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Kaum noch Leben im zweiten Leben

12.05.2009 | 12:52 Uhr
Kaum noch Leben im zweiten Leben

Essen. Die virtuelle Welt galt einmal als DAS Ding im Internet. Mittlerweile ist die Luft allerdings weitgehend raus: Große Firmen haben sich aus Second Life zurückgezogen. Nun sollen - was sonst - Erotik-Angebote neuen Schwung in den digitalen Alltag bringen .

Eine Welt war nicht genug. Vor zwei Jahren boomten sogenannte „alternative Realitäten” im Internet – allen voran „Second Life”. Mittlerweile allerdings heißt es immer öfter: Kein Leben mehr im zweiten Leben. „Der Hype ist vorbei”, bestätigt nicht nur Kommunikationsdesigner und Second-Life-Experte Alvar Freude. Mit Erotik soll er neu entfacht werden.

Was gab es nicht alles in der virtuellen Welt. Adidas bot Turnschuhe an, Mercedes Probefahrten. Und auch die gute alte Post eröffnete eine Dependance. Weil sie da sein wollten, wo angeblich die Kunden waren. Keine echten Menschen natürlich, sondern ihre Avatare - grafische Verkörperungen echter Personen in der virtuellen Welt.

Ernüchterung macht sich breit

Doch schnell machte sich Ernüchterung breit. Nicht nur, weil das System technisch instabil war. Vor allem auch, weil viele Bereiche der riesigen Online-Welt den Besiedlungsgrad der Wüste Gobi aufwiesen. Denn im Schnitt waren von den Millionen registrierter User stets nur ein paar zehntausend gleichzeitig online. Das hat sich bis heute nicht geändert.

Deshalb haben sich die meisten großen Unternehmen mittlerweile wieder aus „Second Life” zurückgezogen. Von Niederlage oder Fehleinschätzung will dennoch keiner sprechen. „Wir haben alle Ziele erreicht”, beteuert etwa Achim Gahr, Sprecher der Post, die längst alle Schalter im Online-Universum geschlossen hat. Das sagen alle. Hinter vorgehaltener Hand sagen sie aber auch: „Es war einfach nichts los.” Jedenfalls nicht genug, um Geld zu verdienen. Auch für private Nutzer war der oft geträumte Traum vom Reichtum schnell ausgeträumt. Nach einem Jahr hatten gerade einmal knapp 60 000 der damals 13,3 Millionen Nutzer weltweit überhaupt Geld in „Second Life“ verdient – rund die Häfte davon weniger als zehn Dollar. „Viele Hoffnungen haben sich nicht erfüllt”, weiß Alvar Freude. Andreas Mertens, Geschäftsführer der Firma SL Talk glaubt auch zu wissen, warum. „Viele sind einfach blind bei Second Life eingestiegen. Die hatten kein Konzept.”

SL Talk hat welche. Speziell für Firmen, die sich doch noch entscheiden, in das Zweite Leben einzusteigen. „In vielen Fällen kann sich das lohnen”, sagt Mertens und nennt als Beispiel Avatar-Konferenzen für Außendienstmitarbeiter. „Die haben eine ganz andere Qualität als Video- oder Telefonkonferenzen.”

Für den Otto-Nomal-Avatar aber spielen sie keine Rolle. „Viele private Nutzer”, hat Freude festgestellt, „nutzen Second Life mittlerweile nur als 3-D-Chat mit erweiterten Gestaltungsmöglichkeiten.” Geld geben sie dabei kaum aus in der virtuellen Welt. Das könnte sich bald wieder ändern. Denn vor einigen Tagen hat Linden Lab angekündigt, einen neuen Kontinent in der virtuellen Welt zu schaffen. Zu ihm werden nur Erwachsene nach einer Altersverifikation Zutritt haben. Weil es dort künftig härtere Inhalte geben soll. „Eindeutig sexuelle Aktivitäten, fotorealistische Nacktheit” zum Beispiel. Alles geht , aber nichts muss. Denn was genau auf der Erwachseneninsel passiert, hängt auch hier von den Nutzern der 3-D-Welt ab.

Neuer Kontinent

Linden Lab verkauft die Sex-Insel als Reaktion auf Beschwerden von prüderen Nutzern. „Es wurde klar, dass einige Bewohner an bestimmten Erwachsenenaktivitäten in Second Life interessiert sind, während andere daran nicht teilhaben wollen”, heißt es offiziell. Viele Experten sehen allerdings andere Beweggründe. Sie vermuten, dass Second Life auf diese Weise professionelle Erotikanbieter und neue Kunden anlocken will. An deren Umsätzen würde auch Linden Lab verdienen.

