Gesundheit
Vorwurf: Ärzte erpressen Krankenkassen
23.01.2009 | 14:18 Uhr 2009-01-23T14:18:00+0100
Die Gesundheitsreform setzt offenbar Anreize für Korruption. Ärzte würden zu schmieren versucht, damit sie ihre Patienten so krank wie möglich schreiben, behauptet die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV).
Essen. Je mehr schwer und chronisch Kranke eine Kasse hat, desto mehr Geld erhält sie aus dem neuen Gesundheitsfonds. Umgekehrt wird Ärzten vorgeworfen, die Kassen zu erpressen.
So erhalten die bayerischen Hausärzte für entsprechende „Gegenleistungen” Extrahonorare von der AOK, wie das ARD-Magazin Panorama berichtet. „Für das Entgegenkommen der AOK” sollen die Ärzte „eine entsprechende Codierung bei AOK-Patienten vornehmen”, bittet ihr Verbandschef Wolfgang Hoppenthaller in einem internen Schreiben, das der WAZ vorliegt. Jeder Patient, der zusätzlich als Chroniker „identifiziert” wird, bringt 26 Euro.
Hoppenthaller droht zudem Ersatz- und Betriebskassen damit, deren Versicherte nur noch im Notfall zu behandeln, wenn sie den für die Hausärzte lukrativen Vertrag nicht unterzeichnen. „Eine Schweinerei” nennt das Leonard Hansen, Chef der KV Nordrhein. „So tief sind wir gesunken, in der Schmuddelecke der Berufs- und Verbandspolitik.”
Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert Hoppenthaller zum Rücktritt auf. „Er erpresst die Kassen und nimmt die Patienten in Geiselhaft”, sagte er der WAZ.
Doch die lukrativen Chroniker-Befunde lassen laut KBV auch die Kassen aktiv werden. „Kassenvertreter versuchen, Ärzte zu ködern, um Diagnosen zu korrigieren”, so KBV-Chef Andreas Köhler auf Bild online. Viele Ärzte erhielten entsprechende Besuche von Kassenvertretern.
Einen Bestechungsversuch kennt auch die KV Nordrhein. Die von einer niedersächsischen Kasse angeschriebene Ärztin habe aber abgelehnt. Hansen warnt: „Wenn sich die Kassen ein Wettrennen um die besten Codierungen liefern, dann Gutenacht, Deutschland.”

12:57
Warum heißt der Titel Ärzte erpressen Krankenkassen und nicht Krankenkassen erpressen Ärzte, wie im Artikel beschrieben wird???? Schlechter Journalismus würde ich sagen, aber leider typisch für die Region!
12:53
Warum gibt es eigentlich eine Vielzahl von Kassen, die per Gesetz auch noch verpflichtet sind, den gleichen Leistungsinhalt anzubieten. Und dann gehen diese Kassen daher und kontakarieren den Grundgedanken, ein wirtschaflicheres Krankassensystem zu schaffen. Die Politik muss dafür Sorge tragen, dass es nur noch eine große Staatskrankenkasse gibt um solche Wildwüchse zu verhindern. Nebenbei spart man eine Menge an Kassenvorständen und parallelen Verwaltungsvorgängen ein, die alle nur unnötig Geld kosten.
19:27
Es ist doch immer wieder interessant zu lesen, wer sich wirklich an diesem Gesundheitssystem bereichert. Aber am Ende reden die Politiker und Interessenvertreter der beteiligten Organisationen wieder vom verschwenderischen Patienten, der die verschriebenen Tabletten hortet oder sich auf andere Art und Weise Leistungen des Systems erschleicht.
Schuld ist immer der Normalbürger.
Willkommen in der Bananenrepublik Deutschland.
M.f.G.
Klaus Lux