Wittener Rathaus führt Buch über Fehlzeiten der Mitarbeiter
09.03.2009 | 22:21 Uhr 2009-03-09T22:21:00+0100
Witten. Ist es ein neuer Datenschutz-Skandal? Im Wittener Rathaus wurden seit 2007 systematisch Listen mit den Fehlzeiten aller 1500 Mitarbeiter geführt - mit Namen, Personalnummern und genauen Krankenzeiten. Der Personalratsvorsitzende ist entsetzt. Verdi fordert personelle Konsequenzen.
Wittens Stadtverwaltung macht sich einmal mehr einen Namen als gläsernes Rathaus. Nach dem Datenschutzskandal vom Herbst, als die Diagnosen von erkrankten Reinigungskräften und Hausmeistern schriftlich festgehalten wurden, wurde nun bekannt, dass seit 2007 systematisch Listen mit Fehlzeiten und Namen aller 1500 Mitarbeiter geführt und an Vorgesetzte weitergegeben werden.
Statistische Erfassung
Der Personalratsvorsitzende Lothar Zimmer zeigte sich am Montag entsetzt, als er von der WAZ erfuhr, dass es diese Krankenlisten für die gesamte Behörde gibt. „Das wird ja immer abenteuerlicher” – hatte er doch erst letzte Woche erfahren, „dass schon die ganze Bauverwaltung draufsteht”.
Gegen eine statistische Erfassung von Fehlzeiten sei nichts einzuwenden – nicht jedoch in dieser differenzierten Form mit Namen, Personalnummer und genauen Krankenzeiten, so Zimmer. Vor allem die Weitergabe der Daten durch das Personalamt an die jeweiligen Dezernenten stößt dem Personalratsvorsitzenden sauer auf. Er hat die Landesdatenschutzbeauftragte eingeschaltet.
Stadtspitze: "Es ging nur um die Summe der Krankentage"
Die Wittener Stadtspitze macht unterdessen kein Hehl daraus, die Daten seit Umstellung der EDV 2007 systematisch erfasst zu haben. Personalamtsleiter Karl-Heinrich Göbel: „Es ging nur um die Summe der Krankentage, nicht um die Krankheit, die dahintersteckt.” Anders als bei den Reinigungskräften seien also keinerlei Befunde notiert worden. Göbel spricht genauso wie die Bürgermeisterin von einem wichtigen Steuerungsinstrument. Stadtchefin Sonja Leidemann: „Wie wollen Sie eine Verwaltung mit 1500 Leuten führen, wenn Sie nicht wissen, wie die Krankenstände sind?”
2008 war die Quote mit mehr als sieben Prozent überdurchschnittlich hoch. Hier gehe es auch um Fürsorge, um Mitarbeitern gegebenenfalls einen anderen Arbeitsplatz anzubieten, erklärt Leidemann. Sie versichert: „Wir haben keinen neuen Datenschutzskandal, weil diesmal keine vertraulichen Informationen hinterlegt wurden.”
Das Klima wird rauer. Verdi fordert personelle Konsequenzen, um das Vertrauen wiederherzustellen. Gewerkschaftssekretärin Brigitte Voigt: „Das darf kein Bauernopfer sein.”
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16:40
Eine Statistik und bei Bedarf eine vorher abgestimmte Prüfung einzelner Mitarbeiter ist etwas völlig anderes, als eine fächendeckende, heimliche und vor allem Personenbezogene Speicherung. Der einzelne Mitarbeiter wusste davon nichts, und da liegt meiner Meinung nach der Skandal. Einen Personalrat für etwas verantwortlich zu machen, der davon nichts wusste ist lächerlich. Dieser müsste entweder von Mitarbeitern informiert werden, oder im Rahmen einer Vertrauensvollen Zusammenarbeit einbezogen werden. Natürlich muss mein Arbeitgeber wissen, wann ich wie lange krank bin, aber habe ich als Arbeitnehmer nicht das Recht, zu wissen, dass solche Listen geführt werden?
Und im ganzen Datenwust, machen wir uns nix vor- ob freie Wirtschaft oder nicht- scheint es den Datenschützern zumindest wichtig zu sein, hier genauer zu prüfen.
Jeder regt sich über die Kündigung der 1,30 Euro Verkäuferin auf und meckert über Beamte. Ich habe keines der Gesetze entworfen, ebensowenig meine Kolleginnen und Kollegen, die sich von aufgebrachten Bürgern beschimpfen lassen, weil sie Hartz IV ungerecht finden oder Knöllchen doof, obwohl sie falsch geparkt haben und nicht mit den Konsequenzen leben können, diese bezahlen zu müssen, sich von betrunkenen als ********* bezeichnen lassen, nur weil sie ihrem Job nachgehen. Die Angestellten im öffentlichen Dienst sind auch nur Menschen, und menschlich ist es sowohl, wenn man mal krank ist, als auch wenn man mal nicht gut drauf ist. Mir tut es unendlich leid, dass es Arbeitgeber gibt, die jede Menschlichkeit verloren haben und ich hoffe für dieses Land, dass sowohl in der freien Wirtschaft als auch im öffentlichen Dienst mal wieder ein bisschen mehr Ehrlichkeit, Vertrauen und vor allem Miteinander herrscht!
