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Wittener Schulgebäude: Hausaufgaben gemacht oder Note mangelhaft?

26.09.2008 | 20:07 Uhr
Wittener Schulgebäude: Hausaufgaben gemacht oder Note mangelhaft?

Witten hat einen Millionen-Nachholbedarf bei der Unterhaltung der Schulen. Die Sätze wurden erhöht. Man arbeite sehr gewissenhaft, so das Gebäudemanagement. Die Sicherheit steht obenan, da bleibt für die Optik wenig übrig

Stinkende Klos, klappernde Fenster und Rattendreck: Wer über den Zustand öffentlicher Schulgebäude in Witten (und nicht nur von Schulgebäuden) lamentieren will, findet schnell plastische Beispiele und wohlfeilen Applaus. Hier der Versuch einer realistischen Standortbestimmung im Gespräch mit Friedhelm Klass, Leiter des Amtes für Gebäudemanagement.

Das Geld

Eine griffiger Richtwert eines Fachverbandes der Kommunen besagt, dass man jedes Jahr 1,2 Prozent des Wiederbeschaffungswertes in die öffentlichen Gebäude stecken müsste, um den Bestand vernünftig zu erhalten. Danach müsste Witten jährlich 4,8 Mio Euro aufwenden. Fakt: Anfang der 90er Jahre waren es maximal 1,5 Mio Euro pro Jahr. 2005 wurde dieses Soll erstmals erfüllt, seitdem pendeln die Ausgaben um diesen Wert. Pflichtaufgaben (Sicherheit), aber auch erfolgreiche Überzeugungsarbeit beim Kämmerer macht Klass dafür verantwortlich. Als Klotz am Bein bleibt: allein seit 1990 ein Sanierungsstau in deutlich zweistelliger Millionenhöhe.

Die Prioritäten

Wann kommt endlich meine Schule dran? Das wollen viele Eltern wissen. Der oberste Gebäudemanager nennt die Prioritäten: 1. Sicherheit. 2. Funktionserhalt. 3. Bestandserhalt. 4. Schönheitsreparaturen. Da es schon beim Kapitel Wärmedämmung einen hohen Nachholbedarf gibt, wenn auch beispielsweise der Heizölverbrauch durch Modernisierungen seit dem Jahr 2000 um 50 Prozent gesenkt werden konnte, hat die Optik in aller Regel das Nachsehen.

Die Geldfresser

„Unsere Schulen sind nicht so prickelnd schön, aber sie sind sicher”, erinnert Klass an die ganz dicken Posten seit Anfang des Jahrzehnts. Der Flughafenbrand von Düsseldorf und die höheren Sicherheitsstandards seitdem machten das damalige städtische Investitionsprogramm mit einem Schlag zur Makulatur. Jahrelang flossen Millionen in die Sicherung des zweiten Rettungswegs. Die Schulen bekamen zusätzliche Außentreppen, mindestens aber ein Sicherheitsgerüst, neue Brandschutztüren. Die Herbeder Grundschule und die Crengeldanzschule erhielten Überdruckbelüftungsanlagen, die die Treppenhäuser im Ernstfall abschotten und rauchfrei halten. Innovativ, aber teuer. Ein zweiter Schlag ins Kontor waren die Perfecta-Decken bei Otto Schott, am Crengeldanz, in Buchholz und in der Overbergschule. „Einsturzgefahr” sagten Statiker, als sie die angerostete Eisenbewehrung der Betondecken entdeckten. Die Sanierung zog sich über Jahre hin, Schüler lebten mit Sicherheitspfosten – eine neue Form des „Stütz”-Unterrichts.

