Ecuador extrem...
Klimaschock am Chimborazo
16.02.2010 | 18:36 Uhr 2010-02-16T18:36:00+0100
Quito. Drei Stunden am Tag dröhnen die großen Generatoren der Bürohochhäuser in Quito, weil Wasser fehlt, das eigentlich die Turbinen zur Stromerzeugung antreiben sollte. Jeden Vormittag ist der Strom abgeschaltet. Dass Touristen dann nicht mal einen Kaffee bekommen, ist noch das geringste Problem.
Seit Monaten bleibt in Ecuador der Regen aus. Die Folgen bekommen die Landwirtschaft und die Energieerzeuger knallhart zu spüren. Als die Pegel fielen, verdorrte erst die Saat auf den Feldern, dann verdursteten die Kälber auf staubtrockenen Weiden. Täglich muss der Energieminister Ecuadors im Fernsehen sein Stoßgebet zum Himmel senden: „Wann regnet es endlich wieder?” Der globale Klimawandel trifft mal wieder ein bitterarmes Entwicklungsland am härtesten.
„Seit fünf Jahren ist der Rhythmus der Jahreszeiten völlig aus dem Lot geraten”, berichtet ein Vogelbeobachter aus dem Regenwald in Mindo. Touristisches Ziel sind hier seltene Vögel, Papageien und 120 verschiedene Colibriarten. „Wie lange noch hält dieses Naturparadies?” fragen sich die Einheimischen. Die Erwärmung zieht stets auch einen Artenverlust nach sich. „Früher war es so”, erzählt der Vogelbeobachter, „In der ersten Jahreshälfte war es trocken. Ab Juni begann die Regenzeit bis zum Jahresende.” Heute sei kein Verlass mehr auf die uralten Wetterregeln.
„Wasser ist Leben”
Die Folgen sind unübersehbar: Flussbette sind zu Rinnsalen geschrumpft. „Wasser ist Leben” steht in einem kleinen Hotel am Vulkan Cotopaxi (5900 m). „Verwenden Sie es sparsam.” Der weiß gekrönte symmetrische Vulkan, der vielleicht schönste Südamerikas, lockte tausende Besucher jährlich in den Nationalpark. Wer dort übernachtet, muss mit jedem Tropfen geizen, denn selbst an den Quellen fehlt das kostbare Nass.
Die Großstadt Quito mit über zwei Millionen Menschen und einem jährlichen Bevölkerungszuwachs von zehn Prozent deckt ihren immensen Wasserbedarf zu zwei Dritteln über das Gletscherwasser der umliegenden Vulkane. 30, 40, maximal 50 Jahre geben Wissenschaftler wie Luis Maisincho dem „ewigen Eis” der weißen Riesen noch, die bei schönem Wetter von der Hauptstadt Quito aus mit bloßem Auge zu erkennen sind. „Wie lange noch?” lautet die bange Frage, die keineswegs unbegründet ist, wie die Erfahrung aus anderen Anden-Regionen zeigt.
Der Gletscher des angeblich höchsten Skigebiets der Welt, das bolivianische Chacalataya (5200 m) bei La Paz, büßte in nur 13 Jahren bereits 90 Prozent seiner Eismasse ein. Dass der Prozess derart rapide galoppiert, verblüfft selbst Wissenschaftler, die schon länger warnend den Finger heben. Auch La Paz deckt seinen Wasserbedarf aus schmelzendem Gletschereis - noch.
Bergsteiger, die dem deutschen Cotopaxi-Erstbesteiger Reiß folgen, brauchen in diesen Tagen erst oberhalb von 5200 Höhenmetern die Steigeisen unterzuschnallen. Man kann förmlich zusehen, wie sich die Eisgrenze nach oben schiebt. Ein brauner Vulkan - und es gibt bereits völlig eis- und schneefreie 6000-er in den Anden - hätte sicher nicht mehr die Anziehungskraft.
Wenn Regen in Südamerika fällt, stürzt das Wasser heute gleich kübelweise, sintflutartig und mit zerstörerischer Kraft vom Himmel - wie zuletzt zu Jahresbeginn in Perus Touristenhochburg Machu Picchu. Hunderte Besucher mussten in tagelangen Rettungsflügen evakuiert werden, weil die einzige Verkehrsverbindung, die Eisenbahn, von den tosenden braunen Wassermassen fortgerissen worden war.
