Interview
Umweltbundesamt-Chef verteidigt das Glühbirnen-Aus
08.09.2009 | 14:56 Uhr 2009-09-08T14:56:00+0200
Essen. Der neue Chef des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, spricht im Interview über Lampen und Versäumnisse bei der CO2-Reduktion: Man hätte die Autoindustrie vor zehn Jahren zu mehr Klimaschutz zwingen müssen. Eine Erhöhung der Ökosteuer sei möglich - wenn es an anderer Stelle Entlastung gibt.
Herr Flasbarth, Sie haben gleich zu Beginn Ihrer Amtszeit Schlagzeilen gemacht: Benzinpreis rauf, Pendlerpauschale abschaffen, Tempolimit. Mit solchen Forderungen macht man sich keine Freunde, oder?
Jürgen Flasbarth: Es gibt ein paar Themen, die hierzulande einen Pawlow'schen Reflex auslösen. Man kann bei bestimmten Dingen überhaupt nicht mehr differenziert argumentieren, ohne dass Aussagen direkt zugespitzt werden. Das ärgert mich.
Was wollten Sie denn sagen?
Flasbarth: Dass ich Spielraum für eine weitere Erhöhung der Ökosteuer sehe. Eine solche Maßnahme aber muss Teil einer ökologischen Finanzreform sein, die nicht zu zusätzlichen Belastungen der Bevölkerung führt. Vor zehn Jahren gehörte ich auch zu denen, die einen Benzinpreis von fünf Mark forderten. Das war falsch. Heute weiß ich, dass eine solche Einzelmaßnahme gesellschaftlich nicht durchsetzbar ist, weil sie tendenziell unsozial ist und ein hohes Eskalationspotenzial hat.
Das Glühbirnen-Verbot aber regt die Menschen doch gleichermaßen auf. Soll Politik Umweltschutz im Zweifelsfall verordnen, wenn gutes Zureden nicht hilft?
Flasbarth: Wenn wir vor zehn Jahren zum Ordnungsrecht gegriffen hätten und die Autoindustrie zu mehr Klimaschutz und Spritsparen gezwungen hätten, dann wären wir heute sehr viel weiter. Dennoch gibt es Bereiche, in denen sich die Menschen nicht vom Staat bevormunden lassen wollen. Wenn man etwa das Freizeitverhalten der Bürger per Zwang vorschreiben will, dann geht das schief. Bei der Glühbirne liegt der Fall aber anders.
"Wir haben einen atemberaubenden Energieverbrauch durch Beleuchtung"
Nämlich?
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Flasbarth: Man kann mir nicht ernsthaft erzählen, dieses Land würde entromantisiert, nur weil Energiesparlampen ein anderes Licht geben. Wir haben einen atemberaubenden Energieverbrauch durch die Beleuchtung in Europa, und dieses Problem muss man angehen. In einem Jahr spricht keiner mehr über das vermeintlich kalte Licht einer Energiesparlampe…
… wohl aber über das Quecksilber, das in den umweltfreundlichen Lampen steckt.
Flasbarth: Das ist in der Tat ein Problem, das schnell gelöst werden muss. Der Staat muss sicherstellen, dass die Lampen sachgemäß entsorgt werden. Hier sehe ich auch die Händler in der Pflicht. Sie müssen die Energiesparlampen in ihren Läden zurücknehmen. Tun sie das nicht freiwillig, muss der Staat handeln. Wenn wir eine hohe Rücklaufquote wollen, können wir nicht allein darauf vertrauen, dass Verbraucher womöglich kilometerweit zur Wertstoffsammelstelle fährt, um die Lampen zu entsorgen.
"Wir brauchen einen massiven Ausbau des Verkehrssystems Schiene"
Sie nennen den Verkehr als eines Ihrer Hauptthemen. Was haben Sie vor?
Flasbarth: Wir brauchen einen massiven Ausbau des Verkehrssystems Schiene. Heute ist es so, dass sich der Güterverkehr hinter dem schnellen Personenverkehr anstellen muss und deshalb für die verladende Wirtschaft häufig nicht attraktiv ist. Wir brauchen eine ausgeweitete Schieneninfrastruktur, vielleicht auch parallele Strecken. Das wird natürlich für einiges Zähneklappern sorgen, weil zusätzliche Strecken natürlich auch mehr Landschaftsverbrauch bedeuten. Wir müssen aber auch über andere Maßnahmen nachdenken – etwa, die Lkw-Maut von den Autobahnen auf alle Bundesfernstraßen auszuweiten. Es gibt ja schon heute den Ausweichverkehr, der zu massiven Belastungen in ortsnahen Lagen führt.
Die Abwrackprämie ist ausgelaufen. Brauchen wir nun eine neue - etwa für die Entsorgung Strom fressender Kühlschränke oder alter Heizkessel?
Jochen Flasbarth (47), der neue Präsident des Umweltbundesamtes, ist ein Kind des Ruhrgebiets: Er wuchs in Duisburg-Rheinhausen auf und erlebte dort Ende der 80er-Jahre Arbeitsplatzabbau und Protest der Stahlarbeiter mit.
Flasbarth studierte in Münster und Bonn Volkswirtschaft, Politikwissenschaft und Philosophie. Seit Mitte der 80er-Jahre war er in verschiedenen Umweltorganisationen tätig.
Flasbarth war elf Jahre lang Präsident des Deutschen Naturschutzbundes (Nabu). 2003 holte ihn der damalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin als Abteilungsleiter Naturschutz und nachhaltige Naturnutzung ins Ministerium.
