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Gesellschaft : Versäumnisse bei der Integration rächen sich

Rhein-Ruhr, 25.09.2009, Silke Hoock

Essen. Die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund hat in NRW noch einen weiten Weg vor sich, aber nicht überall ist er gleich lang. In Duisburg immerhin werden Meilensteine gesetzt. Dort gibt es ein eigenes "Referat für Integration".

Was ist eigentlich unter Integration zu verstehen? Ist es das Maß, in dem es Migranten gelingt, in der deutschen Gesellschaft Fuß zu fassen? Ist es die gute Position, die sie auf dem Arbeitsmarkt erwerben? Oder sind es die Ehen und die sozialen Kontakte, die sie über die ethnischen Grenzen hinaus schließen? Die Antwort ist immer die gleiche: Ja. Doch bevor die Mehrheit der rund 4,1 Millionen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in NRW von sich behaupten kann, integriert zu sein, muss noch viel geschehen.

„Die Arbeit, die wir heute leisten, hätte vor 30 Jahren stattfinden müssen. Wir betreiben nachholende Politik”, sagt Thomas Kufen, Integrationsbeauftragter des Landes NRW. Er weiß, dass sprachliche Defizite, überproportional hohe Arbeitslosigkeit und schlechte Wohnverhältnisse das Leben der meisten Menschen mit Zuwanderungsgeschichte bestimmen. Vor allem das der türkischen Bürger im Revier.

Nachteile für Ausländer

Denn die häufig beschworene Gesellschaft der Vielfalt, wird offensichtlich nicht von allen gewünscht. Dass es Menschen mit Migrationshintergrund bei der Wohnungssuche schwerer haben als ihre deutschen Mitbürger, erfährt der Planerladen e.V. in Dortmund schon seit Jahren. In einem Bericht heißt es: „Oft reicht schon ein ausländischer Akzent oder die Nennung eines ausländischen Namens am Telefon, um die Wohnungssuche rasch enden zu lassen.” Selbst wenn Migranten ein gutes Einkommen vorweisen könnten, gebildet seien und ,westlich' anmuteten, „finden sie nur sehr schwer Wohnungen gerade in den so genannten ,besseren' Stadtteilen, beispielsweise im Dortmunder Süden”.

Daher sind sie häufig gezwungen, sich auf die traditionellen Einwandererquartiere im Dortmunder Norden zu beschränken. Von 54 000 Menschen dort hat jeder zweite ausländische Wurzeln, beinahe jeder dritte Erwachsene ist arbeitslos. Hier, wo schon ewig das Rotlichtmilieu etabliert ist; hier, wo Kinder am Rande des Straßenstrichs aufwachsen und Fixerbestecke auf Spielplätzen finden, hat auch die Stadt den besonderen Förderbedarf erkannt. Doch was man 30 Jahre lang vernachlässigt hat, nämlich die Sprachkompetenz der zugewanderten Menschen zu verbessern und somit den Grundstein für einen Aufstieg zu legen, lässt sich nicht mal eben ungeschehen machen.

Duisburg als Vorbild

Als gelungenes Beispiel für Integrationsarbeit gilt auch unter Experten Duisburg. Die Industriestadt, die knapp 500 000 Einwohner zählt und in der jeder Dritte einen Migrationshintergrund hat, hat diese Aufgabe zur „Chefsache” erklärt. Das heißt genau was? Seit 2007 kümmert sich ein eigenständiges „Referat für Integration” um alle Belange, die Zuwanderer und Eingebürgerte betrifft. Chefin des Ganzen ist die Türkin Leyla Özmal. Die Sozialwissenschaftlerin leitet ein Team von elf Mitarbeitern. Außerdem gehört sie dem Verwaltungsvorstand an, ihre Stimme hat Gewicht.

„Irgendwann”, so Leyla Özmal zur Entstehung ihres Referats, „hat man erkannt, dass die Menschen in allen Lebensbereichen eine Rolle spielen und einbezogen werden müssen.” Bis dahin habe man Ausländerfragen unter „Recht” oder „Soziales” abgehandelt.

Bildung als größte Baustelle

Das ist Vergangenheit. Wie auch der Duisburger Stadtteil Marxloh (50 Prozent Zuwandereranteil) zeigt. Hier haben Sozialarbeiter, Kirchen und Moscheevereine viel bewegt. Hier wurden Wohnumfeld und Häuser aufgewertet. „Hier sind sich Deutsche und Türken nicht mehr fremd”, sagt Özmal. Immer wieder predigt sie, „das ,Wir-Ihr-Denken' muss aufhören”. „Migranten mit Defiziten gleichzusetzen ist falsch.” Und während Özmal eine Moschee grundsätzlich nicht als Zeichen gelungener Integration betrachtet, macht sie bei der Moschee in Marxloh eine Ausnahme. „Das ist eine offene Begegnungsstätte.” Deutsche und Türken gemeinsam beim Tee – normal.

Wenn der NRW-Integrationsbeauftragte Thomas Kufen sagen soll, was denn die größte Baustelle auf dem Weg zur Integration ist, fällt seine Antwort eindeutig aus: „Bildung, Bildung, Bildung.” Inzwischen habe die Politik anerkannt, dass Deutschland ein Einwanderungsland sei und das mache vieles einfacher. „Integration ist kein Selbstläufer. Wir müssen uns kümmern und fördern.”

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Wesel, 24.09.2009, Susanne Storck

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