Krankenkassen
Die Gesundheitskarte startet heute an Rhein und Ruhr
01.10.2009 | 09:08 Uhr 2009-10-01T09:08:00+0200
Essen. Die elektronische Gesundheitskarte kommt mit drei Jahren Verspätung. Ab heute wird die E-Card im Krankenkassen-Bezirk Nordrhein gestartet. Bis Ende 2010 soll die Einführung deutschlandweit abgeschlossen sein. Die wichtigsten Fragen und Antworten haben wir zusammengestellt.
Wer muss zuerst die elektronische Gesundheitskarte beim Arztbesuch vorlegen?
Die E-Card wird zuerst im Bezirk Nordrhein eingeführt, etwa in Duisburg, Essen, Mülheim, Oberhausen, Düsseldorf und Köln. Nach und nach werden acht Millionen gesetzlich Versicherte im Bezirk die neue Karte erhalten. Zum Ende des Jahres hält die E-Card laut NRW-Gesundheitsministerium dann auch in Westfalen-Lippe Einzug.
Welche Änderungen bringt die neue Karte mit sich?
Auf der Karte werden in der ersten Version zunächst nur Name, Anschrift und Geburtsdatum gespeichert. Neu ist das Foto des Versicherten, das Versicherungs-Betrug vorbeugen soll. Später soll die Karte der Schlüssel zu weiteren Leistungen sein. Geplant ist, dass Patienten sich in Arztpraxen mit einer Geheimnummer anmelden, um dem Arzt Zugriff auf eine elektronische Patientenakte zu gewähren. Erprobt wird auch, ob auf dem Speicherchip der Karte ein elektronisches Rezept abgespeichert werden kann.
Wo hakt es noch?
Die Kassen stehen zurzeit vor dem Problem, Bilder von rund 70 Millionen Versicherten anzufordern, die auf die neue elektronische Gesundheitskarte gedruckt werden. In der Testphase hat sich allerdings gezeigt, dass Versicherte oft ungenügende Fotos einreichen, die nicht biometrischen Anforderungen genügen. Die Gesundheitskarte wird allerdings nur mit einem biometrisch korrekten Bild ausgeliefert.
Die elektronische Gesundheitskarte liegt nicht im Zeitplan, hinkt gut drei Jahre hinterher. Nach Informationen der Freien Ärzteschaft sind im Bezirk Nordrhein erst ein Drittel der Arztpraxen mit entsprechenden Lesegeräten für die Karten ausgestattet, nur ein Bruchteil der Versicherten habe bereits eine entsprechende E-Card erhalten. „Zudem werden die Fotos nicht auf ihre Echtheit geprüft”, sagt Martin Grauduszus, Präsident der Freien Ärzteschaft. Probleme gibt es auch noch beim elektronischen Rezept und dem elektronischen Arztbrief. Beide Anwendungen kosteten Ärzte in der Testphase wesentlich mehr Zeit als die bisherigen papiergestützten Methoden. Nach Willen des NRW-Gesundheitsministeriums werden nur Anwendungen den Weg auf die Karte finden, die sich auch im Testbetrieb als ausgereift erwiesen haben.
Laut Branchenverband Bitkom geht allerdings kein Weg an der Einführung der E-Card vorbei. „Bislang herrschten schon fast anachronistische Zustände im deutschen Gesundheitswesen”, sagt Verbandspräsident Prof. August-Wilhelm Scheer. Bei der Datenverarbeitung habe das deutsche Gesundheitssystem einen Rückstand von mehr als zehn Jahren gegenüber der Wirtschaft. „Deshalb ist die Einführung der Gesundheitskarte ein notwendiger Schritt”, so Scheer zur WAZ.
Sind die Daten auf der E-Card überhaupt sicher?
Nach bisherigen Planungen sollen zahlreiche Daten wie die elektronische Patientenakte nicht dezentral auf dem Chip der Karte, sondern auf einem zentralen Rechner gespeichert werden. Der Patient gibt bei einem Arztbesuch dann den Zugriff auf seine Daten frei. Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, bezeichnete das Verfahren jüngst als ausgereift.