Andreas Böhme

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Kommentare
10.08.2009
07:37
Kaum noch Leben im zweiten Leben
von amertens | #53

Einen ersten Eindruck über die factory of emotion des Fraunhofer Instituts kann sicher Autor durch den neusten Streifzug Pia Piaggios verschaffen:

http://www.sltalk.de/index.php/2009/08/07/pia-piaggio-in-der-factory-of-e-motion/

Allerdings stand dem Autor dieses Medium auch vorher schon zur Verfügung, um sich umfassend zu informieren.

@Kirsten Riehl: Meist ist es notwendig, zu tun, um zu begreifen. In Sachen Second Life bedeutet dies, mittels eines Avatars selbst einige Streifzüge durchzuführen und auf Entdeckungsreise im Metaversum zu gehen. Das kostet allerdings Zeit und setzt eine Offenheit für Neues vorraus, die Herr Böhme offensichtlich nicht besitzt. Von daher denke ich, sind weitere Kommentare vegebene Liebesmüh. Wäre Herr Böhme kritikfähig und offen, hätte er sich vielleicht einer Diskussion gestellt.

09.08.2009
23:03
Kaum noch Leben im zweiten Leben
von Reisekaufmann Zehetbauer | #52

Ich empfehle den Autor auch einmal eine virtuelle Reise durch die unzähligen Techniksims in Second Life. Ein guter Anfang wäre die Energie Innovations Sim der EnBW oder das Labor der 3D e-Motion des deutschen Fraunhofer Instituts.
Second Life ist nichts für Schnellschüsse und Baller-Gamer, es braucht seine Zeit und Arbeit, um es zu verstehen und zu erforschen, aber dann eröffnen sich einem unglaubliche Möglichkeiten und weltweite Kontakte.

11.06.2009
17:44
Kaum noch Leben im zweiten Leben
von Zauselina Rieko | #51

Firmen ziehen sich aus Second Life zurück - und das ist dann der Beweis, dass Second Life nichts taugt ???
Bloß weil einige Wirtschaftsunternehmen geglaubt haben, mal schnell an einem neuen Medium partizipieren zu können, weil die User ja eine dumme Spezies sind und sich jede Art von Werbung aufschwatzen lassen und brav alles konsumieren werden, was man von ihnen erwartet ? Au weia, das haben sie aber nicht getan, die dumen User, und die Firmen blieben erfolglos.
Ja und jetzt steht die Plattform Second Life mehr denn je für künstlerische und kulturelle Ideen und Projekte zur Verfügung. Sehr unkompliziert und mit minimalem finanziellem Aufwand verwirklichen Künstler und Schriftstelller ihre Projekte. Große Verlage können nicht diktieren, was dort veröffentlicht werden darf. Damit trägt das web3.0 entscheidend zur Demokratisierung des Internet bei.
Wenn Frimen dort keine Umsätze machen, kann das ja wohl nicht als Zeichen gedeutet werden, dass Second Life erfolglos ist. Aber Leute wie der Verfasser des obigen Artikels sind es wahrscheinlich gewohnt, alles nur nach Umsatzzahlen und Einnahmen zu bewerten. Kunst und Kultur haben so noch nie funktioniert. Die brauchten immer schon engagierte Künstler auf der einen Seite und Mäzene auf der anderen.
Die Möglichkeiten innerhalb von Second Life sind noch lange nicht ausgeschöpft. Virtuelle Lesungen mit Teilnehmern aus der ganzen Welt, die gleichzeitig online sind aber über den Globus verstreut leben - das ist nur eine Möglichkeit von vielen. Gar nicht zu reden von den wertvollen Kontakten und Netzwerken, die man dort ohne Aufwand knüpfen kann.
Ich lade den Verfasser des Artikels ein, an einer unserer nächsten Autorenlesungen in Second Life teilzunehmen. Vielleicht besitzt er ja die Größe, seine Meinung zu revidieren.
Liebe Grüße
Zauselina Rieko (= Kirsten Riehl - Journalistin bei der Westdeutschen Zeitung)

