Zeitarbeit droht Pleitewelle
15.04.2009 | 19:35 Uhr 2009-04-15T19:35:00+0200
Nach einem steilen Aufstieg stürzt die Branche entsprechend tief ab. Besonders kleine Unternehmen kämpfen ums Überleben.
Die Zeitarbeit hat wie kaum eine andere Branche vom Aufschwung profitiert. Sie hat ihn auch mitgetragen, viele Unternehmen konnten oder wollten die Auftragsflut nur mit Kolonnen geliehenen Personals bewältigen. Diese Flexibilität funktioniert auch in der Krise – nur in die entgegengesetzte Richtung: Die Zeitarbeiter müssen als erste gehen und bevölkern nun die Flure der Arbeitsbehörden.
Von den 820 000 Zeitarbeitern auf dem Höhepunkt des Branchenbooms im vergangenen Sommer sind keine 550 000 mehr übrig. „Die gesamte Autoindustrie, aber auch der Maschinenbau und die Chemieindustrie sind praktisch entvölkert von Zeitarbeitern”, sagt Volker Enkert, Präsident des Bundesverbandes Zeitarbeit (BZA), der WAZ. Er sieht den Tiefpunkt noch nicht erreicht, „wir werden wohl noch unter die halbe Million rutschen”, prognostiziert er. Im Herbst könnte die Talsohle erreicht sein.
Auch für viele Verleihfirmen selbst wird diese Krise zur Existenzfrage. Zwei der drei großen Verbände – BZA und IGZ – sprechen von einer Marktbereinigung. Sie halten vor allem kleine Unternehmen für gefährdet, die den größten Teil der rund 8000 Firmen in Deutschland ausmachen. Einen Überblick über die Pleiten hat in dieser zersplitterten Branche niemand. Aus den Verbänden sind einige dutzend Pleiten bekannt, doch die meisten kleinen Firmen sind unorganisiert. „Gerade in Süddeutschland, aber auch im Ruhrgebiet trifft die Autokrise viele hart”, sagt IGZ-Sprecher Wolfram Linke. Viele würden „von ihren Rücklagen leben”.
Aus Branchenkreisen im Revier ist zu hören, dass viele kleinere Anbieter ums Überleben kämpfen. Solange sie noch kämpfen, werden freilich keine Namen genannt. Die eigentliche Pleitewelle, da decken sich die Erwartungen, steht noch bevor. Bis Ende Mai müssen alle Zeitarbeitsfirmen die jährlich fälligen Beiträge an die Berufsgenossenschaften überweisen. Das könne für Unternehmen, die durch die Krise ohnehin in Schwierigkeiten geraten seien, gefährlich werden, meint Thomas Hetz, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Mittelständischer Personaldienstleister (AMP). „Früher ging man zu seiner Bank und bekam ohne Probleme einen Überbrückungskredit. Heute ist das schwieriger”, sagte er.
Der AMP vertritt 1100 kleine und mittelgroße Firmen und kämpft derzeit mit einem weiteren Problem. Er hat als einziger großer Verband einen Tarifvertrag mit den Christlichen Gewerkschaften abgeschlossen. Deren Tarifgemeinschaft (CGZP) hat das Berliner Arbeitsgericht unlängst die Tariffähigkeit abgesprochen. Es sah keinen ausreichenden Organisationsgrad und die CGZP damit als nicht mächtig genug an, eigene Tarifverträge abzuschließen.
Die Christlichen Gewerkschaften wollen in die nächste Instanz gehen, das Urteil ist nicht rechtskräftig. In diesem Falle drohten tausenden Zeitarbeitsfirmen Nachzahlungen von Löhnen und Sozialabgaben. Sie müssten dann die gleichen Stundensätze zahlen, die in den entleihenden Betrieben die Stammbelegschaft erhält. Und das rückwirkend für bis zu drei Jahre.
AMP-Geschäftsführer Hetz sagt, das Urteil werde niemals Bestand haben. Was andernfalls aus den betroffenen Unternehmen werde, wollte er nicht kommentieren, da es reine Spekulation sei. Der Konkurrenzverband IGZ, der mit dem BZA einen Tarifvertrag mit dem DGB abgeschlossen hat, will dagegen schon jetzt Auswirkungen spüren. „Viele haben Angst vor Nachzahlungen”, sagt IGZ-Sprecher Linke, freilich nicht ohne Eigennutz. Die IGZ gewinne derzeit Mitglieder vom AMP.
Die Großen als Gewinner
Den Großen käme eine Pleitewelle kleiner Konkurrenten gar nicht unrecht. Die drei Marktführer Randstad, Manpower und Adecco – sämtlich BZA-Mitglieder – hoffen, als Sieger aus der Krise hervorzugehen. Denn: „Wenn es im Herbst wieder losgeht, dann aber gewaltig”, meint BZA-Präsident Enkerts. Wer nach einer solchen Krise neue Aufträge erhalte, stelle nicht gleich Stammpersonal ein, sondern zuerst Zeitarbeiter.
23:22
Das wird sich auch nicht ändern. Zeitarbeit ist (in Deutschland) wie eine Lizenz zum Gelddrucken (für den Verleiher). Die Politik hat auch etwas davon, nämlich die Leute die aus der Arbeitslosenstatistik verschwinden. Der Gesetzgeber sagt ja, Gleiche Arbeit - Gleicher Lohn. Wenn da nicht ein kleiner Anhang am Gesetzestext wäre den sich diese sog. Christlichen Gewerkschaften zunutze machen. Wenn da nicht wieder irgendwelche Lobbyisten ihre dreckigen Finger im Spiel hatten...
14:09
Zeitarbeit ist lohndumping
10:33
Ehemaliger Personaldisponent? Da hält sich mein Mitleid in sehr engen Grenzen.
08:05
Schön das diese Ausbeuter Pleite gehen. Wie setzen sich denn die sogenannten kleinen Zeitarbeitsfirmen zusammen? Durch unzufriedene Personaldisponenten die der Meinung waren, was mein Chef kann, also kaum im Büro sein und dickes Auto fahren, kann ich auch. Also eine eigene Zeitarbeitsfirma gründen. Und was viel wichtiger ist, die Kunden mitnehmen, nicht die Leiharbeiter,....mh, die auch, mit Kunden sind die Firmen gemeint. Absolute Krähenwirtschaft. Jeder hackt den anderen ein Auge aus.
Naja,.....ich bin jetzt seit 3 Wochen arbeitslos. Habe schon so einiges an Berufserfahrung sammeln können. Gestern war ich auf dem Arbeitsamt, klipp und klar sagte man mir, ich solle doch bitte schön min. 8 Bewerbungen an Zeitarbeitsunternehmen schicken. Da ich selber mal Personaldisponent vor einigen Jahren war, und weiß wo der Hase lang läuft, weil sich nämlich nichts weiter geändert hat ausser die Überlassungszeit der Leiharbeiter und der sogenannte Tarif für Zeitarbeit, bewerbe ich mich doch gerne,...um,....tja, um die Bitte des Arbeitsamtes nachzukommen. Nur das man keine Sperre bekommt. Ach ja, einen Termin für eine Informationsveranstaltung habe ich auch schon, .....Berwerbungstraining.