Gleichzeitig steigen in Südamerika die Temperaturen, was die Artenvielfalt verringert und die Krankheitsgefahr erhöht. In Kolumbien übertragen Mosquitos bereits die Malaria bis in eine Höhe von 2200 Höhenmetern, wo bislang die 1300-Meter-Marke als sicher galt. Das tropische Dengue-Fieber bedroht der Menschen in immer mehr Gebieten.
Keine Region, die im klimatisch zerbrechlichen Ecuador vom Wandel ausgenommen ist. Küstenregionen entvölkern sich, weil's zu trocken ist.
Amazonasland versteppt
Zu versteppen drohen die einstigen Regenwälder Amazoniens. Abgeholzte Gebiete sind die Wüsten von morgen, warnen Wissenschaftler. Wüstenhaft sind schon jetzt die Randgebiete der rasant wachsenden Metropole Quito. Der tägliche Verkehrskollaps hat die Luftverschmutzung ins Unerträgliche gesteigert.
Der höchste Berg des Landes, der 6300 Meter hohe Vulkan Chimborazo, der vom deutschen Naturforscher Alexander von Humboldt bis in eisige Höhen erstbestiegen wurde, gilt derzeit aufgrund von blank poliertem Eis als unbesteigbar. Während Expeditionen diese Gefahr realisieren und umkehren, scheint beim Klimawandel die Umkehr bereits zu spät, obwohl immer mehr Menschen die Zusammenhänge erkennen.
INFOBOX
Ecuador ist eine Republik im Nordwesten Südamerikas zwischen Kolumbien und Peru. Das Land hat 14 Millionen Einwohner.
Die im Andenhochland auf 2850 m gelegene Hauptstadt heißt Quito, wächst rasant und zählt zurzeit über zwei Millionen Einwohner.
Das Land ist nach der Äquatorlinie benannt, die durch das Staatsgebiet verläuft, wobei sich der Großteil desselben in der südlichen Hemisphäre befindet.
Touristisch attraktiv ist das Andenland, weil auf engem Raum praktisch alle Klima- und Vegetationsstufen vorherrschen: vom Pazifik über den Regenwald ins Hochland, wo es eine Reihe von 6000 Meter hohen und aktiven Vulkanen gibt und auf der anderen Seite über das Amazonas-Hochland hinab bis in den Dschungel.
Ecuador wird täglich von Mitteleuropa aus angeflogen. Die Flugpreise der Fluggesellschaften Iberia oder KLM liegen mit knapp 1400 Euro pro Person recht hoch. Iberia kooperiert und tauscht Flüge mit der chilenischen Fluggesellschaft LAN.
Bei beiden Gesellschaften kommt es leider immer wieder zu Verspätungen, verpassten Anschlussflügen, verlorenem Gepäck, verbunden mit schlechtem Service. (GN)

02:14
Naja, guter Artikel, bis auf die Reiseinformationen. Ecuador kann man auch super ueber die USA erreichen, bspw. fliegen Delta, Continental und Amercian Quito und Guayaquil an. Dazu kommt noch die ecuadorianischen Verbindungen in die Grossstaedte der USA, Miami, New York..
Leider ist der Artikel etwas veraltet, da es seit ueber 3 Wochen bereits wieder bestaendigen Strom gibt. Vorher waren es seit Weihnachten auch nur 2 Stunden in Quito.
Des weiteren sollte man beachten, dass einige hydrothermische Anlagen in Ecuador generalueberholt bzw ausgebaut werden. Jenes hat sich selbstverstaendlich auch in der Stromproduktion niedergespiegelt. Seit mehr als 4 Wochen regelt aber das Werk Paute wieder bestaendig Strom. siehe hierzu: www.eeq.com.ec mit aktuellen Grafiken
09:34
Interessanter Artikel. In Bezug auf die Verspätungen der LAN und Iberia muss man der vollständigkeitshalber erwähnen, dass diese in den letzten Wochen mehrheitlich den Wetterverhältnissen zuzuordnen sind. Der Madrider Flughafen ( Drehkreuz der beiden Gesellschaften) ist dem Schennechaos nicht gewachsen (noch nicht). Daher kommt es zu den oben genannten Verspätungen.