Was kostet die Einführung der Gesundheitskarte?
NRW bezuschusst die Einführung der E-Card jährlich mit rund 500 000 Euro. Laut NRW-Gesundheitsministerium gibt es zehn verschiedene Kostenträger, insofern lasse sich nur schwer ermitteln, wieviel Geld in das Projekt geflossen sei. Nach Informationen des Branchendienstes Bitkom hätten am Projekt beteiligte Unternehmen bereits 325 Millionen Euro investiert, einige seien bereits ausgestiegen.
Nach einem bereits 2006 vorgestellten Gutachten der Beratungsgesellschaft Booz Allen Hamilton summieren sich die Kosten für die Einführung der Gesundheitskarte auf über 13,5 Milliarden Euro. Dem stünde ein Nutzen im Wert von 14 Milliarden Euro gegenüber – unter dem Strich eine Einsparung von rund einer halben Milliarde Euro. Allerdings, so das Gutachten, rechne sich die Einführung der Karte nur, wenn weitere Leistungen wie das elektronische Rezept auch genutzt würden.

11:17
Viele sinnvolle und berechtigt Kommentare habe ich hier gelesen. Ein Aspekt fehlt mir dabei aber noch: Wie ist es mit dem Vertrauen des Patienten zum Arzt?
Bin ich sicher, dass mein Arzt vertrauensvoll mit dem was ich ihm erzähle umgeht? Welche Beurteilung des Arztes wandert dann in eine zentrale Krankenakte und ist für alle folgenden behandelnden Ärzte einsehbar? Wenn dort einmal etwas hinterlegt ist, werde ich es überhaupt jemals wieder los? Kann ich von einem Arzt behandelt werden, ohne ihm den Zugang zu dieser zentralen Datei zu erlauben?
Das alles hat mit dem in anderen Zusammenhängen vielbeschworenen „Vertrauensverhältnis Patient/Arzt“ als Argument gegen andere Korrekturmaßnahmen in Gesundheitssystem, wie z.B. einer Gegenzeichnung von in Rechnung gestellten ärztlichen Leistungen, nicht mehr viel zu tun. Ich werde mir in Zukunft gut überlegen, welche Infos ich gegenüber Ärzten preisgebe. Ärzte sind nämlich auch nur Menschen und bestimmt nicht objektiv in ihrer Beurteilung.
10:53
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10:53
Viele wichtige und berechtigte Kommentare, aber eines habe ich noch gar nicht gefunden:
Wer hat hier eigentich das Vertrauen zu den Ärzten, dass die nur sinnvolle und berechtigte Daten über mich aufnehmen, die ja dann allen folgenden behandelnde Ärzten automatisch einsehbar sind. Dann muss ich also ab jetzt ständig hinterher sein, dass kein Unfug in meine Akte geschrieben wird. - Und das soll noch die vielbeschworene Vertrauensbasis zum Arzt sein, wegen der andere Maßnahmen, wie zum Beispiel die Gegenzeichnung durchgeführter ärztlicher Leistungen durch den Patienten nicht möglich sind!
Ich fühle mich entmündigt bei so einem System!
11:11
Die Frage, wer die Fotografierkosten bezahlt, ist sehr berechtigt. Schließlich sehen es viele Versicherte nicht ein, für die Erstellung der Passfotos viel Geld bezahlen zu müssen und die Zeit für einen Fotografenbesuch zu investieren.
Mit der Einführung der eGK müssen die Krankenkassen in den nächsten Monaten Passbilder von 70 Millionen Versicherten einholen. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen berichtet, dass Versicherte in der Testphase oft unbrauchbare Fotos einsendeten oder gar das Einsenden des Fotos verweigerten. Die Gesundheitskarte wird allerdings nur mit einem geeigneten Passbild ausgestellt.
Hierzu hat das Unternehmen clickyourpic von der Freien Universität Berlin eine Lösung zur Passbildbeschaffung sowohl für Versicherte als auch für Krankenkassen entwickelt.
