht sie bei der Moschee in Marxloh eine Ausnahme. „Das ist eine offene Begegnungsstätte.” Deutsche und Türken gemeinsam beim Tee - normal.
Wenn der NRW-Integrationsbeauftragte Thomas Kufen sagen soll, was denn die größte Baustelle auf dem Weg zur Integration ist, fällt seine Antwort eindeutig aus: „Bildung, Bildung, Bildung”. Inzwischen habe die Politik anerkannt, dass Deutschland ein Einwanderungsland sei und das mache vieles einfacher. „Integration ist kein Selbstläufer. Wir müssen uns kümmern und fördern.”

20:51
Ihrem gestrigen Vortrag wies Frau Prof. Süßmuth (CDU) im Kleinen Prinz Duisburg daraufhin, dass sowohl im Christentum als auch im Islam der Fremde immer dem Schutz der einheimischen Bürger empfohlen wurde: Gastfreundschaft ist ein Teil unserer christlich-abendländischen Kultur.
Die Frage mag berechtigt sein, ob das auch noch nach 50 Jahren Regionalsozialismus im Ruhrgebiet gilt.
20:37
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19:15
Integration geschieht jeden Tag Millionenfach und wenn man einmal von Migranten absieht auch innerhalb unserer deutschen Bevölkerung. Unsere gesellschaftliche Integration fängt im Kindergarten an geht mit der Einschulung weiter bis weit in das Berufsleben hinein . Es gelingt uns durch soziales Anpassungsvermögen aber auch durch lernen aus Fehlern . Also dürfte es bei gutem Willen beider Seiten nicht schwer sein Integration zu leben . In einem Punkt ist aber Herr Kufen entgegenzuhalten das Integrationshilfe schon vor weit über dreizig Jahren angeboten wurde, insbesonders Sprachkurse Deutsch für Türken. Diese wurden aber leider nicht genutzt weil viele Türken , damals als Gastarbeiter von Deutschland angeworben , nur einige Jahre bei uns arbeiten wollten.