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Altenpflege - Ein Knochenjob mit Zukunft
13.09.2009 | 19:02 Uhr 2009-09-13T19:02:00+0200
Essen. Altenpfleger und Altenpflegerinnen sind gefragt. Doch die Arbeit ist hart. Viele kritisieren auch die Arbeitsbedingungen. Für eine bessere Bezahlung sollen nun Mindestlöhne sorgen.
Britta M.* arbeitet in einem Pflegeheim irgendwo in NRW. Sie hat Feierabend. Wie ihr Tag so war? „Das war heute mein achter Dienst am Stück. Ich bin ehrlich geschafft. Wir sind zu dritt für 26 Bewohner. Ich habe 45 Minuten, um drei, vier Bewohnern Frühstück zu geben und weitere vier, fünf so zu lagern, dass sie alleine essen können. Da wird schon mal schnell noch ein Löffel nachgeschoben oder der Schnabelbecher länger am Mund gehalten, als der alte Mensch schlucken kann.”
Britta M. arbeitet in d e m Beruf der Zukunft. So preisen ihn zumindest die Parteien in ihren Wahlprogrammen. Eine Million Arbeitsplätze im Gesundheits- und Pflegesektor verspricht etwa die SPD bis 2020. Doch damit beschreibt sie nur die Folge der alternden Gesellschaft: Immer mehr Menschen werden krank und pflegebedürftig, also braucht es mehr Menschen, sie zu pflegen. Die entscheidende Frage aber beantwortet keine Partei: Wenn die Stellen schon von allein entstehen – wie sorgt man dafür, dass es anständig bezahlte, begehrte Arbeitsplätze werden und nicht unterbezahlte Knochenjobs?
Altenpfleger gesucht
Schon heute werden Altenpfleger händeringend gesucht: Im August blieben allein in NRW 2520 Stellen offen. Dass diese Zahl ständig steigt, zeugt nicht nur vom wachsenden Markt, sondern auch von häufigen Jobwechseln – ein Indiz für Unzufriedenheit. Laut einer Verdi-Umfrage halten nur 12 Prozent der Altenpfleger Lohn und Arbeitsbedingungen für angemessen, mehr als die Hälfte für schlecht. Jede zweite Pflegekraft erwägt laut einer Studie der Uni Wuppertal, den Beruf zu wechseln.
Viele tun das auch. „Es sind immer die Guten, die gehen. Je sensibler sie sind und je besser sie die Alten pflegen wollen, desto eher kommt der Frust”, sagt Pflegeexperte Claus Fussek. Der Münchner ist der prominenteste System-Kritiker und als solchen ereilen ihn täglich Briefe von Pflegerinnen, die um Hilfe rufen. So wie Sabine S.* Sie arbeitet in einem Heim in Unna. Bis zu 28 Tage am Stück, wie sie schreibt, darunter viele Doppelschichten mit Früh- und Spätdienst an einem Tag. Ständige Entlassungen führten zu Versorgungsengpässen. Die Folge: „Teilzeitkräfte arbeiten Vollzeit. Mitarbeiter haben sich an freien Tagen bereit zu halten, um einzuspringen.”
Mindestlohn?
Für eine bessere Bezahlung sollen nun Mindestlöhne sorgen. Die Koalition hat die Pflegeberufe ins Entsendegesetz aufgenommen, noch streiten kirchliche und private Verbände mit den Gewerkschaften über die Höhe. Diskutiert wird über einen Stundenlohn zwischen 8,50 und 9,68 Euro.
Nur: Wenn Arbeitszeiten nicht eingehalten werden, sind Mindest-Stundenlöhne Makulatur. Die Kirchen als größte Arbeitgeber können sogar ganz legal Überstunden fordern, aus „Nächstenliebe”. Das erlaubt das besondere Tarifrecht in Tendenzbetrieben. Diakonie und Caritas schreiben solche Klauseln in die Arbeitsverträge.
Personalkosten
Wenn die Arbeitszeiten eingehalten und Mindestlöhne durchschlagen würden, hätte auch das Folgen, die bisher nicht einmal diskutiert werden. Irgendjemand muss die steigenden Personalkosten tragen. Die Politik will ausdrücklich nicht mehr Geld aus der Pflegeversicherung in die Heime pumpen, sondern die ambulanten Dienste stärken.
Damit bliebe den Trägern nur, mehr Geld von ihren Bewohnern und deren Angehörigen zu verlangen – oder aber am Personal zu sparen.
Laut einer Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) würde der Mindestlohn dazu führen, dass bis 2020 in der stationären Pflege 100 000 Stellen weniger entstünden.