Toiletten

Da die Hygiene für ihn auch unter die Priorität „Sicherheit” fällt, sind die Sanitäranlagen mitnichten Klass' Stiefkind. Er verweist auf die Legionellen in den Buchholzer Duschleitungen, dort habe man umgehend gehandelt. Stinkende Urin-Rinnen alter Bauart sind ihm selbst ein Gräuel. Da brauche man ihm nicht das EN-Gesundheitsamt auf den Hals schicken, wie bisweilen geschehen. Schwelm kontrolliert ohnehin einmal im Jahr. Toiletten- und teils auch Duschsanierung steht 2008 bis 2010 im Plan für: AMG, Dorfschule, Husemannhalle, Freiligrath, Otto Schott, Baedeker, Pferdebach und Hellweg.

Zukunftsmusik

In den nächsten Jahren steht u.a. die Rundumsanierung der Pestalozzischule an. Durch die Pavillonbauweise mit dünnen Außenwänden geht dort viel Energie verloren. Auch die Pferdebachschule und das Hardenstein-Nebengebäude Vormholzer Ring würde Klass energetisch gerne auf Vordermann bringen. Sie stehen noch auf der Förder-Wunschliste.

Privatinitiative

Für den Wunsch vieler Eltern – „hier muss doch nur mal Farbe rein” – hat Friedhelm Klass viel Verständnis. Nur eigentlich keinen Etat: Schönheit ist eben keine Pflichtaufgabe. Unter der Devise „wenn sie schon in ihrer Freizeit selbst anstreichen, sollen sie wenigstens nicht noch die Farbe mitbringen müssen”, bekommen sie wenigstens diese gestellt.

Aufwärts im AMG

Herausragendes Beispiel von privater Initiative war jüngst ein Vater vom Albert Martmöller Gymnasium. Er sorgte dafür, dass der überzählige Lift aus der Durchholzer Grundschule – der Abriss läuft – im Oberdorf eingebaut wurde. Er selbst zeichnete als Architekt, Firmen halfen, den Restbetrag von 17 500 Euro teilten sich u.a. Stadt, Bürgerstiftung und Schulverein. Und: Der alte Lift musste nicht entsorgt werden.

Die Hausaufgaben

Hat die Stadt also ihre Hausaufgaben gemacht, Herr Klass? Der Amtsleiter: „Für meine Mitarbeiter und mich kann ich sagen, dass wir sie sehr gewissenhaft gemacht haben. Ob wir sie auch gut gemacht haben, mögen andere beurteilen.”

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Lena Butterweck sieht die Dach- und Fassadensanierung am AMG (Energiesparen) mit gemischten Gefühlen: „Die Gebäude sind relativ alt. Und was neu gemacht wurde, passt nicht mehr zum Alten.”

Vladislav Krebs hat den Vergleich: „Die Otto-Schott-Realschule in Ordnung, aber die Adolf-Reichwein-Realschule ist schon dreckig.” Der Bau an der Westfalenstraße mit Rattenproblem ist inzwischen zugenagelt – ARR residiert heute auf dem Sonnenschein.

In der Kronenschule läuft der Betrieb aus: „Vor allem die Toiletten sind katastrophal, aber auch der Rest ist renovierungsbedürftig”, klagt Carolyn Brodowski.

An der Hardenstein-Gesamtschule stößt Marina Moldenhauer  auf: „Die Fenster sind milchig, die Toiletten heruntergekommen und sehr unhygienisch.” Weil der Stadt das Geld fehle, fände sie eine Spendenaktion gut, sie wünscht sich Eigeninitiative von Eltern und Schülern.

Am Berufskolleg sieht Joanna Nowak Fortschritte: „Die Gebäude sind heruntergekommen, aber so langsam tut sich was, es gibt frischere Farben.

Goncalo Fernandes findet die Holzkampschule gut, „weil die neue Spielplätze machen – eine der besten Schulen in Witten”.

Merlin ist froh, dass er auf die Helene-Lohmann-Realschule geht: „Die ist noch schön sauber, Wir haben letztens neue PCs bekommen.”

Christiane Becker freut sich: „Meine Tochter hat Glück. Sie war in Buchholz und geht jetzt auf das Schiller-Gymnasium und dort ist alles in Ordnung.”

Johannes Kopps

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