15:20
So ich melde mich auch noch mal zu Wort. Ich bin weiss Gott kein Träumer sondern....nee stimmt nicht manchmal erlaube ich mir zu träumen. Geht mal zum Wohngeldamt oder zu den Argen oder den Agenturen oder was weiss ich nicht. Dort wird krankgelitten?
Ich habe einige Jahre in der Privatwirtschaft gearbeitet und ein erhöhtes Krankheitsaufkommen hätte auf jeden Fall Sanktionen zur Folge gehabt.
Anschließend, nachdem ich mir den Rücken kaputtgemacht hatte war nur noch eine subventionierte Stelle im öffentlichen Dienst möglich, natürlich befristet und ein Hungerlohn. Trotzdem, ich hatte den Eindruck ich bin im Wunderland. Mein Chef musste mir schon androhen endlich einen Schein zu nehmen.
Aaach was wäre ich froh diesen bequemen Job noch zu haben und dann noch mit der entsprechenden Besoldung. Aaaaaaaaaaaaachhh mir würde es gut gehen. Jetzt hänge ich am Hungerhaken.
Deshalb wähle ich auch die gerechte Linke...alles andere ist Schwachsinn.
15:05
Also manchmal frage ich mich wo wir leben. Ich arbeite selbst in einer Verwaltung und seit meiner Einstellung muß ich Dienstzeiten stempeln, d.h. Arbeitsbeginn und -ende, sowie Mittagszeiten, außerdem Dienstgänge, sobald ich Außentermine wahrnehme. Diese Praxis wird wahrscheinlich allen Verwaltungen Deutschland gang und gäbe sein.
Natürlich werden auch Statistiken über Krankenzeiten und Urlaubszeiten geführt genauso, wie in jedem Betrieb der privaten Wirtschaft auch. Hier allerdings geht es um das Führen einer Liste deren Inhalt ganz andere Auswirkungen hat und für die Dienstplanung unerheblich ist.
14:06
@ Slarti
Keine Fragen. Eher Ernüchterung.
Aber mit Ihnen ist anscheinend sowieso nicht zu reden.
Erlbetes aus einem real eixistierendem Umfeld. Dieses Umfeld gibt keinen representativen Querschnitt zu anderen Verwaltungen wieder.
Dementsprechend gebe ich hier auch selbst erlebte, real existierende Erlebnisse kund.
13:49
So eine Liste gibt es in jedem betrieb
13:37
Goldjunge 100
Der Schleim trieft.
13:36
Ich weiss nicht waru man sich beschwert.
Mustte 30 Jahre als Lohn bzw. Gehaltsempfaenger
stempeln. Egal beim betreten des Firmengelaendes oder in der Naehe meines Arbeitsplatzes.
Wo liegt das Problem.
Am Nachmittag bildeten Schlangen beim ausstempeln, jeder wollte noch eine Einheit damals 3 Minuten mitnehmen.
Die Toiletten in der Naehe der Stempeluhr waren uebelasstet. Maennlein wie Weiblein.
13:34
Noch son Träumer. Absprachen wer wann Krank ist. Sonst ist aber noch alle im Rahmen oder?
Hallo fragender, dies sind keine Mutmaßungen, sondern real im Umfeld erlebte Tatsachen, welche dann auch ausgeführt wurden. Interessant war dabei das absolut fehlende Unrechtsbewußtsein. So, noch Fragen? Dann lieber weiter Dienst schieben (Sarkasmusmodus aus).
Slarti
13:17
Wo liegt denn das Problem. Würde ich auch tun. Wenn jemand systematisch jeden ersten Dienstag im Monat krank-feiert dann muss das doch irgendwie auffallen dürfen. Aber dass nennt man bei der Stadtverwaltung Frau und da kommt die Gleichberechtigungsbeauftragte und Fakten spielen dann keine Rolle mehr. Gleichberechtigungsbeauftragte. Ich könnte Kotzen wenn ich das Wort höre. Diese Position ist eine Beleidigung für alle Frauen die wirklich Arbeiten wollen. Und komischerweise ist mir noch keine Frau begegnet die erfolgreich war und was mit einer Gleichstellungsbeauftragten zu tun haben wollte.
13:16
Ich bin erstaunt, wie viele sich doch so gut mit den Strukturen im öffentlichen Dienst auskennen...