Islamabad beugt sich den...
Pakistan lässt die Scharia zu
16.02.2009 | 18:16 Uhr 2009-02-16T18:16:00+0100Bangkok. Islamabad kapituliert im Swat-Tal im Nordwesten Pakistans vor dem Druck von Islamisten. Die nordwestliche Provinzregierung unterzeichnete ein Abkommen, wonach das Scharia-Recht eingeführt wird. Im Gegenzug sollen Taliban-Kämpfer ihre Waffen niederlegen.
Ein Jahr lang versuchten Pakistans Militärs im Swat-Tal die radikalen Islamisten zu bekämpfen und hatten keinen Erfolg. Jetzt kapitulierte die Regierung das Landes und die Regierung von "North Western Frontier Province" (NWFP) vor dem Terror der Extremisten. Sufi Mohammed, Schwiegervater des Talibanführers Maulana Fazlullah in der malerischen Region nur 160 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, unterzeichnete einen Waffenstillstand und verpflichtete sich, die Gotteskrieger zu überreden, ihre Waffen niederzulegen. Pakistans Regierung akzeptierte außerdem, dass fortan in der Region Recht nur nach der islamischen Schariah gesprochen werden soll.
170 Schulen in der Region zerstört
Maulana Fazlullah, der wegen seiner radikalen Ansprachen über eine mobile Rundfunkstation auch Maulana Radio genannt wird, hatte während der vergangenen Monate 170 Schulen in der Region zerstört. Jeden morgen fanden Kaufleute auf dem Markt von Mingora, der größten Stadt der Region, die Leichen von geköpften Opfern der Extremisten. Sie betreiben mehrere Lager in dem Gebiet, von denen Mujaheddin in den Krieg gegen NATO-Truppen in Afghanistan ziehen. Außerdem beherbergte Fazlullah mehrmals prominente Mitglieder von El Kaida, darunter auch Hamsa bin Laden, den Sohn von Osama bin Laden.
Die Kehrtwende Islamabads kommt nach zweimonatigem Zögern von Präsident Asif Ali Zardari, dem Witwer der ermordeten Politikerin Benazir Bhutto und unter dem Druck der "Awami National League" (ANP), die in NWFP regiert. Viele Politiker der Gruppe, ursprünglich angetreten, die Extremisten zu besiegen, fürchten inzwischen um ihr Leben und hoffen, dank des fragwürdigen Deals wieder politisch agieren zu können. "Heute ist ein historischer Tag", erklärte NWFP-Chief Minister Ameer Haider Khan Hoti, "eine alte Forderung der Menschen ist erfüllt worden." Er verwies darauf, dass die Schariah-Gesetze bis zu den 70er Jahren in Swat gegolten hätten.
Tatsächlich aber dürfte die Vereinbarung, so sie denn in die Praxis umgesetzt werden, die radikalislamischen Kräfte am Indus ein gutes Stück voranbringen. Präsident Zardari hatte erst am Wochenende gewarnt, sie hätten ihre Basis entlang der Grenze zu Afghanistan längst verlassen, sich in den großen Städten des Landes festgesetzt und seien bereit, die Macht zu übernehmen.
Erstarkte Islamisten
Wie stark die Islamisten am Indus inzwischen geworden sind, zeigen auch Befürchtungen der pakistanischen Militärs. Auf die Frage, warum die Behörden nach den Terrorattentaten von Bombay in Indien nicht gegen Lager der verantwortlichen Gruppe Lashkar-e-Toiba in der Provinz Punjab durchgreifen würden, antwortete Armeesprecher Athar Abbas im Dezember der WAZ: "Wir müssen aufpassen, dass der Punjab nicht implodiert." Die bevölkerungsreichste Region entlang der Grenze zu Indien gilt als Rekrutierungsgebiet für die Extremisten. Viele Selbstmordattentäter, die in Afghanistan gefangen wurden, stammten aus dem Gebiet.
Das Swat-Tal war einst ein beliebtes Erholungsziel für pakistanische Stadtbewohner, dort befindet sich das einzige Skigebiet des Landes.
Im Herbst 2007 übernahmen Islamisten um den Geistlichen Maulana Fazlullah die Kontrolle über den Landstrich. Fazlullah, der enge Verbindungen zu den pakistanischen Taliban unterhält, wollte die Einführung der Scharia in der Region durchsetzen. Eine im vergangenen Sommer gestartete Offensive der pakistanische Armee im Swat-Tal blieb ohne durchschlagenden Erfolg.
Maulana Radio hatte handstreichartig die Kontrolle über das Swat-Tal erobert, nachdem Pakistans Militärs in der Hauptstadt Islamabad die von Extremisten beherrschte Rote Moschee gestürmt hatte. Hunderte von Gotteskriegern starben bei der Aktion. Offenbar gelang einigen zudem die Flucht ins Swat-Tal und sie wurden dort mit offenen Armen empfangen. Fazullahs Sprecher Khan erklärte im Vollgefühl des Waffenstillstands: "Wir wollen Schariah in der ganzen Welt".
Bis dahin ist zwar noch ein weiter Weg. Doch in Pakistan verbleibt nach dem Umfaller von Zardari und der NWFP-Regierung nur noch eine Gruppe, die ernsthaft gegen die Extremisten kämpft: "Die mafiöse "Muttahida Qaumi Bewegung" (MQM), die in der Hafenstadt Karachi während der vergangenen Jahre an Kraft gewonnen hat. Die Gruppe startete eine Kampagne zur Vertreibung der Paschtunen aus der Hafenstadt.
Schlecht ausgerüstet
Zardari stimmte der Waffenruhe im Swat-Tal offenbar auch zu, weil die Militärs nicht in der Lage sind, die Extremistenbewegungen zu bekämpfen, die entlang der Grenze zu Afghanistan an Stärke gewonnen haben. "Die Armee kämpft nicht", erklärte ein westlicher Militärexperte, "und sie ist schlecht für diese Art von Kampf ausgerüstet."
Allerdings zeigt die Erfahrung, dass Friedensvereinbarungen mit den Extremisten einem Pakt mit dem Teufel gleichkommen. Bis auf die Region Waziristan hatten sie irgendwo bestand. Die Talibanmilizen gingen gestärkt aus den Abkommen hervor. In Waziristan, wo auch die Führung von El Kaida vermutet wird, kämpfen inzwischen nur noch die USA gegen die Extremisten. Sie bombardieren mit unbemannten Drohnen vermutete Verstecke von Führern der Islamisten.

19:21
Oh Graus, wohin driftet unsere Welt ? Verbrecher unter dem Deckmäntelchen der Religion.
Wenn wir nicht aufpassen, kommt das bald alles zu uns rüber, die ersten Monumente werden gerade überall gesetzt.