Kolumne
Rückspiegel: Nobody Killed the Electric Car
02.10.2009 | 15:23 Uhr 2009-10-02T15:23:00+0200Essen. "Wo bleibt das Elektroauto?" fragte die ARD vorgestern im Untertitel ihres Nachklapps zur am Sonntag beendeten IAA, auf der das Batterieauto im Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung stand. Meine Antwort: Das Batterieauto fährt noch da, wo der Yeti wohnt: Ganz weit weg.
Die IAA ist‚ rum. „Ein Glück!“, möchte man ausrufen, zumindest angesichts der Tatsache, dass Skodas Maskottchen Yeti jetzt zurück in die tiefsten Tiefen des Himalaya gereist ist. Oder zumindest des Riesengebirges, wo sich hoffentlich die nationale Tschechische Sagengestalt Rübezahl seiner annimmt. Angesichts des erschreckend verzottelten Yetis kann man hoffen, dass es auf der nächsten IAA keine neuen Skodas unter dem Namen „Bigfoot“ oder „Moby Dick“ geben möge, die durch entsprechende Figuren zum Leben erweckt werden müssten. Geschweige den ein Yeti-Sondermodell Reinhold Messner.
Die IAA des allgegenwärtigen Elektroautos (das Bild zeigt das Septemberheft-Cover des Fraunhofer-Magazins "weiter.vorn" mit dem Titelthema "Mit dem Strom fahren") ist natürlich auch das geborene Umfeld für Verschwörungstheoretiker, die den dunklen Mächten der Industrie böse Machtkomplotte gegen alles Neue unterstellen. Am vergangenen Dienstag durfte im IAA-Nachgang so ein Team in der ARD ran. 45 Minuten lang wurde um 23 Uhr unter dem Titel "Strom im Tank" die Welt in Schwarz und Weiß geteilt.
"Who killed the Electric Car?"
Die Guten sind die kalifornischen Jungs von Tesla mit ihrem stromernden Roadster, Better Place mit ihrem Batteriewechselsystem für Elektroautos inklusive Sponsor Renault und natürlich Toyota mit seinen Hybriden. Die Bösen wahlweise Blöden sind natürlich alle deutschen Autobauer, vorneweg Volkswagen, und natürlich General Motors.
Die Schwarzen wollen nämlich ihre über hundert Jahre entwickelten Otto-Motoren nicht aufgeben. General Motors darf nie verziehen werden, dass man vor 15 Jahren das Elektroauto EV1 nicht in Serie gebaut hat, sondern die Prototypenflotte verschrottete. Das filmische Standardwerk, auch im Abspann von "Strom im Tank" gelistet, trägt als Titel die rhetorische Frage: "Who Killed the Electric Car?"
Kurz ist die Quintessenz der Verschwörungstheoretiker: In den meisten Konzernzentralen der Autowelt regieren die selben alten Männer, die vor Jahrzehnten den Wankelmotor sabotiert haben, den Stirling-Motor nicht wollen, fortschrittlich Patente aufkaufen und dann wegsperren, Umweltschutz nur vorgaukeln und fortschrittlich denkende Konkurrenten entweder übernehmen oder fertigmachen (Borgward).
Batterieauto auf absehbare Zeit zu teuer
Nichts von diesem ewig wiederholten Schwachsinn ist wahr. Auf den Markt kommt nur, was am Markt verkauft werden kann, was die Kunden bezahlen wollen, weil es sich für sie auszahlt. Das verbliebene Dutzend großer Auto-Hersteller belauert sich permanent. Und würde sich eine Chance ergeben, einen Vorteil auszuschlachten, dann würde es einer mit tödlicher Gewissheit tun. So wie es jetzt Renault versucht, in dem man zusammen mit Better Place viel auf eine Karte setzt, ohne zu wissen, ob sie sticht.
Solange aber eine mit einem Literchen Benzin vergleichbare Batteriespeicherkapazität 80 Kilogramm wiegt und 8000 Euro kostet, braucht man keine Verschwörung, damit das Elektroauto in der Nische versauert. Selbst, wenn der Strom verschenkt wird, ist ein Batterieauto auf absehbare Zeit zu teuer, zu schwer oder zu klein sowie zu unpraktisch, um sich massenhaft zu verkaufen. Der Kampf um die Zukunft des Autos wird nicht in Hinterzimmern entschieden, sondern gnadenlos auf der Straße des Erfolges ausgetragen. Alles andere ist Meinungs- und manchmal auch Geschäftemacherei.