11.06.2009
15:21
Kaum noch Leben im zweiten Leben
von BukTom_Bloch | #50

Lieber Herr Böhme,

gern lade ich Sie einmal ein. Wir können uns bei mir in der unkommerziellen, deutschsprachigen Bibliothek Pegasus ein wenig auf die Terasse setzen und einen virtuellen Kaffee trinken. Vielleicht blättern Sie ein wenig in ein paar Bücher oder nehmen sich gern auch ein paar mit.
Dann machen wir einen kleinen Ausflug, vielleicht in den Dresdner Zwinger und anschließend in die Bayerische Staatsbibliothek, ach ja und dann kenne ich noch einen schönen Platz in der Nähe des Kölner Domes mit einem spannenden, kniffligen 3D- Ratespiel- das gibts jetzt aber auch auf der Deutschen Startinsel im Newbie- Bereich (sie wissen schon da, wo engagierte Ehrenamtliche neuen Bewohnern helfen- so wie in Frankfurt, Berlin, München, etc. pp.).
Zur Entspannung wäre dann der Inspire Space Park nett. Tai-Chi mitten im Weltall auf einem Meteoritenfeld untermalt mit passender Musik, bei atemberaubender Aussicht ? Wäre das Nichts ? Oder mögen sie lieber heiter- philosophische Locations wie bei den Greenies? Abends könnte man noch in einen Club- zu jedem Musikgeschmack findet sich da etwas passendes, sehr oft wird ja auch Livemusik geboten. Allerdings bin ich nicht so der Club- Typ, außer in Gallerie und zu Kunstevents bin ich meist nur bei Wohltätigkeitsveranstaltungen zu finden. Da trifft man auch, hm, Kollegen von Ihnen, von den SL- Illustrierten, oder einem der SL- Radiosender.
Schauen wir mal- eingeladen sind Sie !
Na dann !
Hm ? Sex ? Ach so, ja sicher. Schauen Sie halt mal in der Suchfunktion. In SL gibt es so gut wie Alles, für so gut wie JedeN.
Alles Gute- in allen Welten !
CU !
MfG
BukTom Bloch
aka
Burkhard Tomm-Bub, M.A.
Dipl.-Sozialarbeiter (FH)
/ Erziehungswissenschaftler /
PS: Wer sich für Kultur-Transfers RL - SL interessiert, mag gern auf meiner website schauen, unter ``Vernissage mit Tanzperformance`` z.B.

http//www.omniavincitamor.de

*******

04.06.2009
10:19
Kaum noch Leben im zweiten Leben
von Ninah | #49

Ich kann meinen Vorschreibern wirklich nichts hinzufügen. Aber eine Frage habe ich doch. Ist der Beruf des Journalisten eigentlich geschützt? Oder darf sich jeder, der mal irgendetwas veröffentlicht hat Journalist nennen?
Wenn es ein bodenständiger Beruf ist, der mit einem Abschluss, in welcher Form auch immer dokumentiert wird, habe ich noch eine Frage. Wie sieht es da mit Gewährleistung aus? Wenn ich in meinem Job einen Fehler mache, muss ich dafür gerade stehen und werde voll zur Verantwortung gezogen. Wenn ich falsche Informationen weitergebe, muss ich mich dafür verantworten und verliere im Zweifelsfall meinen Job. Wie ist das bei Journalisten? Ich stelle mir nur die Frage..... wieso kann ein ausgewiesener Journalist so viel gequirlten Mist schreiben ohne sich dafür zu verantworten? Wieso darf ein Journalist Interviewpartnern das geistige Eigentum abfragen und es dann sinnfrei wiedergeben, ohne sich dafür zu verantworten?
Wieso werden Beiträge von Postern hier Moderiert. Jeder Beruf lebt davon das die die darin arbeiten verantwortungsvoll und fachlich richtig arbeitet. Gilt das für Journalisten nicht?
Ich hoffe doch... und ich glaube es auch.... Ich möchte meinen Glauben daran auch nicht verlieren und gehe einfach davon aus.... das es sich hier um einen bedauerlichen Einzelfall handelt. Fachliche Kompetenzen kann man lernen Herr Journalist. z.B. auch in Second Life

26.05.2009
08:32
Kaum noch Leben im zweiten Leben
von amertens | #48

Herrlich. Ich habe gerade den letzten Kommentar dieses Artikels geschrieben und sehe paradoxerweise, dass Der Westen für die 3D-Sex-Plattform Secret City Werbung schaltet. Ist das nicht der Hohn schlechthin? Ich habe sicherheitshalber mal einen Screenshot gemacht und das ganze getwittert unter folgender URL twitter.com/amertens/status/1921061593.