Teilzeit- und Minijobs
Heime könnten Personalkosten auch sparen, indem sie Vollzeitkräfte noch häufiger durch Teilzeit- und Minijobber ersetzen. Keine gute Alternative. „Es gibt schon viel zu viele Jobber in diesem Beruf. Wir brauchen mehr fachlich und sozial kompetentes Personal”, sagt Experte Fussek. Das zeige sich in guten Heimen, die es ja auch gebe. „Die investieren in Weiterbildung, was schlechte Häuser an Abfindungen zahlen, um unbequeme Mitarbeiter loszuwerden.”
Antje V.* stieg aus dem Beruf aus. Nicht wegen des niedrigen Lohns. Sie ertrug den Zeitdruck nicht, ertrug es nicht, Menschen „abzufüttern” und noch weniger ihre „traurigen Blicke”. Was sie schreibt, ist schwer verdaulich. Zwangsernährung. Magensonden. Kollegen, die alten Menschen die Nase zuhielten, damit sie endlich schlucken. Gespräche? „Solange ein alter Mensch redet, kann er nicht schlucken.”
* Namen geändert

17:26
Wenn die Holzköpfen in den Chefetagen der Betreiber von Seniorenzentren nicht immer untern Strich 100% Gewinn haben müsten, Und der Personalbestand hier einmal Reduziert würde, dann wäre auch mehr ´Geld vor Ort in den Heimen da, und es könnte mehr Personal bei besserer Bezahlung Eingestellt werden.
12:48
Klar, wenn dann die 70jährigen die 90jährigen pflegen....
10:18
@#7: Bei dieser Verantwortung für das Wohl der HeimbewohnerInnen und bei dieser körperlichen und psychischen Beanspruchung sind 1000 Euro brutto (nach Ihrem Zahlenbeispiel 1125 €) für examinierte Fachkräfte mit Examen deutlich zu wenig.
Das Problem: Die Pflege war und ist immer noch ein Frauenberuf und wurde bzw. wird folglich schlechter bezahlt. Aktienschieber und Versicherungsverkäufer erhalten das Zehnfache, soviel zur Wertehierarchie dieser Gesellschaft.
Und den Kirchen gehört auch als Arbeitgeberinnen die Sonderstellung und Privilegien aberekannt - sofort.
10:12
Etwas Selbstkritik sei den kirchlichen Trägern empfohlen. Was haben sie getan, einen Pflegestandart in ihren Einrichtungen zu errichten, der den Gedanken an Privatisierung unddenkbar gemacht hätte? Einen Standart, der sowohl dem Klientel als auch dem Personal gerecht gewesen wäre? Nichts wurde getan. So noch ein Rest an Ethik vorhanden, wäre ein Rückzug angebracht, ein Rückzug mit dem Verweis auf das grandiose Versagen.
BSV(ehemaliger Altenpfleger)
09:02
Die vertragliche Klausel Nächstenliebe der kirchlichen Träger Diakonie und Caritas sollte alles andere als ein finanzielles Argument sein...Das ist das grosse Dilemma der Pflegeberufe! Der Beruf muss in seinen Strukturen weiter professionalisiert werden um aus der staubigen Ecke des Liebesdienstes heraustreten zu können.
08:11
Super das!
Armut ! 7,50 Euro - Armut !
150 Stunden, 1000 Brutto !
Besser, man baut gleich eine Tafel und ein Sozial-Bekleidungshaus in den Altenheimen ein,
damit die Pflegekräfte nicht die Hälfte der Arbeitszeit in den Schlangen der suppenküchen stehen müssen.
06:31
Ja, der Artikel weist den richtigen Weg. Leider verhindern die Kirchen Mindestlöhne, da sie sich nicht als Tarifpartei sehen, die Tarifverträge abschließt. Kirche legt die Arbeitsbedingungen und Entlohnungen selbstherrlich fest. Das muss verändert werden.
20:33
klar sind etliche 1 euro kräfte auch dort vorhanden!!
leute, schaut man was ein vollzeitunterkunft kostet wäre dies aber nicht legal!!!!!!!!!
zwischen 3000 und 4000 euro?????????????????
wer soll das bezahlen???????
jeder rentner der eine gute rente hat, wird ein sozialfall!!!!!!!!!!!!
du bist deutschland!!!!!!!!!!!!!!
leute, und immer schön für das alter vorsorgen!!!!!
wieviel wollt ihr monatlich beiseite packen???????
steckt die kohle schön den versicherungen im hintern.
20:28
Altenpflege - Ein Knochenjob mit Zukunft
und mit Hungerlöhnen...
(von den CHRISTLICHEN PARTEIEN so gewollt...)
19:39
Da muss ganz schnell ein Umdenken stattfinden - denn gute und kompetente Altenpflege wird in den nächsten Jahren noch stärker gebraucht. Unsere Gesellschaft wird immer älter. Solange die alten Leute zu Hause bleiben können mit Hilfe der Angehörigen - OK. Aber ganz ohne fachliche Unterstützung geht auch das nicht.