16:11
Zu teuer? Nein sicher nicht. Die Asiaten werden günstige Elektroautos bauen. Da kann man nur hoffen das die deutschen Autohersteller aufhollen.
01:09
Tatsache ist: das Elektroauto will der Kunde und die Autokonzerne können es nicht liefern. Obwohl 100.000 Euro ist die Produktion von Tesla ausverkauft für 2009! Ein E-Auto wird nicht zum Kauf in D. angeboten und somit kann die Annahme der Kunde will dieses Fahrzeug nicht bezahlen nicht stimmen.
03:20
Naja, Ihr gnadenlos auf der Straße des Erfolges ausgetragener Antriebsdarwinismus gewinnt bestimmt an Fahrt, wenn das Benzin aus ausgesuchten Apotheken kommt.
Die Erzeugung von Strom kann mehr oder weniger schlau durch Ingenieurstätigkeit und Marktwirtschaft beeinflusst werden. Die Erzeugung fossiler Brennstoffe leider nicht.
Wer, ausser Landvolk, fährt überhaupt noch selber Auto? Ist das nicht total 90er?
00:58
Egal, ob Elektroauto oder ein anderes oder eine Kombinationen verschiedener Antriebssysteme, es muss Veränderungen geben, denn in spätestens 70 Jahren sollen ja bekanntlich die Erdöl- und Gasvorräte aufgebraucht sein.
Ferner könnte uns eine Konkurrenz anderer Antriebe ja nur recht sein, weil dadurch die Preise sinken werden.
19:34
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18:32
Ach was ... alles Quatsch. Warum immer nur dieses Schwarz-Weiß-Denken. 100% E-Auto, Vollhybrid, Mildhybrid, PlugIn-Hybrid, Bremsenergierückführung .... in all diesen Autos steckt auch ein E-Auto. Insofern ist diese komische Diskussion eine Totgeburt. Das E-Auto steckt in Vielem und ist nicht mehr aufzuhalten. Preiswerte Autos werden derzeit etwas weniger E-Auto drin haben, als Premiumautos oder halt den noch teuren E-Autos (in kleinen Auflagezahlen). So einfach ist das.
11:35
Von solchen Artikel können Erfinder und Entwickler ein Lied singen. Bring nichts, zu teuer ... sind die mildesten Kommentare.
Wer hätte z.B. gedacht, dass nach dem Versuch der Industrie 20 Jahre später Windkraftanlagen existeren, die ein Fläche von mehren Fussballfeldern übertreichen, mehrere MW Leistung haben und an der Schwelle der Wirtschaftlichkeit sind.
Ein bischen Verstellungskraft oder Technikeinschätzung ist aber sicherlich zuviel verlangt von einem Redakteur, der chemische Energie des Brennstoff mit der Ladekapazität eines Akkus vergleicht. Was kann der Akku für die Ineffizienz des Verbrenunngsmotor, so dass uns ein Liter Benzin lächerlich wenig vorkommt. Ein Elektromoped fährt mit der Energie eines Liter Benzins (wenn man schon einen Vergleich zwischen Benzin und Elektrizität macht) über 200 km!
Es geht um eine faire Chance, in einem Jahrzehnt zu demonstrieren, dass die Elektromobilität eine Zukunft hat. Das kostet Zeit und Geld. Die Industrie ist bereit zu investieren, die Politik läßt sich für 5Mrd€-Idee Abrackprämie feiern und große Teile der Bevölkerung sitzen auf dem Safa und unken dat gibt eh nichts.
10:12
Das Argument mit auf absehbare Zeit zu teuer, ist auch lustig :-) Da werden die jetzigen Preise für Battereien, die für die kleinen Testserien gelten einfach auf ewige Zeiten fortgeschrieben. Dabei wurde in dem Film ja der Hersteller der Black&Decker-Akkus interviewt, der plausibel dargelegt hat, dass die Akku-Preise dann fallen, wenn größere Serien produziert werden.