Auf der Seite www.clickyourpic.de ermöglicht das Unternehmen den Versicherten biometrische Passfotos mit der eigenen Webcam selbst zu erstellen. Für die Aufnahme eines Fotos positioniert sich der Versicherte entsprechend
einer biometrischen Maske und nimmt sein Foto selbst auf. Die Abzüge erhält der Versicherte innerhalb von drei Tagen bequem nach Hause zugeschickt. Außerdem ermöglicht es die Technologie, die erstellten biometrischen
Passbilder für Personalausweise und Reisepässe zu verwenden. Mit dieser Lösung erübrigt sich für die Versicherten in Zukunft der Weg zum Fotografen.
Gleichzeitig hat clickyourpic auch für Krankenkassen eine günstige Lösung entwickelt. Das Unternehmen bietet den gesetzlichen Krankenversicherungen ein Tool, das den Versicherten erlaubt, ihr Bild direkt auf der Webseite der Krankenkasse zu erstellen und online an die Krankenkasse zu übermitteln. Auf diese Weise wird sowohl der Koordinations-aufwand der Krankenkasse sowie des Versicherten extrem minimiert. Zudem wird es den Krankenkassen durch die Online-Bildaufnahme ermöglicht, in kurzer Zeit viele Passbilder der Versicherten einzuholen. Die von clickyourpic entwickelte Lösung erspart allen Beteiligten Zeit, Geld und Nerven und ist bei Krankenkassen bereits auf großes Interesse gestoßen.
19:49
Hey, man kann sich doch auch freuen. Diese Karte macht das soziale untereinander einfacher. Wenn man mit den ersten Geräten im vorbeigehen den Chip auslesen kann, weiß ich doch in Zukunft vorher ob der schmierige Verkäufer meinen Handschlag verdient - oder ich wegen Scabiesbefall ihm erst gar nicht die Hand gebe.
Gläserner Bürger: 1
Datenschutz: 0
12:09
Weggeworfene Milliarden in dieser schweren Zeit: Gespart wird nicht, aber die Beiträge werden steigen, gerade bei Schwarz-Gelb! Und das nur auf Arbeitnehmer- und Rentnerseite!!! So hat es das Volk ja gewollt.
11:46
Kann man das nicht mit der Payback-Karte verknüpfen?
10:52
+++Ich bin Hartz IV Bezieher.
Im Regelsatz sind keine Fotografierkosten enthalten.
Wer bezahlt mir und meiner Familie die Fotokosten?
#4 von Ex NOKIA Mitarbeiter +++++++++
Jeder Hartz4er hat doch einen PC und Internetanschluss, die können das Foto mit der Webcam machen und zur Krankenkasse hochladen. :P
10:42
Mal schauen ob ich noch ein Foto aus meiner Jugendzeit habe, ansonsten gibt es nichts!
10:42
@#4 Niemandem werden die bezahlt! Allerdings, in dem Paragraphen auf den sich die Kassen berufen steht auch nix davon, dass sie ein Foto machen müssen (auch wenn die das behaupten) - es steht nur, dass eins auf die Karte muss. Auch Angaben zu Größe, Brennweite Farb sind nicht definiert, bzw die Kassen wissen nicht wo es im steht.
Niemand haftet, wenn irgend jemand die Daten zieht (einmal weg - immer weg)
Nach dem Modell reicht es einen korrupten Heilberufler (bzw. seine PIN) aus dem EU-Ausland zu erhalten (bestechen, erpressen, ...) dann war es das und unsere Kassen werden sagen: Oh, was für ein ärgerlicher Einzelfall.
Und überhaupt wer oder was ist Bitkom, die behaupten, dass eine Karte auf der der Name, Geburtsdatum und Anschrift + meinetwegen ein Foto von nem Toaster steht, einen notwendigen Fortschritt darstelle? Für deren Bücher, oder wie?
Bringt Leistung im Gesundheitswesen und kein Gedöns.
Wer haftet, wenn die aufgezeigte Rechnung (einmal mehr) nicht stimmen sollte?
Wer haftet, wenn es Mißbrauch gibt?
Und ich meine nicht politische Verantwortung (was auch immer man darunter verstehe), ich meine klassisches dafür haften - mit Haus+Hof, Sippe und Leben.