Eröffnung : Marxloher Moschee soll ein Haus für alle sein
Duisburg. Die neue Duisburger Moschee ist die größte in Deutschland. Auch wenn sich der Bau am traditionellen Vorbild der osmanischen Kuppelmoschee orientiert, will sie für alle Bürger offen sein. Am 26. Oktober ist die Eröffnung.
Steht man vor dem südlichen, nach Mekka gerichteten Eingang der neuen Merkez-Moschee in Marxloh, dann grüßt über einen Wiesenanger der neugotische Kirchturm der katholischen Gemeinde St. Peter und Paul. Das ist durchaus symbolhaltig – denn während die geplante Kölner Großmoschee zu einer hitzigen Debatte geführt hat, könnte im Duisburger Norden neuer interkultureller Zusammenhalt entstehen.
An an der Warbruckstraße in Duisburg-Marxloh ist orientalische Architektur zu sehen. Foto: WAZ, Andreas Mangen
Foto: A.Mangen / waz
Hier, wo rauchende Hochöfen den Horizont begrenzen, kommt ein Projekt kommunaler Stadtentwicklung zum vorläufigen Abschluss. Allseits herrscht Stolz: bei der Duisburger Entwicklungsgesellschaft und bei der Ditib-Gemeinde (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.), der Bauherrin.
Soziale Zwecke
Was man in Duisburg richtig gemacht hat: Schon 2002 gründete man einen Projektbeirat, der Parteien, Kirchen und Bürger einbezog und gemeinsam die Grundidee entwickelte: nicht nur eine von der moslemischen Gemeinde für ihre 2000 Mitglieder gewünschte Moschee zu bauen, sondern das Gebetshaus mit einer Begegnungsstätte zu verbinden, die alle 18 000 Marxloher ansprechen könnte. So konnte auch die Unterstützung von EU und NRW gewonnen werden, die im Rahmen des Programms „Soziale Stadt” das Zentrum mit 3,2 Mio. Euro gefördert haben (Gesamtkosten: 7,5 Mio.).
Doch auch die Duisburger Moschee bietet Diskussionsstoff – wegen der Botschaft, die von der Architektur ausgeht. Denn dem Besucher bietet sich eine mit Minarett versehene Hagia Sophia en miniature, ein ganz am traditionellen Vorbild der osmanischen Kuppelmoschee orientierter Bau (Entwurf: Cavit Sahin). Über einem Rechteck von 40 mal 28 Metern erhebt sich eine zentrale, 23 Meter hohe, kupferbedeckte Kuppel, die von vier Halbkuppeln und zehn kleineren Kuppeln umringt bzw. flankiert wird.
Begegnungsstätte und Moschee wurden wie Schale und Kern miteinander verbunden. Ein helles Restaurant mit Terrasse im freigelegten Untergeschoss, auf der gegenüberliegenden Seite Seminarräume für Bildungsarbeit vor allem für Frauen und auf der südlichen Eingangsseite ein öffentliches Archiv umschließen die 600 qm große, dem Gebet vorbehaltene Säulenhalle. Auf breiten Balkonen für Frauen findet sie ihre Fortsetzung.
Dieser Kern gibt sich mit hohen Rundbogenfenstern nach außen ausgesprochen transparent – auch die Fassaden in hellem Betonstein sind von gepflegter Sachlichkeit. Doch die farbenfrohe ornamentale Wandbemalung, die blauen Keramik-Fliesen an den Wänden, der vom Bürgermeister der anatolischen Partnerstadt gestiftete rote Teppich und der monumentale Leuchter von acht Metern Durchmesser mit seinen Koranversen lassen keinen Zweifel daran, dass die Ausgestaltung des Inneren als „Sehnsuchtsarchitektur” Heimatgefühle wecken soll.
Muss man daraus auf die Ablehnung westlicher Lebensformen schließen? Wird hier architektonisch eine „Parallelwelt” inszeniert? Es gibt kaum religiöse Vorschriften, wie eine Moschee heute zu bauen ist. Man wäre also frei gewesen für alternative Entwürfe, wie sie zum Beispiel im bayerischen Penzberg oder modifiziert in Köln erprobt wurden. Doch der Bau in Duisburg verzichtet auf eine die Tradition brechende Architektur. Formal ist er weitgehend Zitat und vermittelt damit der Gemeinde Vertrautheit. Im übrigen wird er den Erfordernissen einer Begegnungsstätte gerecht – er ist ganz Zweckbau.
Im Sinne der kommunalen Zielsetzung dürfte dieser Kontrast nachhaltiger wirken als ein aufgezwungener Sichtbeton-Purismus. Der integrative Erfolg der Duisburger Moschee wird mehr davon abhängen, welche Begegnungen sich unter den drei Kuppeln des Archivs ereignen werden. Sie sind mit Rosen, Olivenzweigen und Lilien ausgemalt – Symbolen der drei monotheistischen Religionen.
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