Wo ich zur Zeit tatsächlich noch ein Problem sehe ist, dass das Lithium zur Zeit fast aus nur einem Land, nämlich Bolivien, stammt und dort die zur Zeit einzig nennenswerte Abbaustätte existiert.
http://www.n-tv.de/wirtschaft/Bolivien-baut-Lithium-ab-article365882.html
Dementsprechend groß sind die Interessen der Konzerne an diesem Land. Da stört natürlich eine sozialistische Regierung. Auch vor diesem Hintergrund sollte man die Konflikte in Lateinamerika neu bewerten und zwar ohne Verschwörungstheorien, die von der konservativen Presse aufgebaut werden und darauf abzielen, Morales und Chavez zu diskreditieren:
http://www.faz.net/s/RubA24ECD630CAE40E483841DB7D16F4211/Doc~E8EE649669F9E4963A4929E90DDCA8535~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Man könnte in dieses Problemfeld auch noch Honduras mit einbeziehen. Denn auch hier war der gewählte Präsident unbequem und wurde weggeputscht.
Die eigentliche Gründe für solche Konflikte liegen aber tatsächlich in den Interessen der westlichen Welt an der Ausbeutung der Rohstoffe in diesen Ländern auf Kosten der dortigen Bevölkerung.
Interessant ist in dem Zusammenhang auch der Einsatz der Friedrich-Naumann-Stiftung (FDP), die sich für die Putsch-Generäle in Honduras einsetzen und gegen den demokratisch gewählten Präsidenten dort. Man kann schön sehen, wer sich hier verschwört mit welcher Interessenlage.
00:54
Im Mittelalter waren es Ketzer, heute sind es Verschwörungstheoretiker.
Wage nicht der Kirche oder den Konzernen und den willfährigen Medien zu widersprechen!
Du wirst verbrannt.
Kalifornien hat 1991 ein Gesetz erlassen das bis 1999 2% aller neu zugelassenen Fahrzeuge 0% Emmissionen haben müüsen.
GM hat gehandelt, den EV1 auf den Markt gebracht, und die Lobbyarbeit aufgenommen um das Gesetz zu kippen.
1996 wurden die EV1 ausgeliefert. Waren nur zu leasen, nicht zu kaufen.
2003 wurde das Gesetz gekippt, ein gewisser Herr Bush war da President,
soll angeblich von der Ölindustrie gesponsort gewesen sein.
GM stellt plötzlich fest das Projekt EV1 ist ein Verlustbringer, Gewährleistung nicht möglich.
Da waren die EV schon 7 Jahre alt. Hat hier jemand Gewährleistung auf ein 7 Jahre altes Auto ?
Die Besitzer wollten aber nicht, gemäß Leasingvertrag, die EV1 zurückgeben.
Die wollten die EV1 kaufen, zu jedem Preis.
Zur Reduzierung der Verluste hat GM darauf verzichtet die EV1 den Besitzern zu verkaufen
Und die Flotte verschrottet.
Ja, ja… Verschwörungstheorie. Herr Heidecke möchte mir bitte den Besitzer eines übrig gebliebenen EV1 zeigen.
Dann oute ich mich als Verschwörungstheoretiker.
17:17
Dem kann man nur zustimmen, der ganze Hype um das Elektroauto ist völlige Volksverdummung. Hier werden die Zahlen verschwiegen, die entsehen wenn der Akku schlapp macht, es werden die Kosten verschwiegen die eine flächendeckende Infrastruktur kosten würde. Wer eine Laternengarage sein Eigen nennt, legt dann abends die Verlängerungsschnur aus dem Fenster zum Auto oder schleppt die Akkus in die gute Stube. Hausverwaltungen werden jubeln wenn sie in Tiefgaragen Elektroanschlüsse legen müssen die mit dem Stromzähler der jeweiligen Wohnung des Mieters verbunden sind.
Aber einen Vorteil hat die Sache, weil die Autos ja in der Regel nachts geladen werden, wo bekanntlich die Sonne nicht sehr hoch am Himmel steht, braucht man dann eine Methode günstigen Strom zu erzeugen. Und was bietet sich da an? Richtig, das Atomkraftwerk. Endlich ein guter Grund es noch länger am Netz zu lassen.