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Wir können die Welt verstehen

25.04.2008 | 15:01 Uhr

Eine kurze Geschichte vom Urknall bis zur Zivilisation: Ein Gespräch mit dem Astrophysiker Prof. Harald Lesch über das Leben, den Kosmos und sein neues Buch

Prof. Harald Lesch ist der populärste Astrophysiker Deutschlands. Viele kennen ihn durch seine Sendung "alpha-Centauri" oder seine Bücher wie "Kosmologie für Fußgänger" und "Physik für die Westentasche". Im September übernimmt Lesch im ZDF den Platz von Joachim Bublath und moderiert das Wissenschaftsmagazin "Abenteuer Forschung". Kürzlich ist sein Buch "Die kürzeste Geschichte allen Lebens" erschienen, das er zusammen mit dem Wissenschaftsjournalisten Harald Zaun geschrieben hat. Für die WAZ sprach Andrea Naica-Loebell mit Lesch.

Sie sind bekannt als der Physiker, der den Menschen anschaulich die Relativitätstheorie, das flache Universum oder die Schwarzen Löcher erklärt - jetzt haben Sie die "kürzeste Geschichte allen Lebens" geschrieben, warum?

Lesch: Weil ein riesengroßer Teil dieser Geschichte des Lebens vom Kosmos erzählt. Es ging uns darum, die Verbindung des irdischen Lebens mit dem Universum heraus zu stellen, und das an ein paar entscheidenden Szenen der Naturgeschichte fest zu machen. Woran ich wissenschaftlich interessiert bin, sind Selbstorganisationsphänomene und das ist der Kosmos, der sich selbst organisiert, aber auch Materie, sie sich selbst von toter Materie zu lebendiger Materie und dann sogar zu denkender, intelligenter Materie selbst organisiert. Die Grundfrage lautet: Was passiert denn in diesem Universum? Diese Prozesse nachzuvollziehen, das treibt mich um. Wir haben probiert, diesen Fluss vom Urknall bis zu den griechischen Philosophen nachzuzeichnen.

Am Ende stehen die griechischen Philosophen?

Lesch: Wie wollten nicht nur beschreiben, wie Materie sich verdichtet, sondern auch wie Erkenntnis sich verdichtet. Damit klar wird, dass ich als Mensch tatsächlich die Natur verstehen kann, ohne Götter oder Mythen bemühen zu müssen. Die griechischen Philosophen waren die ersten, die sich die Frage stellten: Was ist die Welt? Da schließt sich der Kreis, wenn der Mensch als Teil der Natur anfängt, Fragen an die Natur zu stellen. Wir wollten nicht die verschiedenen Modelle gegenüberstellen und auch kein Buch schreiben, wo schon wieder die Lichtgestalten der Wissenschaftsgeschichte wie Einstein oder Newton hervortreten. Wir beschreiben den Stand der Dinge. So, als würde man heute mit einem Mikro durch die verschiedenen wissenschaftlichen Institutionen laufen und es dort Leuten unter die Nase halten, die dann die Standardmodelle über die Entstehung des Universums, der Strukturen, des Lebens und des Menschen beschreiben würden.

Es gibt keine Formeln in dem Buch?

Lesch: Doch eine ist drin, auf Seite 32: Einsteins E=mc2. Aber ansonsten ist es garantiert formelfrei!

Was wollten Sie den Lesern vermitteln?

Lesch: Es sollte ein Riesenlesevergnügen sein. Eine Reportage, kein systematischer Bericht, sondern deutsche Sprache mit gutem Stil, wo man nicht immer zurück blättern muss, um sich zu vergegenwärtigen, was man gerade gelesen hat. Ein Buch, das man in einem Rutsch durchliest und sich sagt: Aha, so ist das also alles gewesen! Es soll kein Lehrbuch sein, sondern ein Lesevergnügen. Die kürzeste Geschichte allen Lebens erforderte Auslassungen.

Was muss in der Kommunikation zwischen Wissenschaft und breiter Öffentlichkeit noch verbessert werden?

Lesch: Wissenschaftler sind immer inhaltsverliebt, auf jedes Detail versessen, denn jeder Krümel ist ja selbst erarbeitet. Aber der Journalist hat den Leser im Blick, der die Zusammenhänge nicht kennt, keine Insider-Stories braucht. In dem Buch geht es um die wesentlichen Inhalte, die ein Naturwissenschaftler unter Anleitung eines Wissenschaftsjournalisten vermittelt. Das was die Öffentlichkeit wissen sollte über die Geschichte der Natur, der rote Faden - eigentlich müsste das Buch aussehen wie ein roter Faden.

Worüber werden Sie Ihr nächstes Buch schreiben?

Lesch: Mein zweites Standbein, wenn es um Publizistik geht, sind astronomische Grundlagenbücher. Ich denke darüber nach, ein reines Sternenbuch zu schreiben. Ganz saubere Astronomie, ganz schnörkellos. Zu erklären, was ist ein Stern, welche Arten von Sternen gibt es, wie ist ein Neutronenstern aufgebaut, wie ein pulsierender Stern funktioniert oder Ähnliches. Da werde ich wieder meiner Detailgier frönen können. Und dann sehen wir mal weiter. Mein Credo: Den Ball flach halten!

Harald Lesch, Harald Zaun: Die kürzeste Geschichte allen Lebens. Eine Reportage über 13,7 Milliarden Jahre Werden und Vergehen, Piper, 220 S., 16,90 EUR

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Kommentare
29.01.2010
22:29
Wir können die Welt verstehen
von anita kuranovsky | #1

Die Vor-Urknalltheorie von Karel Müller setzt neue Maßstäbe in der Wissenschaft.

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