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Interview

Wirtschaftsethiker gegen Limit für Managergehälter

27.07.2009 | 06:36 Uhr
Wirtschaftsethiker gegen Limit für Managergehälter

Berlin. Die millionenschwere Abfindung für den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hat die Debatte über Managergehälter neu entfacht. Der Münchener Wirtschaftsethiker Karl Homann spricht sich gegen eine Obergrenze der Bezüge von Unternehmenslenkern aus.

Dem liberalen Philosophen und Ökonomen Adam Smith zufolge wird das Allgemeinwohl erreicht, indem alle ihrem Egoismus frönen. Die Finanzkrise und ihre geschätzten Schäden in Höhe von vier Billionen Euro widerlegen diese optimistische Annahme.

Homann: Das ist eine verkürzte Interpretation dessen, was Adam Smith schrieb. Er sagte, dass der Markt eine Rahmenordnung braucht, damit er funktioniert. Was ein Wettbewerb ohne Regeln bedeutet, hat im 17. Jahrhundert Thomas Hobbes erklärt: Kampf aller gegen alle. Und heute sehen wir dies an den Auswirkungen der Finanzkrise. Die vermeintliche Gier der Manager ist nicht das eigentliche Problem, sondern die Tatsache, dass Regelsysteme nicht funktionieren.

Warum ist der Vorwurf der Gier unangemessen?

Die millionenschwere Abfindung für den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hat die Debatte über Managergehälter neu entfacht. Foto: ap

Homann: Weil sich in ihm das alte Paradigma spiegelt. Wer die Manager kollektiv als gierig denunziert, begibt sich auf das Argumentationsniveau der Vormoderne. Mit dieser Zuschreibung wird versucht, einzelne Personen verantwortlich zu machen. Das sind sie aber nicht. Denn sie arbeiten in gesellschaftlichen Funktionssystemen mit starker Eigenlogik. Gegen die Gesetze des Rechts, der Politik, der Ökonomie kann man als Einzelner mit dem Anspruch individueller Moral kaum etwas ausrichten.

Wie wollen Sie den Bruch zwischen moralischem Empfinden und marktwirtschaftlicher Realität heutzutage kitten?

Homann: Die Bundesregierung arbeitet beispielsweise an neuen Regeln für die Bezahlung von Managern. Das ist richtig. Wenn Bankvorstände Schäden anrichten, sollten sie für einen Teil mit ihrem persönlichen Vermögen haften. Es geht nicht um Schadensersatz, denn die Schäden sind oft so groß, dass sie kein Mensch bezahlen kann – nicht mal ein Vorstandsvorsitzender, schon gar kein Politiker. Aber es sollte künftig wenigstens einen Selbstbehalt geben – wie für die Bürger bei der Kasko-Versicherung ihrer Autos. Gegenwärtig ist das nicht der Fall. Die Unternehmen schließen Versicherungen für ihre Topleute ab.

Die mangelnde Haftung ist die eine Sache, eine andere die schiere Höhe. Wir reden über Gehälter von 15, 20 oder auch 100 Millionen Euro pro Jahr. Wäre es sinnvoll, eine Obergrenze zu bestimmen, um die Polarisierung in Arm und Reich zu dämpfen?

Homann: Das halte ich für falsch, das ist ökonomischer Unsinn.

Die US-Regierung und die Bundesregierung tun genau das. Die Gehälter von Bankvorständen, deren Institute mit öffentlichem Kapital gestützt werden, hat man gedeckelt. Warum soll das nicht auch für private Unternehmen gelten?

Homann: Ein wichtiger Punkt wird in der Debatte über Managergehälter gerne unterschlagen: Hohe, selbst überhöhte Preise besitzen eine marktwirtschaftliche Lenkungsfunktion. Sie zeigen an, dass die Qualifikationen, die es erlauben, einen Großkonzern zu leiten, knapp sind. Weil die Nachfrage nach Topmanagern höher ist als das Angebot, müssen die Unternehmen viel Geld ausgeben. Kommt aber der Markt in Gang und werden mehr Manager ausgebildet, sinken die Gehälter wieder.

Gegenthese: Die astronomischen Managergehälter sind nicht Ausdruck einer Knappheit, sondern mindestens teilweise eines Marktversagens. Weil die wirksame Kontrolle durch die Aufsichtsräte der Unternehmen fehlte, konnten sich die Vorstände auf Kosten der Aktionäre und letztlich auch der Allgemeinheit bereichern.