Ich vermute mal, dass es die Redaktion hier nicht mitliest, vielleicht gibt es auch gar keine Redaktion hier? Für den Fall, dass doch jemand mitliest. Secret City ist eine Welt mit sexuellen Inhalten und als 3D-Welt darauf ausgerichtet, also nicht wie Second Life :-)

Für den Nachweis habe ich mir auch den HTML-Code der Seite gespeichert :-)

26.05.2009
08:11
Kaum noch Leben im zweiten Leben
von amertens | #47

Ich befürchte, dass nicht nur das Niveau des deutschen Fernsehen so niedrig ist. Bei englischen und italientischen Fernsehen habe ich ähnliche Erfahrungen gemacht. Ich vermute, dass Fernsehen mittel- bis langfristig zum Medium der Unterschichten wird und im Rahmen des Digital Divides der eine Teil mehr Fernsehen schaut, der andere Teil der Menschen mehr 2D-Internet konsumiert. Der nächste Schritt könnte eine Art Digital Divide 2.0 sein. Die Einen bleiben im flachen Internet hängen und die Anderen gehen ins 3D-Internet. Wie eine weitere Spaltung innerhalb eines 3D-Internets aussieht? Keine Ahnung. Wir werden es sehen.

26.05.2009
00:10
Kaum noch Leben im zweiten Leben
von Erich Kersting | #46

Der Artikel ist das typische Second Life Bashing.

Standard Bildzeitungs-System: Erst macht man einen Hype daraus und dann schreibt man es wieder runter. Echt durchschaubar und superpeinlich.

Hat das Fernsehen oder der Bertelsmann Konzern (RTL Besitzer) in Gütersloh schon Angst davor, das die Leute lieber selbst in SL mit Avataren etwas Interaktives erleben als sich von RTL verblöden zu lassen? Wenn ich mich heute in das deutsche Fernsehen hineinschalte, kann ich jedem Leser schon jetzt versichern, das er in Second Life interessantere Dinge und ein höheres Niveau erleben kann, wenn er danach sucht. Auch die Gewaltdarstellung ist im Fernsehen weit höher. Warum ist eigentlich unser deutsches Fernsehen auf ein so erbärmliches Niveau abgesunken? Ist das nur die Schuld des Werbekonzerns Bertelsmann oder von wem?

25.05.2009
00:38
Kaum noch Leben im zweiten Leben
von Silvio Remus | #45

Ich denke derwesten.de wäre froh über 50000 - 87000 User gleichzeitig online rund um die Uhr und über 1,5 - 2 Mio US$ Umsatz in der Plattform Second Life tagtäglich auch. ;-)
Ebenso können sich die Zahlen zur Onlinezeit / Nutzer von Second Life sehen lassen. Liegen ca. um das 15fache höher, als das z.B. bei einem aktiven Facebookuser der Fall ist.
Aussagen im Artikel wie Post is draußen und Mercedes und Adidas ... das wird doch seit 1-2 Jahren nur von Zeitung zu Zeitung kopiert. Liebe Journalisten, befasst Euch doch mal ein wenig mit der Materie, oder sucht Leute / Firmen die Euch berraten. Ich kann mir auch gut vorstellen dass Andreas Mertens mehr zur Thematik begesteuert hat, es aber schlicht und einfach im Artikel nicht übernommen wurde.

Second Life wird erwachsen, ernsthaftere Anwendungen werden entdeckt (Online Collaboration, E-Learning im virtuellen Raum usw.), und mit etwas Glück berichten deutsche Medien dann auch mal in 2 Jahren davon. Ein Vergleich mit der internationalen Presse zu dem Thema sollte zeigen was viele auch hier in den Kommentaren meinen ...

Silvio Interflug (in SL)

23.05.2009
05:09
Kaum noch Leben im zweiten Leben
von Virtual Worlds Coder | #44

Dieser Artikel ist superpeinlich für die Zeitung Der Westen, da der Autor mit etwas mehr Engagement leicht aktuellere Trends und echte Zahlen hätte recherchieren können. Vielleicht sollte der Webausdrucker Herr
Andreas Böhme mal etwas über Pokens schreiben. Das wäre aber fast so als sollte Fred Feuerstein die Enterprise mit Quantenantrieb steuern. LOL http://www.google.de/search?hl=de&q=poken&btnG=Google-Suche&meta=&aq=f&oq=

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