Zwischen Woodstock und Waterloo
07.06.2009 | 17:35 Uhr 2009-06-07T17:35:00+0200Rock am Ring erlebte einen Frostschock. Viele Partypilger hatten ihre Jacken vergessen, wärmten sich aber mit heißen Beats auf.
Rock und Frost-Schock am Ring: Deutschlands größtes Musikfestival erlebte am Wochenende Unwetter und Temperaturen um den Gefrierpunkt.
Gegen die Kälte gab es für 85 000 Frierende inmitten der Formel-1-Baustelle Nürburgring nur ein Entrinnen: Singen und Springen im Takt der fetten Beats. Und mit denen machten Branchen-Größen wie Korn, The Prodigy, Placebo oder Slipknot ihrer Zuhörerschaft ordentlich Feuer unter dem Hintern.
Festival-Macher bevorzugen stets Termine in den Monaten Juni bis August, weil diese die Chance auf Sommer, Sonne und unbeschwerten Soundgenuss radikal erhöhen. Doch die Eifel meinte es diesmal nicht gut mit ihrer jährlich aufkreuzenden Party-Pilgerschaft. Auf den Campingplätzen herrschte Land unter. Sturzbäche suchten sich ihren Weg durch die dicht an dicht stehenden Zeltreihen. Sascha (32) zog mit dem Klappspaten Gräben. Das bringe nichts, sagte er, und schaute skeptisch auf seine Proviant-Vorräte. Aber die Grillwurst solle so doch trocken bleiben.
Sebastian und Johannes (20) hatten einen Kohleofen mit unter ihr Pavillondach genommen. Der bollerte die ganze Nacht. Die meisten Rocker hatten sich gehörig mit dem Reisegepäck vertan: Jan-Marius (17) aus Bottrop hatte Sonnencreme eingepackt. Ein Fehlgriff! Sein Mitschüler Jonas (17) hatte – wie viele andere Musikfans auch – die Jacke zuhause vergessen. Der umfrisierte Müllsack war daher ein bevorzugtes Kleidungsstück.
Das Festival endete für einige erschöpfte Rocker irgendwo zwischen Woodstock und Waterloo. Bevor sie auch nur eine einzige Band gesehen hatten, lagen sie – verdreckt und alle Viere von sich gestreckt – tief schlafend zwischen Boxengasse und Hauptbühne.
Auf dieser gab es die gewohnte Mixtur aus Weltstars, Wahnsinn und Weichspüler-Rock – wobei der Freitag-Headliner The Killers eindeutig zu letzterer Gruppe zu zählen ist. Die Formation aus Las Vegas ist zwar so erfolgreich wie nie. Der Preis dafür war aber ein hoher. Denn inzwischen lässt sich auf jeden zweiten Song dieser Ex-Rocker problemlos Discofox tanzen. Die Masse mag's.
Den Wahnsinn repräsentieren The Prodigy und Slipknot. Beide Formationen brachten die Zuhörerschaft zum Kochen. Beim Über-Hit „Smack My Bitch” kletterte Prodigy-Sänger Keith Flint von der Bühne und rannte in den abgetrennten Teil des Innenraums. Dort schnitt er Grimmassen, erklomm die Barrikaden. Ein Star sucht Körperkontakt. Der wärmt ja auch am besten auf.
Weitere Informationen und Fotos zum Festival unter: DerWesten.de/festivals
15:27
The Killers sind nach wie vor eine der besten Bands der Welt, soviel ist erstmal sicher.