Homann: Wenn man eine Obergrenze einführte, würde man jedoch die Lenkungswirkung des Preises auf dem Markt für Manager völlig außer Kraft setzen. Die Höhe des Gehaltes ist ein Indiz dafür, wie viel jemand im Job wert ist.

Hannes Koch

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Kommentare
27.07.2009
20:50
Wirtschaftsethiker gegen Limit für Managergehälter
von immerNett | #25

Im Vergleich mit dem Durschnittseinkommen von Afrika ist hier jeder Hartzi ein König soviel dazu. Überlegen, bevor man so einen Unfug abgibt. 5 setzen.

27.07.2009
18:38
Wirtschaftsethiker gegen Limit für Managergehälter
von Vanagas | #24

#23 immerNett :

Was wollen Sie ?
Kuba steht blendend da im Vergleich zum Rest von Latain - und Südamerika trotz 50 Jahre Wirtschaftsembargo .
Machen Sie doch mal die Augen auf + schauen sie sich doch mal das Elend um Kuba an .

Von nichts eine Ahnung aber La Paloma pfeifen !

27.07.2009
17:39
Wirtschaftsethiker gegen Limit für Managergehälter
von immerNett | #23

@21 Willst du Verhältnisse wie in Kuba? Die Ansichten derer werden hier doch weitgehend kundgetan. Erschreckend das manche darauf abfahren.

27.07.2009
16:22
Wirtschaftsethiker gegen Limit für Managergehälter
von bedenkenträger | #22

Es ist doch eigentlich ganz einfach: Ein Arbeiter braucht keinen Manager, der kann ihm auch nicht bei der Arbeit helfen, Manager hingegen brauchen sehr wohl Arbeiter, da sie selbst mehr als unproduktiv sind!
Wenn sie gerade mal keine Lustreise machen, Golf spielen oder ihr Geld zählen, dann haben sie den lieben, langen Tag genügend Zeit darüber nachzudenken, wie sie aus ihrer Firma noch mehr Profit herausquetschen können und in ihre Tasche stecken können!
Herr Homann ist nur das Sprachrohr des Kapitals und bekommt das auch gut bezahlt.
Die Frage ist nur, wie lange sich das arbeitende Volk noch solche Parasiten gefallen lässt?

27.07.2009
13:53
Wirtschaftsethiker gegen Limit für Managergehälter
von kuba4711 | #21

@ 19 immer brett vorm Kopf.
jedenfalls kann man Dich nicht in die Kategorie geistiger Leistungsträger einordnen.
Beim besten Willen nicht.

27.07.2009
13:49
Wirtschaftsethiker gegen Limit für Managergehälter
von immerNett | #20

@18 Nach deiner Lesart sind Hartzis Leistungsträger.Wundert mich nicht.

27.07.2009
13:39
Wirtschaftsethiker gegen Limit für Managergehälter
von kuba4711 | #19

Der Begriff Leistungsträger in unserer Gesellschaft wurde nicht nur von sog. Wirtschaftsethikern in den letzten jahren verballhornt ,sondern auch von den politischen Nichtethikern aus der FDP.

27.07.2009
13:18
Wirtschaftsethiker gegen Limit für Managergehälter
von Dewitz | #18

Tenor Homann: Wenn sich alle anderen daneben benehmen, darf man selber auch.

Finde ich moralisch zumindest fragwürdig.

27.07.2009
10:57
Wirtschaftsethiker gegen Limit für Managergehälter
von immerNett | #17

@7 Wovon träumt der lustige Elektrosteiger? Ein Hartzi bezahlt? Zum Lachen, der liegt wie ein Mühlstein dem Steuerzahler um den Hals.

27.07.2009
09:30
Wirtschaftsethiker gegen Limit für Managergehälter
von Pistol_Pete | #16

Schön wie sich die Leute hier tummeln, die offensichtlich im Artikel beschrieben werden.
Vielleiht wäre auch mal ein Grundkurs zum Thema Ethik und Moral notwendig um zu verstehen was ein Wirtschaftsethiker macht. Aber wahrscheinlich kommt gleich der erste um die Ecke, der wieder auf Experten schimpft.

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