Das Umweltbundesamt ist die zentrale Umweltbehörde des Bundes. Es unterstützt die Bundesregierung, stellt Daten bereit und informiert die Öffentlichkeit.
Flasbarth: Die Zeit großer wirtschaftlicher Stützmaßnahmen ist vorbei. Wir müssen jetzt die staatlichen Haushalte wieder in Ordnung bringen. Aber wir müssen die Umweltstandards weiterentwickeln. Die ökologische Erneuerung der Wirtschaft hat ein großes Potenzial. Wir müssen es schaffen, auch in traditionellen Industriebereichen mehr Energie und natürliche Ressourcen zu sparen.
Können Sie konkrete Beispiele nennen?
Flasbarth: Die Bundesregierung hat bereits Stahlwerke gefördert, die eine Energie schonende Produktionstechnik eingeführt haben. Oder Kunststoffhersteller, die ihren Lösungsmittelverbrauch gesenkt haben, indem sie ihre Herstellungsverfahren umgestellt haben. Das sind alles Techni-ken, die weltweit händeringend gesucht werden und in denen deshalb eine Menge Zukunftspotenzial steckt. Im Gegensatz zur Energieeffizienz ist in den Köpfen der Verantwortlichen aber noch nicht angekommen, dass wir auch mit natürlichen Ressourcen effizienter umgehen müssen.
Große Chancen für Nordrhein-Westfalen
Wie könnte so etwas aussehen?
Flasbarth: Kürzlich las ich einen interessanten Bericht über einen Unternehmer, der Chemikalien verleiht. Firmen kaufen keine Chemikalien mehr, sondern zahlen nur noch für eine Dienstleistung, beispielsweise die Entfettung. Mit dem Nutzen, dass Chemikalien gespart werden. Und damit auch wichtige Rohstoffe.
Welche Chance hat NRW?
Flasbarth: Ich bin in Duisburg-Rheinhausen aufgewachsen und habe miterlebt, wie das Stahlwerk und andere Betriebe geschlossen wurden. Als ich sah, wie viele Arbeitsplätze verloren gingen, wurde mir wirklich bange um die Region. NRW aber hat trotz des enormen Strukturwandels bewiesen, dass es ein Industriestandort geblieben ist. Die Entwicklung Ressourcen sparender Technologien kann ein entschiedener Wettbewerbsvorteil sein. Eine Region mit einer solch langen Tradition in der Kohletechnologie wäre mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn sie nicht versuchen würde, bei der Entwicklung CO2-mindernder Technologien vorne mitzumischen.

14:49
Wieder mal typisch deutsches Gememme. Hier wird so getan, als wäre es eine humanitäre Katastrophe, dass man nicht mehr die unzuverlässigen alten Stromfresser kaufen kann.
Solange die Deutschen solche Sorgen haben...
01:37
Also, ich möchte mich ja nicht einreihen in die Riege derer, die alle Umweltschutzmaßnahmen gleich als Bevormundung abtun, aber was die Glühbirnen angeht, habe ich schon das Gefühl, dass wir heftig vera... werden. Ich habe ja auch als grün angehauchter Gutmensch schon meine freiwilligen Erfahrungen mit Energiesparlampen gemacht und das Ergebnis war schon enttäuschend. Geht man nur kurz in einen Raum, um etwas zu holen, ist es frühestens hell, wenn man wieder draußen ist. Daher war ich fast froh, dass die Lampen nach kurzer Zeit schon defekt waren und ich wieder normale Glühlampen einschrauben konnte. Von einer längeren Lebensdauer habe ich nichts gemerkt.
Ich vermute, dass der technische Fortschritt in nächster Zet noch ganz andere Alternativen bietet. Bis dahin will man dann aber noch mit den teuren Energiesparlampen abkassieren.
01:27
Warum muss eigentlich so ein Heini übernommen werden, wenn ihn Trittin verursacht hat?
Und der trägt tatsächlich nicht dazu bei, Vorurteile gegen merkwürdige Bartträger zu entkräften ..
23:34
Wieder so ein bärtiger Dummschwätzer im selbst verwirklichen Wahnsinnsrausch! Sondermüll, schnellstens entsorgen!!!
19:53
Derartige Bevormundungen der Bürger gehören verboten. Der Bürger kann selbst entscheiden was er kauft.
16:32
Dieser Mensch, der von Steuergeldern (sehr) gut lebt, und der, von seinen Gönnern noch mehr Ab- und Ausgaben fordert, der gehört sofortens entlassen...
Und. außerdem, wer Zeit hat, sich solchen Schwachsinn auszudenken, der ist in seinem amt absolut fehl am Platze...
15:49
Zu ästhetischen Fragen sollten alle Umweltfuzzis wirklich schweigen, Was haben die Deutschland hässlich gemacht. Das sind ja nicht nur die Windräder.
Der Höhepunkt ist die neue städtische Gestaltung. Wo frühere Generationen einen schönen Baum, einen Brunnen oder eine Statue platzierten, haben wir nun Flaschen- oder Papiercontainer mit dem entsprechenden Dreck drum herum. Wer dafür gesorgt hat, kann wohl kein ästhetisches Urteil über irgendetwas, auch nicht über diverse LIchtquellen abgeben.
14:09
Meine Güte nee - ist dieser Flasbarth ein Schwätzer!
Und solche Leute maßen sich an, über Andere und deren Verhalten zu urteilen!
Völlig dekadent!
13:48
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13:47
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